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Das Stade Roland-Garros, Austragungsort des French Open, steht vor einer Totalerneuerung. Nach Jahren der Gerichtsverfahren scheint der Weg frei für einen neuen Court und ein Dach.

Wer dieser Tage von der U-Bahn-Station an der Porte d'Auteuil im Pariser Südwesten Richtung Stade Roland-Garros läuft, sieht auf der rechten Seite nicht mehr die üblichen Gewächshäuser, sondern eine grosse Baugrube mit Kran. Sie ist das Zeichen einer Veränderung, die kaum mehr möglich schien.

Spitzentennis gleich neben dem berühmten Bois de Boulogne und in Sichtweite des Eiffelturms hat seinen Preis. Eine Vergrösserung und Anpassung der Anlage an die heutigen Bedürfnisse für einen Grossanlass wie das French Open sind in den beengten Verhältnissen einer europäischen Grossstadt unmöglich. Zumindest fast. Nun scheint die Fédération Française de Tennis (FFT), der organisierende französische Verband, der Quadratur des Kreises ganz nah. Es wird an einem neuen Court für 5000 Plätze gebaut, der die engen Platzverhältnisse lindern soll.

Von Werten und Tradition

Anwohner und Umweltschützer hatten die Expansion in den benachbarten Botanischen Garten während Jahren blockiert. Die FFT hatte in ihrer Verzweiflung sogar darüber nachgedacht, das Turnier an die Peripherie zu verlegen. Nach Versailles oder in die Nähe des Disneylands. Das French Open ausserhalb von Paris auszutragen wäre für Traditionalisten ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Der Verband entschied sich schliesslich auch dagegen. "Es geht hier um Werte und unsere Kultur", erklärte FFT-Präsident Bernard Giudicelli am Sonntag. "2011 haben wir uns für den mutigen Weg entschieden, es hier in Paris durchzuziehen."

Der neue Court ist nur ein Teil des Expansionsprojekts, das insgesamt 350 Millionen Euro kosten soll. In vier Phasen wird bis 2020 im südöstlichen Teil des Botanischen Gartens der neue Court, genannt Court des Serres, gebaut und durch eine Passage mit dem bestehenden Turniergelände verbunden. Dafür werden zwei Hilfsgebäude des Gartens abgerissen, die nicht unter Denkmalschutz stehen. Die historischen Gewächshäuser des Architekten Jean-Camille Formigé vom Ende des 19. Jahrhunderts bleiben hingegen bestehen. Zudem wird der Platz fünf Meter in den Boden versenkt und in Pflanzen des Gartens eingebettet. So soll der Garten eine grüne Oase für das Quartier bleiben.

Endlich ein Dach

Verschwinden, und das wird die Traditionalisten wiederum betrüben, werden hingegen die aktuellen Courts 1 und 2. Court 1 ist als Stierkampfarena bekannt und geliebt, weil die Zuschauer äusserst nahe am Spielgeschehen sitzen, dafür aber der Auslauf für die Spieler sehr beschränkt ist. Stattdessen entsteht eine begrünte Fläche, die neue Place des Mousquetaires, auf der die Zuschauer die Matches auf einer grossen Leinwand schauen können wie in Wimbledon auf dem "Henman Hill". Schliesslich erhält der Hauptplatz, der 15'000 Zuschauer fassende Court Philippe-Chatrier, eine Runderneuerung und ein schliessbares Dach. Das Stadion war 1928 erbaut worden, um den Davis-Cup-Final Frankreich gegen die USA auszutragen.

Roland-Garros erhält damit bis 2020 als letzter Grand-Slam-Austragungsort ein Stadion mit Dach und damit Planungssicherheit für das Fernsehen. Ganz ohne Kontroversen ist dies jedoch nicht. E wird die Zweiklassengesellschaft im Tennis noch verstärken. Dann kann es auch in Paris vorkommen, dass die Stars auf dem Centre Court ihr Programm ungestört durchziehen, während sich das "Fussvolk" auf den Aussenplätzen mit Verzögerungen und allenfalls fehlenden Ruhetagen herumschlagen muss. Gegen den Lauf der Zeit kann sich eben auch ein Monument wie das French Open nicht widersetzen.

Das könnte höchstens noch ein Appellationsgericht. Denn trotz des bereits erfolgten Baubeginns ist noch ein letzter Rekurs gegen den Ausbau hängig. Für Giudicelli kein Grund zur Sorge. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Gericht gegen uns entscheidet, denn bis dann ist der neue Court des Serres fertig gebaut", sagte der FFT-Präsident. Überzeugt ist er vom Erfolg nicht zuletzt wegen der Kandidatur von Paris für die Olympischen Sommerspiele 2024, bei denen das Tennisturnier natürlich in Roland-Garros ausgetragen würde. "Das ist ein Projekt von nationaler Bedeutung." Vom traditionellen Stadion, wäre dann zwar nicht mehr viel übrig. Aber immerhin bleibt der Grossanlass in Paris.

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SDA-ATS