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Flutwelle in Polen fliesst nach Norden - Aufatmen im Süden

Dieser Inhalt wurde am 20. Mai 2010 - 16:01 publiziert
(Keystone-SDA)

Warschau/Bratislava - Die Flutwelle in Polen hat sich Richtung Norden und damit auch nach Deutschland ausgebreitet. Während sich im Süden Polens die Lage entspannte, bereitete man sich in der Mitte des Landes auf den Kampf gegen die Wassermassen vor.
Die Flutwelle auf Weichsel und Oder bewegte sich flussabwärts nach Norden und bedrohte immer neue Ortschaften. Auch die Hauptstadt Warschau und die niederschlesische Metropole Breslau waren bedroht.
In Breslau wurden die Höchststände der Oder am Freitagmorgen erwartet. Am Vormittag floss die Welle durch Oppeln. 43 Ortschaften in der Region waren überflutet. Nach Angaben des polnischen Fernsehsenders TVPInfo starben in den Fluten bisher neun Menschen, drei wurden am Morgen noch vermisst.
Die Lage in Krakau und der Umgebung sowie in Schlesien habe sich stabilisiert, teilte Innenminister Jerzy Miller in Warschau mit. Die Pegel der Weichsel von ihrer Quelle bis zu Zawichost rund 200 Kilometer nordöstlich von Krakau gingen zurück.
Die Menschen in den betroffenen Gebieten litten aber weiter unter den Folgen der Flut. Grosse Gebiete bei Sandomierz und Tarnobrzeg standen unter Wasser. Dutzende Häuser waren einsturzgefährdet.
In Deutschland bereitete sich die Bevölkerung auf die Flut vor. In Brandenburg stiegen die Pegel gegenüber dem Vortag um bis zu elf Zentimeter, wie das Hochwassermeldezentrum in Frankfurt an der Oder mitteilte. Der Scheitelpunkt der Hochwasserwelle wird von den Behörden am Pfingstmontag in Ratzdorf erwartet, wo die Oder von Polen ins Bundesgebiet übertritt.
Polens Regierungschef Donald Tusk warnte vor den dramatischen Folgen der Flutwelle. Die Pegel der Weichsel seien an einigen Orten höher als jemals in den vergangenen 160 Jahren, sagte Tusk nach einer Sitzung des Krisenstabes in Warschau. Die Schäden könnten sich auf zwei Milliarden Euro belaufen.
Tusk sprach sich dennoch dagegen aus, in den betroffenen Gebieten formell den Notstand auszurufen. Das wäre "in politischer Hinsicht abenteuerlich", erläuterte der Ministerpräsident. In Polen soll am 20. Juni ein neuer Staatspräsident gewählt werden. Würde der Notstand ausgerufen, müsste die Wahl laut Gesetz auf den Herbst verschoben werden.
Gegen die Flut kämpften in Polen insgesamt rund 50'000 Feuerwehrleute und 1000 Soldaten an. Tausende Häuser und Strassen waren betroffen, 360 Schulen blieben geschlossen.

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