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Spaniens neue konservative Regierung will die Aufklärung tausender Fälle von Kindesraub in den vergangenen Jahrzehnten vorantreiben. Die Justiz-, Innen- und Gesundheitsminister sowie die Generalstaatsanwaltschaft vereinbarten am Donnerstag mit Vertretern der Opfer-Vereinigungen die Einrichtung einer Datenbank.

Darin sollen die Namen und Geburtsdaten der mutmasslich gestohlenen Babys sowie die Namen der Kliniken, in denen sie geboren sein sollen, eingetragen werden. Diese Daten sollen danach mit Angaben der Standesämter verglichen werden.

Es handle sich um ein "fürchterliches Drama, das seelischen Schmerz auslöst", sagte Justizminister Alberto Ruiz-Gallardón in der Hauptstadt Madrid. Der Staat habe "die Pflicht, alles ihm rechtlich Mögliche zu tun", um Aufklärung zu schaffen.

Nach Angaben der Opfer-Vereinigungen sollen seit den 50er Jahren in Spanien bis zu 300'000 Babys in Spitälern geraubt worden sein. In vielen Fällen habe man den Eltern gesagt, dass ihr Kind bei der Geburt gestorben sei. Daraufhin sei das Kind an Adoptiveltern übergeben worden.

Linientreue Erziehung

Die Diebstähle erfolgten zu grossen Teilen planmässig, um Kinder politisch nicht linientreuer Eltern nach den Vorstellungen der Staatsführung erziehen zu lassen. Später kamen zudem mehr und mehr finanzielle Interessen von Kinderhändlern ins Spiel.

Die Ankündigung der Behörden fiel zusammen mit der Vorladung einer Nonne zur Vernehmung durch ein Gericht in Madrid. Sor María wird Freiheitsberaubung und der Urkundenfälschung vorgeworfen. Eine Frau hatte die Nonne beschuldigt, ihr die Tochter nach der Geburt im Jahr 1982 in einer Madrider Klinik weggenommen zu haben.

Die Nonne nahm ihr Recht in Anspruch, als Beschuldigte die Aussage zu verweigern. Sor María ist die erste Ordensschwester, die in Spanien im Zusammenhang mit einem Fall des Kindesraubes vor Gericht gebracht worden ist. Landesweit sollen aber bislang mehr als 1400 Anzeigen erstattet worden sein.

SDA-ATS