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Eine Strecke wie geschaffen für Cologna

Dario Cologna avancierte diesen Winter wieder zum Siegläufer, er zählt am Sonntag im Skiathlon zu den Anwärtern auf die Goldmedaille. Der selektive Olympia-Parcours kommt ihm entgegen.

Beim Massenstartrennen im Langlauf ist die Taktik oft weit wichtiger als das Leistungsvermögen. Das Feld läuft gemeinsam los. Wenn jemand angreift, kann man darauf reagieren, wenn niemand angreift, kann man sich im Feld verstecken und bekundet keinen Stress. Petter Northug, der ehemalige Konkurrent Colognas, beispielsweise war ein Spezialist für dieses Format. Er beherrschte die Rennen, weil er sprintstark war. Er führte kaum einen Meter, hielt sich stets im Windschatten auf und deckte erst am Ende, wenn sich bis zu 20 Läufer gemeinsam dem Ziel näherten, seine Karten auf. Seiner Endschnelligkeit war kaum einer gewachsen - Mitläufer, dann Siegläufer.

In Johannes Hösflot Klaebo fand Norwegen seinen Northug-Nachfolger. Keiner will in Pyeongchang gemeinsam mit dem 21-Jährigen auf die Zielgeraden einbiegen, denn er wird gegen den Norweger im Normalfall chancenlos sein. Allerdings wird es Klaebo in Pyeongchang nicht einfach gemacht, denn die coupierte Strecke bietet zahlreiche Möglichkeiten zum Angriff. Sich im Feld verstecken und auf den Endspurt warten, reicht diesmal kaum.

"Beim Betrachten des Profils hatte ich zunächst den Eindruck, dass es nicht so streng ist. Aber bei den Testrennen im letzten Jahr gab es grosse Selektionen. Man muss immer und viel arbeiten", so Cologna. Diese Eindrücke teilt auch der Schweizer Frauentrainer Peter von Allmen: "Sehr coupiert, viele Übergänge - es ist überall möglich anzugreifen. Es wird sich schnell eine Spitzengruppe bilden." Und der Schweizer Disziplinenchef Hippolyt Kempf, vor 30 Jahren Olympiasieger in der Nordischen Kombination, kam richtiggehend ins Schwärmen: "Erster Angriff, dann sind es noch acht. Zweiter Angriff, dann sind es noch fünf. Dritter Angriff, dann sind es noch drei. Und der letzte Anstieg bringt dann die Entscheidung."

Kein Interesse am Bummeln

Der vierfache Tour-de-Ski-Sieger Cologna wird nicht der Einzige sein, der kein Interesse an einem Bummelrennen bekundet. Der Finne Iivo Niskanen und der Kasache Alexej Poltoranin, zwei Spezialisten in der klassischen Technik, werden auf den ersten 15 km bestimmt aufs Tempo drücken. Jeder, der vor dem Wechsel auf die Skating-Ski schon zurückgefallen ist, wird den Anschluss nicht mehr schaffen. Und dann dürften neben Cologna auch Martin Johnsrud Sundby oder Alex Harvey angreifen.

Taktisch bietet der Parcours in Pyeongchang wesentlich mehr Möglichkeiten als die Schlaufen in Sotschi 2014, wo Cologna sein Skiathlon-Gold nur im letzten langen, steilen Anstieg herauslaufen konnte. Die auffallende Gemeinsamkeit mit Sotschi bildet hingegen die Streckenführung durch das Stadion. Wer im letzten Anstieg oben als Erster ankommt, hat auch die besten Chancen zu gewinnen.

Dies ist nicht immer so. 2017 an den Weltmeisterschaften in Lahti genoss jener Läufer den Vorteil, der in der langen Abfahrt zum Stadion aus dem Windschatten ausscherte. In Pyeongchang hingegen kann der Führende die Gegnerschaft kontrollieren. Eine Linkskurve, die zum Schluss über 180 Grad dreht, belohnt den Mann in der Pole-Position. Die Zielgerade ist danach ziemlich kurz.

"Wir haben im letzten Jahr gesehen, dass es im Stadion kaum mehr Rangverschiebungen gibt", sagte Kempf. "Klar kann es noch kleine Änderungen geben. Aber von 4 auf 1 beispielsweise scheint mir nicht möglich." Will heissen: Zeigt Cologna dieselbe Leistung wie zuletzt bei seinem Sieg in Seefeld - nach einem unwiderstehlichen Antritt beim letzten Anstieg verwies er den 50-km-Weltmeister Harvey und Sundby auf die weiteren Podestplätze -, ist ihm eine Medaille auf sicher. Klaebo fehlte bei der Olympia-Hauptprobe in Österreich. Der Norweger bleibt der Gold-Kandidat Nummer 1, aber er hätte sich bestimmt eine einfachere Strecke gewünscht.

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