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Ende der französischen Odyssee in Sicht

Dieser Inhalt wurde am 30. Mai 2014 - 10:03 publiziert
(Keystone-SDA)

Fussball - Nach schwierigen Jahren scheint sich Frankreich wieder gefangen zu haben. Die Mannschaft von Didier Deschamps gewann die Gunst des heimischen Publikums im letzten Halbjahr zurück.
Fast hätte die Qualifikation für Frankreich in einem Debakel geendet. Nach dem 0:2 im Barrage-Hinspiel in der Ukraine glaubten nur noch wenige an eine Wende. Als kaum mehr einer damit rechnete, zeigte Frankreichs Nationalteam, was in den Monaten und Jahren zuvor so oft vermisst worden war: Kampfgeist und Entschlossenheit. Mit einem 3:0 in Paris sicherte sich der Weltmeister von 1998 doch noch das Ticket für Brasilien.
Die 80'000 im Stadion sangen die "Marseillaise" und feierten die Spieler. Heute glaubt ein Drittel der Franzosen, das es ihr Team in den WM-Final schaffen wird. Das französische Ticket-Kontingent für die Gruppenspiele wurde im Gegensatz zu den letzten Turnieren ausgeschöpft.
Frankreich hat zwar seit 1994 kein grosses Turnier mehr verpasst und in den letzten 20 Jahren grosse Erfolge gefeiert. Aber seit dem verlorenen WM-Final 2006 und dem Rücktritt von Zinédine Zidane befindet sich die "Equipe tricolore" in einem anhaltenden Tief. Der sportliche Misserfolg mit nur einem gewonnenen Gruppenspiel (2012 gegen die Ukraine) ist das eine. Noch schwerer wiegen die nach aussen getragenen Missstimmungen innerhalb der Mannschaft.
Die Liste der Verfehlungen französischer Internationaler in den letzten acht Jahren ist lang. Der lächerliche Trainingsstreik bei der WM 2010 war lediglich der Höhepunkt. Davor und danach gab es kleinere Zwischenfälle: Streit um einen Platz im Teambus, Beleidigungen von Journalisten, zur Schau getragenes Desinteresse vor einem Match, Sexskandale oder auf Junioren-Stufe nächtliche Eskapaden. In einer repräsentativen Umfrage im letzten Oktober gaben 86 Prozent der Franzosen an, sie hätten eine schlechte Meinung von der Mannschaft.
Die schlechten Erfahrungen seiner Vorgänger haben Deschamps geprägt. Nicht umsonst verzichtet er auf Samir Nasri, der mit Manchester City eine starke Saison gespielt hat, aber immer wieder als Unruhestifter aufgefallen ist. Deschamps begründete die Nicht-Nomination des Supertechnikers wie folgt: "Nasri hat es nicht geschafft, sich in der Nationalmannschaft einen Stammplatz zu sichern. Er ist einer, der unzufrieden ist, wenn er nicht spielt. Und - Sie können mir glauben - wenn er unzufrieden ist, spürt das die gesamte Mannschaft." Unzufrieden mit dem Entscheid des Nationaltrainers war dann vor allem Nasris englische Freundin, die twitterte: "Fuck France, Fuck Deschamps."
Pogba als Symbolfigur
In Frankreich sorgten die WM-Nominationen für keinerlei Polemik. Deschamps kam entgegen, dass einige Spieler, die als schwer zu führen gelten, ausser Form sind und deshalb schon die sportlichen Kriterien für eine Reise nach Brasilien nicht erfüllten. Vieles scheint bei den Franzosen plötzlich zu stimmen. Die Hierarchie ist klar definiert mit Captain Hugo Lloris, Franck Ribéry, Karim Benzema und Patrice Evra als Führungsspieler. Daneben steht der Nachwuchs bereit mit sechs Spielern, die jünger als 24 Jahre sind.
Drei Leistungsträger der 1993er-Generation, die im letzten Sommer U20-Weltmeister geworden ist, haben den Durchbruch bei den "Grossen" geschafft: Paul Pogba, Raphael Varane und Lucas Digne. Vor allem von Pogba wird viel erwartet. Der 21-Jährige von Juventus Turin ist zur Symbolfigur der neuen "Bleus" geworden und ist im viel versprechenden Dreier-Mittelfeld zusammen mit Yohan Cabaye und Blaise Matuidi gesetzt. Das sowohl offensiv als auch defensiv starke Trio strahlte zuletzt viel Sicherheit aus. Im Sturm haben sich Benzema, Ribéry und Mathieu Valbuena bewährt.
Für den ganz grossen Coup fehlt den Franzosen aber wohl noch Qualität in der Verteidigung und auf der Ersatzbank. Auch scheint die Mannschaft etwas unerfahren. Nur Lloris, Ribéry, Benzema und Evra haben mehr als 50 Länderspiele bestritten. Der Blick ist deshalb beim Verband nicht zuletzt auch auf 2016 gerichtet - dann findet die Europameisterschaft im eigenen Land statt.

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