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Drohnen-Fänger aus Chur: Die neue Spezialpistole verschiesst ein feines Netz und holt damit unerwünschte Drohnen vom Himmel.

Jara Uhricek, sda

(sda-ats)

Kleine, bewaffnete Drohnen gelten seit einigen Jahren als neue Bedrohung an Veranstaltungen. Am WEF in Davos kam im Januar erstmals ein neues, kompaktes System zur Anwendung. Die Neuentwicklung aus Chur holt Drohnen mittels eines Netzes vom Himmel.

Das sogenannte Drohnen-Abwehrsystem sieht aus wie eine Pistole mit extra dickem Schalldämpfer und passt in einen Handkoffer. Es verschiesst ein feines Netz aus reissfesten Kunststofffasern. Dieses wickelt sich in die Rotoren der sogenannten Multi-Kopter und bringt sie sofort zum Absturz. Am Mittwoch wurde die Anti-Drohnen-Waffe in Chur erstmals den Medien präsentiert.

Die Anti-Drohnen-Pistole verschiesst ein zwei, mal zwei Meter grosses Netz, dass sich kurz nach dem Abschuss im Flug aufspannt. Die Reichweite beträgt 30 bis 50 Meter. Ein Koffer mit Schussgerät und fünf Netz-Ladungen kostet je nach Vertriebsland 4000 bis 5000 Euro. In der Schweiz gilt das Gerät als Waffe. Zu deren Kauf ist ein Waffenerwerbsschein nötig, für den Einsatz ein Waffenschein.

Weltneuheit aus Chur

Der Drohnen-Fänger ist offenbar eine Weltneuheit, wie Sicherheitsexperten bestätigen. Netze verschiessende Geräte gibt es zwar, aber sie funktionieren entweder nur auf wenige Meter Distanz oder sie haben die Grösse und das Aussehen eines Raketenwerfers.

Entwickelt wurde das Gerät vom Start-Up Droptec, einer Tochterfirma des Churer Automobilzulieferers Polycontact. Die Entwicklungskosten beliefen sich auf eine Million Franken. Laut Christian Gauer von Droptec wurde die Entwicklung des Drohnen-Fängers "durch Mitarbeiter der Kantonspolizei Graubünden" initiiert - mit Blick auf die Sicherheit an den alljährlichen World Economic Forums in Davos.

Die Kantonspolizei Graubünden bestätigt den Einsatz des Gerätes am WEF im Januar, wie Kommunikationschefin Anita Senti auf Anfrage erklärte. Weitere Auskünfte zur Anti-Drohnen-Waffe erteilt die Kantonspolizei nicht - auch nicht über die Anzahl eingesetzter Geräte oder ob diese gegen Drohnen abgefeuert wurden.

Strafanstalt Lenzburg von Gerät überzeugt

Auskunftsfreudiger zeigt sich die Justizvollzugsanstalt Lenzburg im Kanton Aargau. Wie Direktor Marcel Ruf gegenüber der Nachrichtenagentur sda erklärte, schaffte die Strafanstalt letzten Sommer zwei Anti-Drohnen-Pistolen an. Sie werden in Kombination mit einem Drohnen-Erkennungsradar eingesetzt.

Die grösste Gefährdung durch Drohnen sei das Einfliegen von Waffen, sagte Ruf. Ausserdem könnten Multi-Kopter auch Mobiltelefone und Drogen über Gefängnismauern fliegen. In der Schweiz gab es laut Ruf bisher zwei solcher Vorfälle, im Ausland eine Vielzahl.

Das "sehr professionell ausgeführte" Gerät aus Chur biete nun die Möglichkeit, Drohnen bis auf eine Distanz von 30 Metern "zuverlässig" vom Himmel zu holen. Es sei das erste Gerät auf dem Markt für Distanzen über 10 Meter.

Das Interesse am Drohnen-Fänger sei weltweit gross, erklärte Droptec-Marketingchef Tom Lardelli. Da der Markteintritt erst kürzlich erfolgt sei und Beschaffungsvorgänge durch die öffentliche Hand viel Zeit benötigten, seien die Verkaufszahlen bisher aber überschaubar. Dieses Jahr rechnet das junge Unternehmen damit, Anti-Drohnen-Pistolen in einer dreistelligen Anzahl zu verkaufen.

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SDA-ATS