Navigation

EZB setzt Ratinganforderungen für griechische Anleihen aus

Dieser Inhalt wurde am 03. Mai 2010 - 15:32 publiziert
(Keystone-SDA)

Frankfurt - Mit einer beispiellosen Ausnahmeregelung hilft die Europäische Zentralbank (EZB) dem krisengeschüttelten Griechenland. Die Notenbank akzeptiert ab sofort griechische Anleihen selbst dann als Sicherheit für EZB-Geld, wenn Ratingagenturen diese als Schrott bewerten.
Damit sind Europas oberste Währungshüter eingeknickt: Die EZB hatte sich monatelang dagegen gewehrt, das hoch verschuldete Land als Sonderfall zu behandeln. Neu können Staatspapiere des südeuropäischen Landes unabhängig von der Kreditwürdigkeit Athens bei der EZB in Zahlung gegeben werden.
Die EZB hatte bereits eine frühere Ausnahmeregelung verlängert, wonach sie im Refinanzierungsgeschäft auch zweitklassige Papiere annimmt. Die wegen der Vertrauenskrise unter den Kreditinstituten getroffene Massnahme sollte ursprünglich zum Jahresende auslaufen.
Nun hätten selbst die herabgesetzten Bonitätsanforderungen Athen im Falle weiterer Herabstufungen nicht mehr geholfen: Wären Fitch und Moody's der Ratingagentur S&P gefolgt, die die Bonität griechischer Anleihen auf "Ramsch-Status" herabgesetzt hatte, hätte die EZB griechische Anleihen nicht mehr als Sicherheiten akzeptieren dürfen.
Experten sehen jetzt die Glaubwürdigkeit der Währungshüter in Gefahr. Der Schritt sei unschön für die EZB, aber unvermeidlich, sagt UniCredit-Ökonom Alexander Koch.
Nach Ansicht von EZB-Ratsmitglied Athanasios Orphanides sind die griechischen Geldinstitute grundsätzlich in guter Verfassung. Allerdings seien sie durch die vom Staat verursachte Schuldenkrise vorübergehend in Schwierigkeiten geraten, am Kapitalmarkt frisches Geld zu kommen. Er erwarte, dass sich die Märkte dort nach der Entscheidung über ein Hilfspaket nun wieder beruhigten.
Die Kehrtwende der EZB erhöhte auch die Unsicherheit über den künftigen Kurs der Notenbank. Dies ist umso bedenklicher, da die EZB vor der gewaltigen Aufgabe steht, die extrem hohe Liquiditätszufuhr allmählich einzusammeln. Zudem muss sie den rekordniedrigen Leitzins erhöhen, sobald die Inflation anzieht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Passwort ändern

Soll das Profil wirklich gelöscht werden?