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Mit dem SC Bern hat erstmals seit 16 Jahren ein Team den Schweizer Meistertitel erfolgreich verteidigt. Die Berner sind auch in der am Donnerstag beginnenden neuen Spielzeit der Topfavorit.

Der SCB hat eine Traum-Saison hinter sich. In der Qualifikation verlor er nie mehr als zwei Partien hintereinander, und in den Playoffs setzte es bloss vier Niederlagen ab. Ob die Berner erneut dermassen dominant auftreten, dahinter ist ein Fragezeichen zu setzen. Fakt ist aber, dass die Mannschaft sicher nicht an Qualität eingebüsst hat. Den Abgang von Captain Martin Plüss kompensierten die Verantwortlichen mit der Verpflichtung von Gaëtan Haas (Biel), dem Center Nummer 1 der Schweizer Nationalmannschaft an der letztjährigen Weltmeisterschaft in Paris und Köln. Und wer Trainer Kari Jalonen kennt, der weiss, dass es keinen Schlendrian geben wird.

Noch stärkere Ausländer

Bei den Ausländern sind die Berner noch stärker einzustufen als zuletzt. Zwar kehrte der Amerikaner Ryan Lasch, der zweitbeste SCB-Skorer der vergangenen NLA-Qualifikation, zu Frölunda Göteborg zurück. Dafür wechselten der Finne Mika Pyörälä und der Kanadier Mason Raymond zum Schweizer Meister. Der 36-jährige Pyörälä erzielte in der letzten Saison 26 Tore sowie 30 Assists in 62 Partien für Kärpät Oulu und erhielt die Auszeichnung als wertvollster Spieler der finnischen Liga. Zudem nahm der Allrounder bereits an sieben Weltmeisterschaften teil. Der 31-jährige Raymond verfügt über die Erfahrung von 609 Partien in der NHL, zuletzt war er bei den Anaheim Ducks tätig. Wegen fehlender Spielpraxis aufgrund einer schweren Erkrankung seiner Frau dürfte er jedoch noch etwas Zeit benötigen, bis er in Topform ist. Dies stellt insofern kein Problem dar, als der SCB fünf Ausländer im Kader hat. Liga-Topskorer Mark Arcobello blieb dem Verein ebenso erhalten wie Andrew Ebbett und Maxim Noreau.

Die Ambitionen der Berner sind selbstredend hoch. Sie wollen nicht nur zum dritten Mal in Folge den Meisterpokal in die Höhe stemmen, sondern auch im Cup und in der Champions Hockey League brillieren. "Es ist klar, dass es nach den letzten beiden Jahren falsch wäre, wenn wir sagen würden, mit einer Halbfinal-Qualifikation zufrieden zu sein", erklärte der Berner Sportchef Alex Chatelain. "Wir sind die Gejagten. Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie enorm weit der Weg zum Meistertitel ist."

Dass eine hohe Qualität alleine nicht genügt, dafür sind die ZSC Lions das beste Beispiel. Die zu verspielten Stadtzürcher schieden trotz einer exzellent besetzten Mannschaft zum zweiten Mal in Folge in den Playoff-Viertelfinals aus. Eine solche Enttäuschung soll es nicht noch einmal geben, die Halbfinals sind das Minimal-Ziel. Deshalb verpflichtete der neue Sportchef Sven Leuenberger mit Fredrik Pettersson (Dynamo Minsk/KHL) und Drew Shore (Kloten) zwei Stürmer, die wissen, wo das Tor steht.

Schweiz statt NHL

Pettersson gelangen in seiner Zeit bei Lugano in 140 Spielen nicht weniger als 71 Treffer. Er ist keiner, der lange fackelt, sondern aus allen Lagen schiesst. Shore zeichnete in seiner einzigen NLA-Saison für 24 Tore verantwortlich. Hinten holte der ZSC mit Kevin Klein viel Routine. Der 32-jährige Kanadier hätte bei den New York Rangers noch einen Vertrag bis 2018 besessen, der ihm 2,75 Millionen Dollar eingebracht hätte. Er verzichtete aber darauf, um in der Schweiz zu spielen. Mit seinem Charakter ist er eine Bereicherung für den ZSC.

Beachtliches passierte in der internen Team-Hierarchie. Der 39-jährige Mathias Seger, seit der Saison 2005/06 der Captain der Lions, musste sein Amt an den zwölf Jahre jüngeren Patrick Geering abgeben. Der ZSC erhofft sich dadurch neue Impulse. "Wir sind durchmischter als auch schon" sagte Geering. "Wir haben ein paar neue, hungrige Spieler im Kader, die auch für das Leben in der Mannschaft ihren Teil beitragen werden. Wir wissen, dass wir ein Spitzenteam sind. Allerdings bringt das Wissen alleine nichts. Wir haben etwas gutzumachen."

Geht die Davoser Serie weiter?

Der HC Davos hat als einzige Mannschaft der Liga noch nie die Playoffs verpasst. Daran dürfte sich auch in der neuen Saison nichts ändern. Garant dafür ist der stets tiefstapelnde Arno Del Curto, der seine 22. Saison als Trainer der Bündner in Angriff nimmt. Der 61-Jährige versteht es, junge Talente weiterzubringen. Davon gibt es im weiter verjüngten Kader einige.

Ausserdem dürften die Ausländer deutlich mehr Punkte produzieren als in der vergangenen Spielzeit. In der Defensive wurde Daniel Rahimi durch den deutlich offensiveren Magnus Nygren (Färjestad) ersetzt. Der 27-Jährige war 2016/17 mit elf Treffern der torgefährlichste Verteidiger in der Qualifikation der schwedischen Liga (SHL). Der Amerikaner Broc Little (Linköping) beendete die SHL-Skorerwertung mit 19 Toren und 34 Assists als Nummer 2. Zwar hinterlässt der zu Biel wechselnde Beat Forster in der Defensive eine Lücke, allerdings gab es auch Reibungen mit dem Routinier. Insofern macht der Abgang Sinn.

Luganos langes Warten

Lugano ist vom Potenzial her jedes Mal zu beachten. Dennoch warten die Bianconeri seit 2006 auf den achten Titelgewinn. 2016 erreichten sie immerhin den Final, den sie gegen Bern mit 1:4 Siegen verloren. Zuvor hatten sie seit 2006 keine Playoff-Serie mehr gewonnen. Als einer der Topfavoriten gestartet, beendete Lugano die letzte Qualifikation lediglich im 7. Rang, was auch mit Verletzungspech zu tun hatte. Im Viertelfinal gelang dann aber der Coup gegen die ZSC Lions (4:2), ehe im Halbfinal erneut Bern (1:4) Endstation bedeutete. Welches Gesicht zeigen die unter anderen mit Luca Cunti verstärkten Tessiner diesmal? Übersteht Trainer Greg Ireland die Saison? Klar ist, dass die Ansprüche erneut hoch sind.

Seit 1998 hiess der Meister trotz der stets gepriesenen Ausgeglichenheit in der Liga immer Davos (sechsmal), Bern, ZSC Lions (je fünfmal) oder Lugano (dreimal). 1998 ging der Titel an Zug. Den Zentralschweizern ist in der neuen Saison am ehesten zuzutrauen, die Phalanx der "grossen vier" zu durchbrechen. Der diesjährige Finalist scheint sich bei den Ausländern verstärkt zu haben. Das liegt in erster Linie an der Verpflichtung von Viktor Stalberg. Der 31-jährige Schwede gewann 2013 mit den Chicago Blackhawks den Stanley Cup. Er ist ein physisch starker Spieler und bringt weitere Wasserverdrängung ins Team.

Einiges versprechen die Skorerwerte des neuen amerikanischen Centers Garrett Roe. Josh Holden ist derweil nur noch der Ausländer Nummer 5. Allerdings könnte der 39-Jährige während der Saison den Schweizer Pass erhalten, was die Mannschaft weiter aufwerten würde. Es spricht jedenfalls einiges dafür, dass die Zentralschweizer wieder vorne mitmischen.

Titelgewinn mittelfristiges Ziel

Auch Lausanne, Vierter der letzten Regular Season, dürfte die Playoffs erreichen. Die Waadtländer streben mittelfristig den Titel an und scheinen auch die finanziellen Mittel dafür zu besitzen. Das unterstreicht unter anderem der Transfer von Joel Vermin, der einen Vertrag bis 2022 unterschrieben hat. Der 25-jährige Stürmer spielte die letzten drei Jahre in Nordamerika und kam in der vergangenen Saison für die Tampa Bay Lightning zu 18 NHL-Einsätzen (3 Assists). In den AHL-Playoffs schoss er in 22 Partien für die Syracuse Crunch neun Tore. Dass er sich Lausanne anschloss, ist ein starkes Signal des LHC. Allerdings muss die Mannschaft die nächsten zwei Jahre in einem Stadion-Provisorium spielen. Zudem ist der Erwartungsdruck gestiegen. Wie die Spieler damit umgehen werden, muss sich erst noch zeigen.

McSorleys langer Schatten

Während die bereits genannten sechs Teams die Playoffs erreichen sollten, verspricht der Kampf um die letzten beiden Plätze spannend zu werden. Am ehesten machen diese Genève-Servette, Biel und Fribourg-Gottéron unter sich aus. Bei Servette muss sich zeigen, wie sich die Entmachtung von Chris McSorley auswirken wird. Der 55-jährige Kanadier stand seit 2001 an der Bande der Genfer und führte das Team nach dem Aufstieg 2002 zweimal in den Playoff-Final.

Nun darf McSorley "nur" noch als Sportchef amten. Neuer Trainer ist dessen Landsmann Craig Woodcroft, der vom KHL-Team Dynamo Minsk in die Westschweiz kam. Kann der 47-Jährige rasch aus dem langen Schatten von McSorley springen? Wenn ja, ist mit Servette durchaus zu rechnen. Mit dem Schweden Henrik Tömmernes holten die Genfer jedenfalls einen vielversprechenden Verteidiger, und auch der aus Nordamerika zurückgekehrte Tanner Richard ist eine klare Verstärkung.

Biel qualifizierte sich in diesem Frühjahr souverän für die Playoffs. Nach der Entlassung von Kult-Trainer Kevin Schläpfer Mitte November holte die Mannschaft unter Mike McNamara in 29 Partien 44 Punkte. Es muss sich aber zeigen, wie die Seeländer den Abgang von Teamleader Gaëtan Haas zum SCB verkraften werden. Auch der Wegzug von Matthias Rossi (Fribourg-Gottéron) schmerzt, Dominik Diem von den GCK Lions sollte ihn aber ersetzen können. Und der sehr erfahrene Beat Forster dürfte das Niveau der Verteidigung anheben. Schöpft Goalie Jonas Hiller sein Potenzial aus, ist mit den Bielern erneut zu rechnen.

Die meisten Gegentore

Fribourg blickt auf eine enttäuschende Saison zurück, in der es sich erst im Abstiegs-Playoff gegen Ambri-Piotta (4:1) rettete. Das Hauptproblem war die Defensive; Gottéron kassierte in der Qualifikation von sämtlichen NL-Teams am meisten Gegentore (177). Dieses Manko sollte mit der Verpflichtung von Torhüter Reto Berra behoben werden. Dieser nutzte aber die NHL-Ausstiegsklausel und wechselte zu den Anaheim Ducks. Deshalb hütet nun der nicht über die besten Nerven verfügende Kanadier Barry Brust das Tor. Davor soll der norwegische Internationale Jonas Holös helfen, die nötige Stabilität hinzubekommen. Neu ist auch der Trainer. Ob das Engagement des Kanadiers Mark French für den Turnaround reicht? Die Qualität für die Playoffs ist auf jeden Fall vorhanden.

Auch Kloten möchte zurück in die K.o.-Runde. Das wird allerdings kein einfaches Unterfangen. Zur Hoffnung Anlass gibt die Rückkehr von Tommi Santala. Nach dessen Wechsel im Dezember in die KHL zu Metallurg Magnitogorsk folgte der Absturz der Zürcher Unterländer vom 7. auf den 10. Platz. Der mittlerweile 38-jährige Finne war am Ende der Qualifikation der viertbeste Klotener Skorer, obwohl er nur 29 Partien (12 Tore/21 Assists) bestritt. Santala dürfte mit Vincent Praplan und Denis Hollenstein ein schlagkräftiges Sturm-Trio bilden. Kloten startet jedoch nur mit drei Ausländern in die Saison.

Hoffnungsträger Ehlers

Die SCL Tigers schafften bislang erst einmal den Einzug in die Playoffs, und zwar vor sechs Jahren. Auch diesmal gelten die Emmentaler als Aussenseiter. Immerhin gelang ihnen am Samstag im achten und letzten Spiel der Vorbereitung der einzige Sieg - 5:4 nach Penaltyschiessen gegen Düsseldorf. Das dürfte Auftrieb geben. Zudem hat Trainer Heinz Ehlers schon mehrmals bewiesen, dass er das Optimum aus einem Team herausholen kann. So führte er Lausanne 2014 und 2015 mit defensivem Eishockey zweimal überraschend in die Playoffs. Auch die Tigers erlebten unter ihm einen Aufschwung. Als Ehlers Anfang Oktober nach den ersten zehn Saisonspielen das Coaching übernahm, lag Langnau mit fünf Punkten auf dem letzten Platz. Am Ende klassierten sie sich im 9. Rang. Ein Fragezeichen steht hinter der Qualität der Ausländer.

Für Ambri-Piotta geht es wohl in erster Linie darum, in der Liga zu bleiben. Das Erreichen der Playoffs wäre eine Sensation. An der Bande steht neu Luca Cereda, der mit 35 Jahren der jüngste NL-Trainer ist und über wenig Erfahrung verfügt. Zuletzt coachte er das Farmteam Biasca Ticino Rockets. Als Sportchef amtet neu ebenfalls ein Einheimischer, nämlich Ambris langjähriger Captain Paolo Duca. Das macht zwar durchaus Sinn. Ob dadurch jedoch der Erfolg zurückkehrt, ist mehr als fraglich.

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SDA-ATS