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Dschihadisten-Vorstoss in Kobane offenbar vorerst gestoppt

Der Vorstoss der Dschihadisten in der umkämpften nordsyrischen Grenzstadt Kobane ist offenbar vorerst gestoppt worden. Im Irak gingen die IS-Milizen dagegen mit Selbstmordanschlägen in die Offensive, bei denen Dutzende Menschen starben.

Die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) kontrolliere nach wie vor etwa 40 Prozent von Kobane an der Grenze zur Türkei, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit. Der IS sei aber seit der Eroberung des Hauptquartiers der kurdischen Milizen am Freitag nicht weiter vorgerückt.

Um die Schlacht für sich zu entscheiden, habe der IS Kämpfer aus den Provinzen Rakka und Aleppo abgezogen und nach Kobane beordert, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman.

Die auf Arabisch Ain al-Arab genannte Stadt wird seit fast einem Monat von den IS-Extremisten belagert. Seit einer Woche liefern sich Dschihadisten und kurdische Einheiten erbitterte Strassenkämpfe. Unterstützt werden die Kurden durch eine von den USA angeführte Militärallianz, die auch Wochenende neue Luftangriffe auf IS-Stellungen flog.

Türkei lehnt Korridor für Waffen ab

Wegen der Schlacht um Kobane flohen bislang etwa 180'000 Syrer in die Türkei. Nach UNO-Schätzungen befinden sich noch etwa 12'000 Zivilisten in und um Kobane. Der UNO-Syrien-Sondergesandte Staffan de Mistura warnte vor einem Massaker, sollte Kobane fallen. Die Türkei forderte er auf, die Grenze zu Syrien für Kämpfer zu öffnen, die sich freiwillig den Kurden in Kobane anschliessen wollten.

Die Türkei lehnt Forderungen nach einem Hilfskorridor in die Stadt jedoch ab. Einen solchen Zugang einzurichten, über den Waffen und Kämpfer zur Unterstützung der Kurden nach Kobane gelangen könnten, bezeichnete Aussenminister Mevlüt Cavusoglu am Sonntag als "unrealistisch".

Ein eigenes militärisches Eingreifen hat die Türkei bereits ausgeschlossen, obwohl auch international der Druck auf die Regierung wächst. So gingen in Düsseldorf am Samstag Zehntausende Kurden aus Solidarität mit den Bewohnern Kobanes auf die Strassen. Auch in Basel demonstrierten rund 5000 Menschen.

In der Türkei selbst ebbten die Kundgebungen bis zum Wochenende weitgehend ab. Zuvor waren bei Protesten mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen.

Über 30 Tote bei Anschlägen im Irak

Im Nachbarland Irak, wo der IS grosse Gebiete im Landesnorden kontrolliert, wurden am Wochenende bei Anschlägen mindestens 33 Menschen getötet. Laut der Armee starben allein in der Provinz Dijala an der Grenze zum Iran mindestens 25 Menschen durch drei Autobomben. Die meisten Opfer waren den Angaben zufolge Veteranen der kurdischen Peschmerga-Miliz, die gegen die den IS kämpfen wollten.

Die Terror-Expertenplattform SITE berichtete auf ihrer Internetseite, die IS habe sich zu den Anschlägen in der nordöstlichen Region Kara Tepe bekannt. Laut IS seien die Selbstmordattentäter ein Deutscher, ein Türke und ein Saudi gewesen.

Briten bilden Peschmerga-Kämpfer aus

Im Kampf gegen den IS bildet nun auch Grossbritannien kurdische Peschmerga-Kämpfer im Irak aus. Ein Spezialteam der britischen Streitkräfte sei in der Kurdenhauptstadt Erbil im Nordirak im Einsatz, teilte das Verteidigungsministerium in London am Wochenende mit. Die Kämpfer würden im Umgang mit schweren Maschinengewehren ausgebildet, die Grossbritannien im September geliefert habe.

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