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Für die Flüchtlingstragödie mit vermutlich 250 Toten vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa hat Italien am Donnerstag Malta die Schuld zugeschoben. Das Flüchtlingsboot sei am Mittwoch in maltesischen Gewässer gekentert, sagte Innenminister Roberto Maroni.

Malta jedoch habe Italien zum Eingreifen aufgerufen und behauptet, keine Schiffe zur Verfügung zu haben, um den in Seenot geratenen Migranten zu helfen.

"Wir haben sofort eingegriffen und haben viele Menschenleben retten können. Mit Malta bleibt das Problem der Flüchtlingshilfe offen. In den vergangenen Jahren ist es mit der maltesischen Regierung über diesen Aspekt oft zu Streit gekommen", sagte vor dem Parlament in Rom.

Suche nach Überlebenden

Trotz des Streits auf politischer Ebene suchten die Küstenwachen der beiden Länder weiter gemeinsam nach Überlebenden. Wie das Hafenamt von Lampedusa mitteilte, stieg die Zahl der Geretteten inzwischen auf 53.

Die Hoffnung, weitere Überlebende bergen zu können, sei jedoch gering. "Aber man darf nichts unversucht lassen", erklärte der Kommandant der Küstenwache, Pietro Carosia: "Unsere Hoffnung ist es, vielleicht noch jemand zu finden, der sich an einem Wrackteil festklammern konnte".

Fischkutter mit 300 Insassen

Die Behörden befürchten, dass beim Kentern eines libyschen Flüchtlingsschiffes in der Nacht zum Mittwoch zwischen Malta und Lampedusa bis zu 250 Menschen ertrunken sind. Der nur 13 Meter lange Fischkutter war mit afrikanischen Flüchtlingen völlig überladen in einen schweren Sturm geraten.

Die Geretteten wurden nach Lampedusa gebracht. Sie sollten in ein Auffanglager in Italien verlegt werden. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) waren rund 300 Menschen an Bord.

Seit Beginn der Revolte in Nordafrika erreichten nach Angaben des italienischen Innenministeriums über 26'000 vorwiegend tunesische Flüchtlinge Lampedusa. Auch vor den Kämpfen in Libyen fliehen immer mehr Menschen in Richtung Italien.

Neuankömmlinge werden abgeschoben

Italien will künftig alle tunesischen Neuankömmlinge umgehend wieder in ihre Heimat abschieben. Dies sei Bestandteil des neuen Abkommens zwischen Italien und Tunesien zur Bekämpfung der illegalen Einwanderung, sagte Maroni vor dem Parlament.

Italien werde zudem zusammen mit Tunesien vor den Küsten patroullieren, um Massenabfahrten zu verhindern. Das Abkommen war am Dienstag in Tunis geschlossen worden.

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SDA-ATS