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Vor der 55. Bundesliga-Saison steht ausser Frage: Bayern München legt die deutsche Klub-Agenda fest. Borussia Dortmund hingegen wirkt im Nachgang zur Tuchel-Affäre weiterhin angeschlagen.

Oliver Kahn hat eine Vergangenheit als Goalie-Titan und gilt heute in Expertenkreisen als Schwergewicht. Der ZDF-Analyst fällt mit besonnenen Einschätzungen auf. Seine Einschätzungen bleiben haften - auch bei den Machern der Liga. Der Münchner Rekordtitelträger rechnet ohne Einschränkung mit dem sechsten Meisterschaftsgewinn Bayerns in Serie. Für Kahn ist klar, "dass der Wettbewerb unausgeglichen bleibt".

Der Champions-League-Sieger von 2001 sorgt sich nicht um den Status des Rekordmeisters, ihm geht es mehr um die internationale Ausstrahlung der Liga. Die knochenharten Bemühungen der populärsten deutschen Klubs, sich mit ausgedehnten Touren in Fernost interkontinentale Werbemarktanteile zu sichern, genügen nicht nur seiner Ansicht nach nicht. Kahn bekräftigte in einem "kicker"-Interview, dass ein Klub wie der FC Bayern an der internationalen Transferbörse künftig deutlich mehr Risiken eingehen müsste, um weiterhin zur europäischen Spitzenklasse zu gehören.

Finanziell bietet die Bundesliga einen respektablen Spielraum. Der bis 2021 vereinbarte TV-Vertrag ist für die 36 Teams der 1. und 2. Liga mit 1,208 Milliarden Euro dotiert. Der Titelhalter kassiert gegen 97 Millionen als Startgeld. Angesichts der Finanzkraft der Premier League und vereinzelter Investoren aus der Golfregion sind die Bundesliga-Vertreter im überhitzten Geschäft derzeit aber nur Randfiguren - Bayerns Rekord-Akquirierung Corentin Tolisso (41,5 Millionen Euro) ist im Vergleich zum Neymar-Deal (222 Millionen) eine geradezu zweitrangige Episode.

Bayerns Königslösung

Die teilweise unüblichen Münchner Unebenheiten im Vorbereitungsprolog - fünf von sechs internationalen Tests endeten mit Niederlagen - wurden primär medial aufgebläht. Dass selbst renommierte Kommentatoren bereits ein "PR-Debakel" orteten, war angesichts der während der Sommerzeit dünnen Nachrichtenlage keine Überraschung. Eine Zerrüttung steht im Süden nicht an, das interne Warnsystem funktioniert. Das mächtige Präsidium um Uli Hoeness hat mit dem früheren Schwerarbeiter Hasan Salihamidzic einen Horchposten installiert. Der neue Sportdirektor soll im Bereich der weichen Faktoren Kontrastpunkte setzen. Für die "Süddeutsche Zeitung" ist der Bosnier "die kleine Lösung", für Klubchef Hoeness möglicherweise "die Königslösung".

Wie sich der freiwillige Weiterzug des gewieften Kaderplaners Michael Reschke zum VfB Stuttgart auswirkt, ist schwierig abzuschätzen. Auf die Luxusqualität der Bayern hat diese bemerkenswerte Personalie (noch) keinen Einfluss. Ein Verein, der die letzten fünf nationalen Kampagnen im Durchschnitt mit über 15 Punkten Vorsprung gewonnen hat, beschäftigt sich per se vor allem mit sich selber. Heute Abend (20.30 Uhr) eröffnet Bayern München die Saison mit einem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen.

Dortmunder Unbehagen

Etwas eint das Feld der FCB-Verfolger: Vom Ende der Münchner Dominanz träumen sie alle. Allerdings kommt das Gros nur schon in wirtschaftlicher Hinsicht nicht für eine seriöse Verfolgerrolle infrage. Leipzig besitzt dank Trainer Ralph Hasenhüttl und Visionär Ralf Rangnick die Kompetenz, weiterhin eine prägende Rolle zu spielen. Im Hintergrund sichert ein Energydrink-Milliardär die Rasenballsportler ab.

Tradition, ein inzwischen beträchtliches Umsatzvolumen von gegen 400 Millionen Euro, grenzenloser Zuspruch in einer der wildesten Fussball-Metropolen, eine Belegschaft erster Güte - im Prinzip ist Borussia Dortmunds Brust breit genug, um ernsthaft um die Titelvergabe mitzureden. Aber hinter dem BVB liegt die monatelange Trennungsaffäre um Thomas Tuchel. Die unappetitliche Freistellung des Trainers hat das börsenkotierte Unternehmen erschüttert; das Casting der Nachfolge-Kandidaten verlief unvorteilhaft. Statt seinen unabkömmlichen Wunschkandidaten Lucien Favre musste der angeschlagene Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den eher unbekannten Peter Bosz (zuletzt Ajax Amsterdam) als Mann für die Zukunft verkaufen - keine "echte Liebe" auf den ersten Blick.

Ambitionierter Mittelstand

Im Champions-League-Playoff gegen Liverpool (1:2) stiess Hoffenheim ans Limit. Taktische Raffinessen allein sind nicht ausreichend. Abgänge wie jene der beiden Confed-Cup-Sieger Niklas Süle und Sebastian Rudy (beide zu Bayern) sind auch für ein Coach-Talent wie Nagelsmann nur schwer zu verkraften. Auch wenn die TSG-Entscheidungsträger einen Umbruch partout verneinen, steht eine personelle Justierung an. Die Bestätigung der Top-4-Klassierung kündigt sich als kompliziertes Unterfangen an.

Auch der 1. FC Köln hat nach der überraschenden Europacup-Qualifikation erstmals seit einem Vierteljahrhundert wieder mit einer Doppel-Belastung umzugehen. Die Crew um Manager Jörg Schmadtke muss das Zentrum der Offensive neu besetzen. Anthony Modeste hat nach 40 Toren in zwei Saisons eine lukrative Offerte von Tianjin Quanjian der Euphorie rund um den "Effzeh" vorgezogen. Obschon der Erfolgs-Trainer Peter Stöger einen massgeblichen Teil der chinesischen Überweisung (rund 35 Millionen Euro) reinvestieren durfte, ist eine Rückkehr zur sportlichen Normalität nicht ausgeschlossen.

Ob die Europa-Liebhaber am Rhein einen zweistelligen Tabellenplatz goutieren würde, ist angesichts ihrer FC-Trance nicht anzunehmen. Ähnlich ist die Ausgangslage in Berlin. Der Rekordverkauf von Abwehrchef John Anthony Brooks dürfte Spuren hinterlassen, ihre Zuversicht wird die Hertha nicht einbüssen. Pal Dardai personifiziert die aufrechte Haltung der 125-jährigen Institution; der ungarische Chef an der Linie geniesst in der Hauptstadt in Hertha-Kreisen höchstes Ansehen, gegen den gradlinigen Osteuropäer lehnt sich niemand auf.

Stöger und Dardai gelten als starke Persönlichkeiten mit klarem Konzept. Ihnen wird das Vertrauen nicht so schnell entzogen. Ihre gute Verankerung dürfte hilfreich sein, der Druck aus dem erweiterten Mittelfeld der Tabelle könnte unter Umständen markant ansteigen. Ein paar prominente Verlierer der letzten Spielzeit haben sich neu formiert und halten mit ihren Ambitionen nicht zurück.

Borussia Mönchengladbach beispielsweise, das inzwischen vier der 23 Schweizer Bundesliga-Professionals beschäftigt, leistet sich eine verhältnismässig teure und interessant bestückte Equipe. Über 34 Millionen legte Max Eberl nach dem Rückfall auf Position 9 aus. Der clevere Moderator des jahrelangen Aufschwungs am Niederrhein will zurück ins erweiterte Champions-League-Rampenlicht. Das finanzielle Risiko sei überschaubar, den Weg der Vernunft würden sie im Borussia-Park nicht verlassen: "Wir geben aus, was wir auch einnehmen und uns verdient haben. Andere Klubs zocken vielleicht, wir nicht."

Zur Liste der Enttäuschten, die mit Vehemenz eine Rückkehr ins obere Viertel der Liga anstreben, gehören neben der Gladbacher Borussia mit Sicherheit Schalke 04 (10. Platz letzte Saison), Bayer Leverkusen (12.) und der VfL Wolfsburg (16.). In Gelsenkirchen setzt Christian Heidel nach einem ersten Fehlgriff (Markus Weinzierl) auf den jüngsten Hoffnungsträger der Schalker Trainergeschichte: Domenico Tedesco, wie einst Thomas Tuchel auch aus der Stuttgarter Trainertalent-Ecke stammend, soll die begabte Equipe um Leon Goretzka wieder unter die Top 6 führen.

Erste HSV-Krise

Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler verspricht nach dem Zuzug von Sven Bender: "Es wird sicher unangenehmer gegen uns." In Wolfsburg folgte der grossen Analyse eine umfassende Kaderveränderung. Eine Reihe von Hochlohnbezügern ist weg, Stabilisatoren wie der vorerst verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stehende Brooks (von Berlin) und Camacho (Malaga) kamen. "Wir haben neue Werte auf den Verein übertragen: Arbeit, Fussball, Leidenschaft", betonte Trainer Andries Jonker.

Eher leise Töne sind aus Hamburg zu vernehmen. Der Bundesliga-"Dino" schwankt der nächsten schwierigen Saison entgegen. Ungelöste Personalien wie jene von Nicolai Müller, der eine HSV-Offerte ausgeschlagen hat, und das Cup-Debakel gegen den Drittligisten Osnabrück verdeutlichen: Im Norden ist eine nächste Krise absehbar.

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SDA-ATS