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Eisschnelllauf: Ein Teil der niederländischen Kultur

Wie 2014 in Sotschi dominieren die Niederländer auch in Gangneung die Eisschnelllauf-Wettbewerbe praktisch nach Belieben. Wie ist diese Überlegenheit zu erklären?

An den Winterspielen vor vier Jahren klassierten sich die Niederlande im Medaillenspiegel im 5. Rang - gar nur drei Länder verzeichneten mehr Podestplätze. Das erstaunt, kann doch die Niederlande nicht als Wintersportnation bezeichnet werden. Das wird bei genauerem Hinschauen bestätigt, gingen doch 23 der 24 Medaillen (acht goldene) auf das Konto der Eisschnellläufer.

Vor Gangneung stellte sich die Frage, ob diese unglaubliche Dominanz weitergehen würde. Schliesslich hatten die USA vor Sotschi im "ewigen" Medaillenspiegel der Winterspiele im Eisschnelllauf vor den Niederlanden gelegen. Diese Frage kann schon nach fünf Wettkampftagen mit Ja beantwortet werden. Fünf Disziplinen, fünf Siege, neun Medaillen, lautet die eindrückliche Zwischenbilanz der Niederländer.

"Es ist krass", sagt der Schweizer Eisschnellläufer Livio Wenger. "Ich bin ehrlich: Ich hätte das nicht erwartet." Beispielsweise war die Japanerin Miho Takagi bei ihren vier Weltcup-Starts in dieser Saison über 1500 m nicht zu bezwingen, ehe sie sich am Montag um zwei Zehntel Ireen Wüst geschlagen geben musste.

Unglaubliche Masse

"Die Niederländer machen definitiv etwas richtig auf die Winterspiele hin", so Wenger. Der Erfolg liegt für ihn darin begründet, "dass sie über eine unglaubliche Masse verfügen". Das gilt nicht nur für die Athleten, sondern auch für die Trainer. Ausserdem wird bezüglich Material vieles von den Niederländern selber produziert, auch Wenger läuft mit Schuhen und Kufen, die von dort stammen. "Da haben sie sicher Vorteile. Ich glaube nicht, dass sie bessere Trainingsmethoden als viele andere haben", erklärt der 25-jährige Luzerner. Bei Sven Kramer, der am Sonntag über 5000 m sein insgesamt viertes Olympia-Gold gewonnen hat, sehe man, dass er andere Kufen unter den Schuhen habe. Er sei aber auch technisch der Beste.

Welche Auswahl an Topathleten die Niederländer haben, zeigt das Beispiel von Ted-Jan Bloemen, der aufgrund des hohen Levels in seinem Heimatland seit der Saison 2014/15 für Kanada läuft. Nun nimmt der 31-Jährige erstmals an Winterspielen teil und gewann er über 5000 m die Silbermedaille. Doch worauf ist die grosse Masse zurückzuführen? Eisschnelllauf ist in den Niederlanden ein Teil der Kultur. So ist das "Skating" ein Motiv auf vielen alten Gemälden von holländischen Künstlern.

Dass dem so ist, hat damit zu tun, dass es überall im Land Wasser gibt, weshalb im Winter das Skaten die schnellste Variante sein kann, um von A nach B zu kommen. Man wächst in den Niederlanden sozusagen mit Schlittschuhen an den Füssen auf. Das führt dazu, dass es im Vergleich zu anderen Ländern viele Eisbahnen sowie viele professionelle Teams gibt. Für Wenger ist deren Überlegenheit allerdings zu gross: "Man muss vor ihnen absolut den Hut ziehen. Es ist aber sicher nicht ideal für die Sportart, wenn ein Land dermassen dominiert."

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