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Bereits heute zahlt sich die Erwerbsarbeit beider Elternteile finanziell nur bis zu einem bestimmten Pensum aus. Bei einer Annahme der SVP-Familieninitiative würde die Attraktivität des Doppelverdiener-Modells weiter sinken. Zu diesem Schluss kommt eine Studie.

Die Initiative der SVP verlangt, dass Eltern, die ihre Kinder selber betreuen, einen gleich hohen Steuerabzug geltend machen können wie es Familien können, die ihre Kinder in der Krippe betreuen lassen. Das Forschungs- und Beratungsbüro Infras rechnete im Auftrag der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften die Auswirkungen der Familieninitiative durch.

Wie so oft bei Volksinitiativen ist noch unklar, wie das Begehren genau umgesetzt würde, wenn es am 24. November angenommen würde. Am wahrscheinlichsten ist aber wohl, dass ein Pauschalabzug für alle Eltern von Kindern unter 15 Jahren eingeführt wird.

Die Forscher von Infras gehen in ihrer Studie von der Höhe des heute geltenden maximalen Fremdbetreuungsabzugs aus. In den Städten Basel und Zürich, die für die Studie herangezogen wurden, lag dieser im vergangenen Jahr bei maximal 10'000 beziehungsweise 6500 Franken.

Weniger Geld trotz mehr Arbeit

Die Studie kommt zum Schluss, dass sich das Doppelverdiener-Modell für eine Familie mit tiefem oder mittlerem Einkommen in Zürich weiterhin nur lohnen würde, wenn der Zweitverdiener höchstens 60 Prozent arbeitet. Bei einem Pensum von 80 Prozent hätte die Familie wegen der zusätzlichen Steuern und Betreuungskosten wie bereits heute weniger Geld zur Verfügung - dies trotz zusätzlichem Arbeitseinsatz.

Durch die Einführung eines pauschalen Betreuungsabzugs für alle Haushalte mit Kindern würde sich dieser negative Anreiz aber noch verstärken: Im Kanton Zürich würden einem Doppelverdiener-Haushalt neu am Ende des Jahres rund 250 Franken statt 100 Franken fehlen, wenn das zweite Elternteil 80 statt 60 Prozent arbeitet.

Bedeutend grössere Auswirkungen hätte ein Pauschalabzug für die Kinderbetreuung auf die Einkommen eines Doppelverdiener-Haushalts in Basel. Heute verfügt ein Durchschnittshaushalt Ende des Jahres noch über etwas mehr Geld, wenn der Zweitverdiener 80 statt 60 Prozent arbeitet. Bei einer Abzugspauschale würde durch die zusätzliche Arbeit ein Verlust von 1200 Franken entstehen.

Die Forscher haben noch eine zweite Umsetzungsvariante durchgespielt. Der Fremdbetreuungsabzug wird dabei nicht durch einen Eigenbetreuungsabzug ergänzt, sondern ganz gestrichen. Das Resultat bleibt sich gleich: Eine Erhöhung des Pensums von 60 auf 80 Prozent würde sich im Vergleich zu heute noch weniger lohnen.

SVP: Keine "Frau-an-den-Herd-Ideologie"

Wenn sich ein höheres Arbeitspensum finanziell noch weniger lohnt als heute, dann bleibt der Zweitverdiener - meist die Mutter - eher zu Hause. So lautet die Schlussfolgerung der Studie.

Die SVP wehrt sich gegen den Vorwurf, sie wolle mit der Familieninitiative die Frau zurück an den Herd bringen. Allerdings stellt sie gleichzeitig klar, dass "gerade Kleinkinder Bezugspersonen brauchen, welche ihnen Wärme und Geborgenheit vermitteln". Für die Partei kommen dafür ausser den Eltern die Grosseltern, Verwandte und Bekannte in Frage.

Die Schweiz weist heute mit 78,9 Prozent eine der höchsten Frauenerwerbsquoten in Europa auf. Allerdings arbeitet über die Hälfte der erwerbstätigen Frauen Teilzeit, bei den Müttern sind es gar über 60 Prozent - auch diese Quote gehört zu den höchsten in Europa.

SDA-ATS