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Werner Kriesi und Klaus Hotz, (von links), möchten Natrium-Pentobarbital (NaP) ohne ärztliche Diagnose oder gar ohne ärztliches Rezept an Senioren abgeben, die genug vom Leben haben, auch wenn sie nicht an einer schmerzhaften tödlichen Krankheit leiden.

Keystone/ALEXANDRA WEY

(sda-ats)

Sollen betagte Menschen einen erleichterten Zugang zum Sterbemittel Natrium-Pentobarbital erhalten? Um Antworten auf Fragen zu einem liberaleren Umgang mit dem Altersfreitod zu finden, setzt die Sterbehilfeorganisation Exit eine Kommission ein.

Die Kommission soll ehrenamtlich tätig sein und ein Kostendach von 50'000 Franken für den Beizug von Gutachtern und Experten erhalten. Dies gab Exit-Präsidentin Saskia Frei an der von mehreren hundert Mitgliedern besuchten Generalversammlung von Exit Deutsche Schweiz am Samstag in Zürich bekannt.

Ausserdem muss die Kommission zuhanden der nächsten GV einen Bericht verfassen, wie und in welcher Weise weitergehende Massnahmen für einen erleichterten Zugang zu Natrium-Pentobarbital (NaP) für betagte Menschen möglich wäre. Experten sollen rechtliche, ethische und politische Aspekte aufzeigen.

In einem Jahr wird an der GV dann unter Einbezug von ethischen und politischen Überlegungen diskutiert werden, ob überhaupt und falls Ja, in welchem Umfang, einzelne Massnahmen konkret weiterverfolgt werden.

Antrag von bekannten Betroffenen

Die Bildung der Kommission wurde durch ein Komitee von mehreren über 70-jährigen Vereinsmitgliedern angeregt - unter ihnen beispielsweise der ehemalige Exit-Präsident und Zürcher alt Stadtrat Hans Wehrli (FDP), Filmregisseur Rolf Lyssy sowie die ehemalige Swissair-Sprecherin Beatrice Tschanz.

Sie hatten sozusagen als Betroffene einen Antrag zum Thema Altersfreitod eingereicht. Nach Ansicht des Komitees, das an der GV durch Klaus Hotz und den ehemalige Exit-Präsidenten Werner Kriesi vertreten wurde, werden lebenssatten urteilsfähigen älteren Menschen und ihren Angehörigen bei einem Sterbewunsch zu viele Steine in den Weg gelegt.

Derzeit begleitet Exit betagte Menschen, die eine Vielzahl an Gebrechen haben, aber nicht an einer unmittelbar zum Tod führenden Krankheit leiden. Neben rein medizinischen Diagnosen fliessen auch psycho-soziale Faktoren in die Beurteilung der Lebensqualität ein.

Bereits vor sechs und vor drei Jahren hatte Exit einen Passus in die Statuten aufgenommen, sich für den erleichterten Zugang zu Sterbemitteln für betagte Menschen einzusetzen und sich für den Altersfreitod zu engagieren. Dieser soll zunächst vor allem enttabuisiert werden. Heute finden rund ein Viertel der Begleitungen im Bereich Altersfreitod statt.

Rolle der Ärzte

Das Komitee um Hotz schlägt unter anderem auch vor, das NaP ohne ärztliche Diagnose oder gar ohne ärztliches Rezept an Senioren abzugeben, die genug vom Leben haben, auch wenn sie nicht an einer schmerzhaften tödlichen Krankheit leiden.

Kriesi sieht nicht ein, weshalb es eine von einem Arzt ausgestellte "Lizenz zum Sterben" braucht, wie er an der GV sagte. Die Abgabe von NaP müsse entmedizinalisiert werden. Es sei wichtig, dass darüber diskutiert werde - in- und ausserhalb von Exit.

Präsidentin Frei warnte im Namen des Vorstandes jedoch insbesondere vor verfrühten Forderungen, die, wenn überhaupt, "nur für eine absolute Minderheit in Frage kommen" - und im Gegenzug die bisherige liberale Haltung der Schweiz bezüglich Selbstbestimmung gefährden würden.

Momentan sei es einfach eine Tatsache, dass Ärztinnen und Ärzte bei der Enttabuisierung und Liberalisierung des Altersfreitods eine wesentliche Rolle spielten, sagte Frei. Exit startet deshalb diesen Sommer das Projekt "Information Ärzteschaft". Dessen Ziel ist es, grundlegendes Wissen zur organisierten Suizidhilfe zu vermitteln.

Viele Ärzte reagierten nämlich hilf- und ratlos, wenn ein Patient mit einem Sterbewunsch an sie herantrete. Oft wüssten sie auch nicht, was rechtlich erlaubt sei. Hier könne Exit mit dem neuen Projekt wichtige Informations- und Sensibilisierungsarbeit leisten.

SDA-ATS

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