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Wer an der Streetparade Partydrogen nimmt, soll regelmässig Softgetränke zu sich nehmen und möglichst die Finger vom Alkohol lassen, rät die Internetseite saferparty.ch. (Archiv)

Keystone/WALTER BIERI

(sda-ats)

Calvin Klein, Dolce & Gabbana und Chanel: Diese Marken dürften an der diesjährigen Streetparade wieder hoch im Kurs sein. Denn sie gehören zu den zahlreichen Brands, die auf Ecstasy-Pillen vorkommen. Droge Nummer eins an der grossen Technoparty ist aber der Alkohol.

Christian Kobel ist inzwischen bestens vertraut mit den verschiedenen illegalen Substanzen, die in Zürich konsumiert werden, obwohl er selbst keine Drogen nimmt. Er ist der Leiter der Zürcher Jugendberatung "Streetwork", die das ganze Jahr durch anonyme Beratung und Substanzanalysen anbietet.

Diese Möglichkeit besteht auch an der Zürcher Streetparade, wo jedes Jahr im Auftrag der Stadt ein mobiles Drug-Checking-Labor aufgestellt wird. Dort kann man die Zusammensetzung seiner Partydrogen vor Ort von Chemikerinnen und Chemielaboranten testen lassen. Die Analyse dauert etwa eine halbe Stunde.

Die Streetparade gehört zu den jährlichen Anlässen, an denen die Nachfrage nach den unkomplizierten Drogentests jeweils besonders hoch ist. Dennoch ist die Parade besser als ihr Ruf. "Nur der kleinste Teil konsumiert illegale Drogen", sagt Kobel. Er schätzt die Anzahl auf etwa fünf Prozent. "Die grössten Probleme haben wir an der Streetparade wegen des Alkohols."

Da aber jeweils Hunderttausende Menschen am Event teilnehmen, steigt der Drogenkonsum an einem solchen Wochenende anzahlmässig dennoch deutlich an. Bei einer Teilnehmerzahl von einer Million (wie im Jahr 2015) entsprechen fünf Prozent 50'000 Personen, die illegale Substanzen konsumieren.

Zudem sei die Streetparade ein Anlass, an dem viele zum ersten Mal Drogen probieren wollen, erklärt Kobel. Der Anlass sei dabei denkbar schlecht gewählt. Denn wenn jemand einen schlechten Trip erlebe, sei dies wegen der Menschenmenge und der August-Hitze oft besonders problematisch.

Gefährliche Trends

Zu schweren gesundheitlichen Zwischenfällen mit Partydrogen kommt es laut dem Leiter des Drogeninformationszentrums in der Schweiz zum Glück jedoch relativ selten. Die Leute seien aufgeklärter als früher - nicht zuletzt dank des Internets, das umfangreiche Informationen liefere.

Dennoch sind mit jedem Drogenkonsum Risiken verbunden. Derzeit stellen Kobel und sein Team zudem zwei gefährliche Trends fest. Dazu gehören sehr hoch dosierte Ecstasy-Pillen, die mehr als 200 Milligramm MDMA enthalten, sowie durch Streckmittel verunreinigtes Kokain, das schwer abschätzbare Gesundheitsrisiken birgt.

Der grösste Teil der Drogen ist allerdings legal erhältlich, wie Kobel in Erinnerung ruft. Dazu zählen Alkohol und Medikamente. Erst danach kommen auf der Konsumrangliste die illegalen Drogen. Auf Platz eins liegt Cannabis, gefolgt von den "Partydrogen" Kokain, Ecstasy und Speed.

Das Bedürfnis einiger Menschen nach Drogen sei eine Tatsache. Wichtig sei, dass die Leute lernten, damit umzugehen. "Wir helfen, die Risiken zu minimieren", erklärt Kobel die Arbeit seines Teams. Die Schadenminderung ist gleichzeitig eine von vier Säulen der schweizerischen Drogenpolitik, die zudem aus Prävention, Repression und Therapie besteht.

Die Menge macht das Gift

"Streetwork" rät in jedem Fall vom Konsum von illegalen und riskanten Substanzen ab und weist darauf hin, dass Drogenkonsum immer mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Das Team macht weiter darauf aufmerksam, dass der Besitz, Verkauf und Konsum vieler Betäubungsmittel strafbar ist.

Wenn jemand dennoch entscheide, Drogen zu konsumieren, wird der Person nahegelegt, die sogenannten Safer-Use-Regeln zu befolgen - Regeln, die gesundheitliche "Kollateralschäden" und einen schlechten Trip zu vermeiden helfen.

Für die Streetparade wird geraten, regelmässig nicht-alkoholische Flüssigkeit zu sich zu nehmen und auf einen Mischkonsum von Alkohol und Drogen zu verzichten.

Zu Ende gedacht führt die Förderung des eigenverantwortlichen Handelns in Richtung einer vollständigen Liberalisierung des Drogenkonsums. Ob eine solche erstrebenswert sei, bleibt jedoch eine höchst umstrittene politische Frage.

Die Jugendberatung "Streetwork" beschränkt sich deshalb auf ihrer Internetseite "saferparty.ch" auf pragmatische Tipps im Umgang mit gefährlichen Stoffen und auf das berühmte Zitat von Paracelsus: "Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist."

www.saferparty.ch

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SDA-ATS