Das Bündner Kunstmuseum wartet in der ersten Ausstellung im Jubiläumsjahr mit einer Schweizer Premiere auf. Zu sehen ist das 140 Meter lange und 4,40 Meter hohe Panorama-Bild des Schweizer Künstlers Martin Disler.

"Martin Disler. Die Umgebung der Liebe", heisst die erste Schau im Bündner Kunstmuseum in Chur, das dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert. Die Ausstellung ist ein ganz besonderer Leckerbissen für die Freunde der bildenden Kunst.

Der Solothurner Künstler Martin Disler, der 1996 starb, schuf das riesige Bild auf Leinwand 1981 im Württembergischen Kunstverein in Stuttgart in einer extremen Aktion. In nur vier Nächten malte er das Werk von 140 Meter Länge und 4,40 Meter Höhe, jede Nacht 35 Meter.

Es entstand ein monumentales Werk ohne Anfang und Ende, das in Chur bis zum 26. Mai ausgestellt wird. Ein Panoramabild sei es, das seit fast 40 Jahren nicht mehr öffentlich gezeigt worden sei, sagte Stephan Kunz, Co-Direktor des Kunstmuseums, am Donnerstag an der Präsentation des Gemäldes für die Medien.

"Kulturgut sondergleichen"

1981 geschaffen und 1987 nochmals in Stuttgart ausgestellt, wurde das Werk seither nicht mehr der Öffentlichkeit gezeigt. Der simple Grund dafür ist, dass es an Räumlichkeiten fehlte, in denen eine Schau angesichts der Dimensionen überhaupt möglich gewesen wäre.

Möglich macht die Präsentation nun der quadratische Grundriss des Erweiterungsbaus des Bündner Kunstmuseums. Dort kann das Gemälde gleichsam abgeschritten werden wie ein Film. Es offenbart sich ein Panoramabild ohne Anfang und ohne Ende.

Co-Direktor Kunz sprach von einem "Kulturgut sondergleichen". Es handle sich um das legendärste Werk des wichtigen Exponenten der neuen expressiven Malerei, um ein einzigartiges Werk von nationaler Bedeutung. Seit 2007 steht es im Besitz der Gottfried Keller-Stiftung, also des Bundes.

Radikale Unausweichlichkeit

Was bekommen Besucherinnen und Besucher zu sehen, wenn sie eintreten in den Ausstellungsraum? Das Kunstmuseum formuliert es so: "Endlos berühren sich Körper, fliessen ineinander, um sich zugleich in aller Heftigkeit gegeneinander zu behaupten. Zärtlichkeit, Wollust und (sexuelle) Gewalt manifestieren sich in einem fort. Als Betrachter im Raum sind wir ringsum umgeben von diesem Bild und erleben seine radikale Unausweichlichkeit. Martin Disler hat sich ihr gestellt und konfrontiert uns damit ganz unmittelbar."

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