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"Das ist ein historischer Moment", sagt eine altgediente Polizistin, und ihr ebenso erfahrener Kollege nickt dazu: Der Zürcher Strichplatz ist am Montagabend eröffnet worden. Ausser Medienleuten und "Offiziellen" kam kaum jemand.

"Ich freue mich von Herzen, dass die Anwohnerinnen und Anwohner des Sihlquai jetzt durchatmen können", sagt Angela Montanile, Stadtpolizistin mit 25 Dienstjahren. Sie gehört zur Fachgruppe Milieu und Sexualdelikte - in manchen Krimis heisst das immer noch "die von der Sitte".

Die Leute am Sihlquai hatten zu leiden unter den Auswirkungen der offenen Drogenszene am Platzspitz, später am Letten, und dann unter dem Strassenstrich. Die Eröffnung des Strichplatzes in Zürich-Altstetten sei deshalb ein historischer Moment.

Sie und ihr Kollege Hanspeter Meier mit 35 Dienstjahren haben viele Veränderungen miterlebt. Der Zustrom von Frauen aus Osteuropa zum Strassenstrich ist eine davon. Montanile und Meier kennen die Prostituierten und diese kennen sie. Schon am Sihlquai haben sie sporadisch Bewilligungen und dergleichen kontrolliert. Sie schauen, "ob die Regeln eingehalten werden", so Montanile.

Mehr Sicherheit

Auf dem Strichplatz warten zahlreiche Journalisten mit Schreibblöcken, Kameras, Mikrofonen. Ursula Kocher, Leiterin der Frauenberatungsstelle Flora Dora sagt zum wiederholten Mal, sie sehe dem Experiment Strichplatz zuversichtlich entgegen. Man müsse jetzt aber erst einmal Erfahrungen sammeln. Die Sicherheit für die Frauen sei deutlich höher als auf der Strasse.

Michael Herzig , Vizedirektor des Stadtzürcher Sozialdepartements wie der Rundkurs funktioniert: Die Freier fahren per Auto das Strässlein entlang und verhandeln mit den Frauen, die dort stehen. Die eigentliche Dienstleistung wird in den Sexboxen bezogen.

Entlang dem Rundkurs gibt es für die Frauen gedeckte Unterstände, ausgerüstet mit einfachen Bänklein, Aschenbechern und Abfalleimern. Die Unterstände sind so konstruiert, dass die Prostituierten hinter einem Wändlein verschwinden können, sollte sich etwa ein Freier nahen, mit dem sie schlechte Erfahrungen gemacht haben, wie Thomas Meier vom Sozialdepartement sagt. Auch hier: mehr Sicherheit.

Kapuze im Gesicht

Nun kommt Bewegung in die Journalistenschar: Ein Wohnmobil mit Schwyzer Kennzeichen fährt durchs Tor. Am Steuer ein Mann mit langem, grauem Rossschwanz, daneben eine junge Frau. Sie zieht die Kapuze ihrer Jacke tief ins Gesicht. Sie steuern die Standplätze für Wohnmobile der Sexarbeiterinnen zuhinterst im Areal an. Der Mann parkiert und verlässt dann zu Fuss zügig den Strichplatz.

Die Frau im grauen Trainer steigt kurz aus, sieht sich der Journalistenschar gegenüber und flüchtet ins Wohnmobil zurück. Sie sei aus der Slowakei, ist das einzige, was sie sagt. Dann zieht sie die Tür zu und den Vorhang vor, und so bleibt es auch, solange die Medienleute da sind. Die beiden Stadtpolizisten bleiben derweil sicherheitshalber in ihrer Nähe.

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SDA-ATS