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Ein europäisches Happening mit kanadischen Ehrengästen

Der am Montag beginnende Spengler Cup hat nichts von seiner Anziehungskraft eingebüsst. Auch bei der 90. Ausgabe ist mit bester Unterhaltung zu rechnen.

Vom Süden der Schweiz bis zum Ural erhoffen sich die Protagonisten von der Davoser Hockey-Exhibition Schubkraft für den Alltag.

Im letzten Frühling kam rund um den HC Lugano die alte Grandezza wieder zum Vorschein. Die Bianconeri spielten gegen den SC Bern um den ersten Titelgewinn seit 2006. In der Retrospektive sagt beispielsweise die Klubchefin Vicky Mantegazza, die Spengler-Cup-Teilnahme sei für den kräftigen Aufschwung der Tessiner nicht unerheblich gewesen: "Ich glaube, dass die guten Ergebnisse sehr viel mit unserem Auftritt in Davos zu tun hatten. Es ist uns dort gelungen, eine positive Atmosphäre zu schaffen und in der Gruppe schöne Emotionen zu kreieren."

Gewisse Parallelen zur letztjährigen Herbstdepression sind feststellbar. Die Südschweizer haben teilweise schwierige Spieltage hinter sich. Vor dem Comeback löste ein Tief mit neun Fehltritten in elf Runden Ratlosigkeit und eine tiefgreifende Debatte um Coach Doug Shedden aus. Inzwischen hat sich die Lage normalisiert, die Präsidentin kann ihren Fokus auf einen der angenehmeren Programmpunkte der Saison richten. Eine Serie von Siegen hat die Tifoseria versöhnlich gestimmt.

Im Gegensatz zum SC Bern oder den ZSC Lions, die angesichts des dichten Kalenders eine Turnierteilnahme weiterhin kategorisch ausschliessen, hat Mantegazzas Organisation die Offerte der Davoser Veranstalter gerne angenommen. Für die Hockey-Liebhaberin ist die Mehrfachbelastung kein Thema. Sie mag das "sportliche Fest mit den ausserordentlichen Fans" und spricht von "unersetzlichen Erfahrungen". Die Berglandschaft sei eine Energiequelle: "Ich liebe den Winter."

Davos nicht mit halber Kraft

Wie gross die Reichweite des HC Davos tatsächlich ist, bleibt abzuwarten. Der Rekordsieger (15 Titel) sieht sich vor allem in der offensiven Zone seit Monaten erheblichen Schwankungen ausgesetzt. Die Konstanz fehlt, das Selbstverständnis ist zumindest geringer als den Meistertagen, zu oft stoppen sich die Bündner mit ihrem komplizierten Stil selber. "Wir müssen unser Spiel vereinfachen, aus jeder Lage schiessen. Vielleicht kommt dann das Selbstvertrauen zurück", hofft Samuel Walser.

Dass in der Ära von Arno Del Curto nach 20 Playoff-Teilnahmen in Serie das erstmalige Verpassen der Top 8 droht, soll bei den klubeigenen Hockey-Festspielen kein Thema sein. Die in einem Abkommen mit den NLA-Klubs teuer erkaufte exklusive Spengler-Cup-Plattform ist wirtschaftlich zu wichtig, um nur mit halber Kraft aufzutreten. Del Curto wird das Team mit der entsprechenden Verve coachen. Das schöne und attraktive Spiel schwebt dem Engadiner Maestro weiterhin vor - womöglich kommt der etwas weniger enge Exhibition-Rahmen seinem Vorhaben entgegen.

King of Canada

Mit ihrem ersten Erfolg seit der Gala des NHL-Dream-Teams 2012 meldeten sich die kanadischen Stammgäste zurück und demonstrierten, dass mit ihnen im Prinzip in jeder Besetzung zu rechnen ist. Bei der ad hoc formierten Auswahl aus dem Land des Olympiasiegers und Weltmeisters schwingt im Team Canada immer auch der Ehrenkodex mit, das Ahornblatt auf dem Trikot mit maximal glühendem Stolz zu vertreten und es bis zum letzten Schweisstropfen zu verteidigen. Neben Spielern aus Übersee, Finnland und Kroatien wird elf NLA-Professionals die Ehre zuteil, Hockey Canada zu vertreten.

Die "Canucks" gehören seit über drei Jahrzehnten zum Inventar, die mehrjährige Fortsetzung ihres Engagements ist im Januar eine vertragliche Formsache. Kanadas Commitment zum populärsten Klub-Event der Welt beinhaltet den Plan, bei einem Olympia-Verzicht der NHL-Akteure unmittelbar vor den Winterspielen 2018 in der Altjahreswoche mit den besten Kanadiern der europäischen Ligen anzutreten.

Ihre Wertschätzung der sechstägigen Hockey-Gala verdeutlichen die Nordamerikaner mit der Selektion der Coaches. Zum Stab gehört Dave King, der in seiner Heimat mehrfach preisgekrönt ist und den Status einer Ikone besitzt. Der 69-Jährige bewegt sich seit 44 Jahren im Business. Zwischen 1982 und 1992 führte er Kanada auf verschiedenen Stufen vom U20-WM-Titel bis zu Olympia-Silber. Sein Name fehlt in keiner relevanten "Hall of Fame" des Eishockeys. Selbst in Russland ist der Buchautor von "King of Russia" und Ex-KHL-Trainer ein Begriff.

Das wichtige KHL-Element

An einem Wettbewerb mit Westeuropa ist die Kontinentale Hockey-Liga (KHL) nach wie vor nicht interessiert. Den Europacup betrachten die russischen Schirmherren als Konkurrenz zum eigenen supranationalen Produkt. Zu Gunsten des (TV-)Schaufensters in Davos lockern sie ihre wirtschaftlich bedingte Abschottungspolitik. Eine eigentliche Win-Win-Situation, zumal die gut gepflegten Verbindungen zur KHL-Zentrale für die weitere Planungssicherheit der HCD-Vermarkter von beträchtlicher Bedeutung sind.

Die (weiss-)russischen Namen sind nicht immer klingend, aber ihre Qualität ist unzweifelhaft. In den letzten acht Turnier-Finals war die KHL sechsmal vertreten. Minsk jedenfalls ist nicht zu unterschätzen, auch wenn die seit dem Sommer vom früheren Adler-Mannheim-Assistenten Craig Woodcroft geführten Dynamos zwei der letzten drei KHL-Playofffs verpasst haben. Ein Drittel der Equipe trifft im kommenden Frühling an der A-WM auf die Schweiz. Automobilist Jekaterinburg, der zweite osteuropäische Vertreter, erreichte bei seiner Spengler-Cup-Premiere im Vorjahr den Halbfinal.

Lizenzverkauf nach Sponsorenkonflikt

2013 profitierte das 90'000-Einwohner-Städtchen Hradec Kralove von einem Sponsorenkonflikt des HC Budejovice mit der tschechischen Extraliga. Weil die Partnerschaft mit dem lokalen Gerstensafthersteller nicht mit dem Abkommen des Bier-Partners des Verbands vereinbar war, wurde die Lizenz verkauft. Der Mountfield HK, die Eishockey-Zweigstelle eines internationalen Gartenartikelherstellers, ist seither erstklassig und in Böhmen beheimatet. Nach zweimaligem Vorstoss in die Playoff-Halbfinals wollen die "Gärtner" ihrem bereits sehr guten Namen auch in der Schweiz gerecht werden.

Teilnehmer und Spielplan:

90. Spengler Cup. Gruppe Torriani: Lugano, Jekaterinburg (RUS), Mountfield Hradec Kralove (CZE). - Gruppe Cattini: Davos, Dynamo Minsk, Team Canada.

Spielplan. Montag, 26. Dezember 2016, 15.00 Uhr (Spiel 1): Lugano - Jekaterinburg. - 20.15 Uhr (Spiel 2): Dynamo Minsk - Team Canada. - Dienstag, 27. Dezember, 15.00 Uhr: Mountfield Hradec Kralove - Verlierer Spiel 1. - 20.15 Uhr: Davos - Verlierer Spiel 2. - Mittwoch, 28. Dezember, 15.00 Uhr: Sieger Spiel 1 - Mountfield Hradec Kralove. - 20.15 Uhr: Sieger Spiel 2 - Davos. - Pre-Semi-Finals (Viertelfinals). Donnerstag, 29. Dezember, 15.00 Uhr: Gruppenzweiter Torriani - Gruppendritter Cattini (Spiel 7). - 20.15 Uhr: Gruppenzweiter Cattini - Gruppendritter Torriani (Spiel 8).

Halbfinals. Freitag, 30. Dezember, 15.00 Uhr: Gruppensieger Cattini - Sieger Spiel 7. - 20.15 Uhr: Gruppensieger Torriani - Sieger Spiel 8. - Samstag, 31. Dezember, 12.00 Uhr: Final.

Modus: Gruppensieger direkt für die Halbfinals qualifiziert. Die übrigen Teams bestreiten Pre-Semi-Finals (Viertelfinals).

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