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In der Schweiz werden die Vorräte für mehrere Impfstoffe knapp. (Symbolbild)

Keystone/GEORGIOS KEFALAS

(sda-ats)

In der Schweiz wird der Vorrat eines Mehrfach-Impfstoffes für Säuglinge knapp. Das Bundesamt für Landesversorgung erwartet für Infanrix Hexa einen rund einmonatigen Engpass. Auch eng wird es bei einem Impfstoff gegen die von Zecken übertragene Gehirnentzündung.

Der Säuglings-Impfstoff Infanrix Hexa schützt unter anderem vor Kinderlähmung, Keuchhusten, Diphterie und Starrkrampf. Gemäss der jüngsten Meldeliste des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) ist die Substanz ab Anfang Mai und voraussichtlich bis Anfang Juni knapp.

Abklärungen und Überlegungen

Das sei beunruhigend, aber nicht alarmierend, sagte Mark Witschi, Leiter der Sektion Impfstoffempfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), der Nachrichtenagentur sda. Zurzeit werde mit dem Hersteller eines alternativen Impfstoffes geklärt, ob er den Engpass überbrücken könne.

Ausserdem werden mit der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) konkrete Impfempfehlungen erarbeitet. Überlegt wird laut Witschi, ob die zweite oder dritte Impfdosis oder auch Nachholimpfungen aufgeschoben werden könnten zugunsten der Allerkleinsten, die noch ohne Impfschutz seien.

Pflichtlager für Impfstoffe sind nach Witschis Aussagen zwar vorgeschrieben - sie sollten Engpässe von bis zu drei Monaten überbrücken können. "Weil der produzierte Impfstoff aber laufend gebraucht wird, haben die Lager bisher nicht gefüllt werden können."

Ein Versorgungsengpass besteht bis Ende Juni auch beim Impfstoff Encepur N gegen die Zeckenenzephalitis (FSME). "Das ist etwas unglücklich", sagte Witschi, "weil derzeit eine Kampagne läuft für die Impfung". Ausgelöst wird diese Gehirnentzündung durch ein Virus, das von Zecken übertragen wird. Geschützt ist, wer drei Impfdosen erhalten hat.

Aufschub möglich

Nach Angaben von Witschi ist allerdings ein alternativer Impfstoff verfügbar, und im Gegensatz zu Säuglingen, die in einem bestimmten Alter geimpft werden müssen, kann die FSME-Impfung eher aufgeschoben werden. Lücken beim Impfschutz gegen FSME seien nicht optimal. Sie seien aber kein Problem für die öffentliche Gesundheit.

Knapp wird in den kommenden Wochen auch Boostrix, ein Auffrischungs-Impfstoff gegen Keuchhusten, Diphterie und Wundstarrkrampf (Tetanus). Auch hier wird mit den Produzenten abgeklärt, ob genügend Alternativen vorhanden sind, wie Witschi ausführte.

Notfallplan in Schublade

Sollten auch solche Impfstoffe nicht erhältlich sein, gibt es eine Notlösung: Es müsste ein in der Schweiz nicht zugelassener Ersatz-Impfstoff aus einem andern Land importiert werden.

Dafür bräuchte es eine Sonderbewilligung des Heilmittelinstituts Swissmedic. Für einen Import in grösseren Mengen bräuchte es einen Bundesratsbeschluss und die Beschaffung des Impfstoffes durch die Armeeapotheke. "Dieser Notfallplan ist in der Schublade", sagt Witschi. Die Kosten für das "Off label" eingesetzte Arzneimittel müsste der Bund übernehmen.

Aus dem Pflichtlager versorgt werden Schweizer Spitäler derzeit mit der viel benutzten Antibiotika-Kombination Piperacillin/Tazobactam. Für diese Kombination besteht weltweit ein Lieferengpass. Trotz sicherer Versorgung hat der Bund vor kurzem Empfehlungen für Alternativen veröffentlicht.

SDA-ATS

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