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Fast 1000 Fälle von Kindsmisshandlung an Schweizer Kinderkliniken

Von 15 der insgesamt 26 Kinderkliniken in der Schweiz sind 2010 insgesamt 923 Fälle von Kindsmisshandlung gemeldet worden. Das entspricht einer Zunahme um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ob es zu einer realen Zunahme kam oder ob die Zahl durch eine korrektere Erfassung stieg, könne im Moment nicht abschliessend beantwortet werden, teilten die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie und die Fachgruppe Kinderschutz der schweizerischen Kinderkliniken am Freitag mit.

Wie im Vorjahr wurden auch 2010 alle Kinder statistisch erfasst, die wegen vermuteter oder sicherer Kindsmisshandlung ambulant oder stationär an einer Schweizer Kinderklinik behandelt worden waren. Für die Erfassung standen die Daten von 15 der 26 Kliniken zur Verfügung (57 Prozent gegenüber 46 Prozent im Vorjahr).

Auch 2010 war der Rücklauf aus der deutschen Schweiz deutlich grösser, aus der französischen Schweiz lagen wiederum nur die Zahlen von Genf und Delsberg vor.

Die erfasste Gesamtzahl dürfte jedoch einen grossen Teil der an den Kinderkliniken behandelten Kinderschutzfälle darstellen, da es sich bei der Mehrheit der nicht antwortenden Institutionen um eher kleinere Kinderabteilungen handelt.

Misshandlung in verschiedensten Formen

Von den 15 Kliniken wurden insgesamt 923 Fälle gemeldet. Dies entspricht einer Zunahme um 17 Prozent. Es gab 271 Fälle von körperlicher Misshandlung, 233 Fälle sexuellen Missbrauchs, 291 Fälle von Vernachlässigung, 123 Fälle psychischer Misshandlung sowie 5 Fälle des Münchhausen Stellvertreter Syndroms.

Mit 219 Fällen waren die Kinder im ersten Lebensjahr erneut am meisten von Kindesmisshandlungen betroffen, 474 Kinder waren jünger als 6 Jahre. Von den 923 Kindern waren 363 Knaben und 556 Mädchen, zu vier Kindern wurde keine Angabe über das Geschlecht gemacht. Stationär wurden 447 Kinder, ambulant 476 Kinder behandelt.

Täter meist Verwandte oder Bekannte

In drei Vierteln aller Fälle (689) kamen die Täterin oder der Täter aus der Familie des Kindes, und in 152 Fällen (16 Prozent) waren die Täter Bekannte des Kindes. In 32 Fällen (3 Prozent) waren es Fremdtäter, in 49 Fällen (5 Prozent) blieben die Täter unbekannt.

In 444 Fällen (48 Prozent) war die Täterschaft männlich und in 299 Fällen (32 Prozent) weiblich. In 134 Fällen (14 Prozent) war sie männlich und weiblich (meist Eltern), in 46 Fällen (5 Prozent) blieb das Geschlecht der Täterschaft unbekannt.

In 758 Fällen (82 Prozent) waren die Täterin oder der Täter älter als 18 Jahre und in 114 Fällen (13 Prozent) jünger als 18 Jahre. Um mehrere Täter jünger oder älter als 18 Jahre handelte es sich in 10 Fällen (1 Prozent). Unbekannt blieb das Alter der Täterschaft in 41 Fällen (4 Prozent).

Die Kindsmisshandlung stelle ein relevantes medizinisches, psychologisches und soziales Problem dar, schreiben die Autoren. Der hohe Anteil von Fällen mit vormundschaftlichen Massnahmen (43 Prozent) oder strafrechtlichen Massnahmen (17 Prozent) unterstreiche die grosse sozialpolitische Bedeutung dieses Themas.

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