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Doping - der Schatten über Pyeongchang

Pyeongchang - wörtlich übersetzt 'Friede und Gedeihen' - passt eigentlich schön zu den hehren Grundsätzen der olympischen Bewegung. Doch es gibt auch viel Schatten vor den 23. Winterspielen.

Im Vorfeld dieser Olympischen Spiele, den zweiten in Südkorea nach den Sommerspielen von 1988 in Seoul, lief nur wenig harmonisch ab. Uneingeschränkte Vorfreude kam nicht so richtig auf. Zu stark beherrschte das Thema Doping die Diskussion um Olympia.

Das nationale Olympische Komitee Russlands wurde wegen mutmasslich staatlich organisiertem Doping gesperrt. Dennoch darf die noch immer stattliche Anzahl von 169 russischen Athleten unter neutraler Flagge und ohne Hymne starten. Damit ist das Aufgebot zahlenmässig fast identisch mit jenem der Schweiz, die durch 170 Sportler vertreten sein wird.

Aber es fehlen viele russische Stars, die von der Prüfungskommission des IOC nicht eingeladen wurden. Und das Eishockey-Turnier, einer der Eckpfeiler im Programm, wird ohne die Cracks der nordamerikanischen National Hockey League über die Bühne gehen.

Zudem wird in vielen Wettkämpfen ein Publikum anwesend sein, welches dem Anlass keinen Rahmen geben kann, wie das beispielsweise 1994 in Lillehammer der Fall war. Südkoreaner mischen nur in wenigen Sparten vorne mit. Shorttrack, in unserem Land eine kaum beachtete Sportart, wird neben Eisschnelllauf und Eiskunstlauf die Massen mobilisieren, doch der Wintersport auf Piste, Loipe oder Schanze verfügt über keine Tradition.

Das Problem wird sich in vier Jahren noch verschärfen, wenn Peking die Winterspiele organisiert. Diese Vergabe veranlasste selbst den besonnenen Norweger Aksel Lund Svindal zu Kritik: "Das IOC hat angefangen, Olympische Spiele in Orte zu vergeben, wo es kein Fundament gibt. Wenn im Tirol, in München oder auch bei uns in Oslo die Leute Nein sagen zu Olympia, dann stimmt etwas nicht."

Der Erfolgreichste fehlt

Und doch: Auch in Südkorea werden Olympiasieger erkoren, die unvergessen bleiben werden und den Sport (hoffentlich) ins Zentrum rücken. Der erfolgreichste Teilnehmer aller Zeiten wird zwar fehlen. Ole Einar Björndalen, der von 1998 bis 2014 nicht weniger als 13 Medaillen, davon 8 in Gold, gesammelt hat, konnte sich nicht für das norwegische Biathlon-Team qualifizieren. Eine norwegische Langläuferin könnte ihn indes bereits in Pyeongchang übertreffen. Marit Björgen steht aktuell bei 10 Medaillen, davon 6 in Gold.

Der Shorttracker Viktor Ahn, ein weiterer Anwärter auf den Titel als erfolgreichster Olympia-Teilnehmer aller Zeiten, wurde kurzfristig vom IOC von der Liste jener russischer Athleten gestrichen, die unter neutralem Status antreten dürfen. Der gebürtige Koreaner hat 8 Medaillen errungen, davon 6 in Gold.

Der erfolgreichste Schweizer wird in Südkorea ein weiteres Mal antreten. Simon Ammann, inzwischen 36-jährig, Doppel-Olympiasieger der Jahre 2002 und 2010, zählt zwar nicht zu den Medaillenkandidaten, doch Skispringen ist eine unberechenbare Sportart. Realistischer scheint indes, dass der Pole Kamil Stoch, zuletzt vierfacher Gewinner an der Vierschanzentournee, wie schon in Sotschi zweimal Gold abräumt.

Mit von der Partie ist zudem die unverwüstliche deutsche Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, die während den Spielen 46 Jahre alt wird. Holt sie zum zehnten Mal Edelmetall, wäre sie die älteste Medaillengewinnerin überhaupt.

Im alpinen Bereich stellt sich die grosse Frage, ob der Österreicher Marcel Hirscher, der im Weltcup seit Jahren von einem Sieg zum andern fährt, erstmals Olympiasieger wird. Bei den Frauen verfügt die Amerikanerin Mikaela Shiffrin zweifellos über das Potenzial, mehr als nur einmal zu gewinnen und zum Star der Spiele zu avancieren.

Gewinner wird es an den aktuellen Olympischen Spielen so viele geben wie noch nie. Diese Feststellung lässt sich alle vier Jahre machen. Inzwischen steht das Programm bei 102 Wettbewerben. Zum Vergleich: 1984 in Sarajevo waren es noch 40 einzelne Disziplinen, in denen um die Medaillen gestritten wurde. Da stellt sich schon die Frage, ob diese Entwicklung nicht langsam zur Übersättigung führt.

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