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Das "moralische Gewissen der Welt" ist tot: Ex-Uno-Generalsekretär Kofi Annan starb am Samstag im Alter von 80 Jahren.

KEYSTONE/AP/MARY ALTAFFER

(sda-ats)

Er verhalf den Vereinten Nationen zu neuem Gewicht auf der internationalen Bühne und erhielt für seinen Einsatz für eine friedlichere Welt den Friedensnobelpreis: Der frühere Uno-Generalsekretär und Friedensnobelpreis-Träger Kofi Annan ist tot.

Annan starb am Samstag im Kreise seiner Familie nach kurzer Krankheit im Alter von 80 Jahren, wie seine Stiftung in Genf mitteilte. Seine Frau Nane und ihre drei Kinder seien in seinen letzten Tagen an seiner Seite gewesen. Annan starb in einem Spital in Bern.

Annan habe "während seines gesamten Lebens für eine gerechtere und friedlichere Welt" gekämpft, heisst es in der Mitteilung der Stiftung. Der gebürtige Ghanaer führte die Vereinten Nationen von 1997 bis Ende 2006.

Uno-Generalsekretär Antonio Guterres würdigte Annan am Samstag als eine "treibende Kraft des Guten". In vielerlei Hinsicht habe sein Vorgänger die Vereinten Nationen verkörpert. Die UNO habe er mit "unvergleichbarer Würde und Entschlossenheit" angeführt. Annans Heimatland Ghana rief eine einwöchige Staatstrauer aus.

Annan wurde 1938 als Sohn eines Managers im ghanaischen Kumasi geboren. Nach seinem Studium unter anderem in den USA war er für einige Jahre Tourismus-Direktor in Ghana. Anschliessend arbeitete Annan mehr als 40 Jahre für die Vereinten Nationen.

Dort leitete er anfangs die Personalabteilung, dann den Bereich Haushalt. 1993 wurde der Ghanaer Chef der Uno-Friedensmissionen.

Prägende Vorkommnisse

In diese Zeit fielen zwei der schwersten Krisen der Vereinten Nationen. Beim Völkermord in Ruanda töteten Angehörige der Volksgruppe der Hutu zwischen April und Juli 1994 Schätzungen zufolge etwa 800'000 Menschen - trotz Präsenz von Uno-Blauhelmsoldaten.

1995 konnte die Uno das Massaker von Srebrenica im Bosnien-Krieg nicht verhindern. Binnen weniger Tage töteten bosnisch-serbische Milizen Schätzungen zufolge etwa 8000 muslimische Männer und Jungen.

Damals sei er erstmals mit einer Herausforderung konfrontiert gewesen, die für seine Zeit als Uno-Generalsekretär prägend werden sollte, schrieb Annan später in seiner Autobiographie: "Die Legitimität und die Notwendigkeit, im Fall offenkundiger Menschenrechtsverletzungen einzuschreiten."

"Moralisches Gewissen der Welt"

1997 wurde Annan zum Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt - eine Wahl, die er dem US-Veto gegen seinen Vorgänger, den Ägypter Butros Butros-Ghali, zu verdanken hatte. Annan wurde zu einem der bekanntesten und beliebtesten Generalsekretäre der UNO.

In seiner Zeit an der Spitze der Vereinten Nationen galt Annan als das moralische Gewissen der Welt. Er setzte sich mit Charisma und diplomatischem Geschick für Arme und Unterdrückte ein, warb für Frieden und Gerechtigkeit und bot den USA im Streit um den Irakkrieg die Stirn.

2001 erhielt Annan den Friedensnobelpreis "für seinen Einsatz für eine besser organisierte und friedlichere Welt".

Das Ende seiner zweiten Amtszeit wurde von dem Skandal um das Öl-für-Lebensmittel-Programm überschattet. Ein Untersuchungsausschuss sprach Annan jedoch vom Verdacht ernster Verfehlungen frei. 2012 wurde Annan Uno-Sonderbeauftrager für Syrien. Fünf Monate später gab er das Mandat zurück.

Annan war seit 1984 in zweiter Ehe mit der schwedischen Juristin Nane Lagergren verheiratet. Das Paar hatte eine Tochter. Eine weitere Tochter und ein Sohn stammen aus Annans erster Ehe mit der Nigerianerin Titi Alakija.

Weltweite Reaktionen

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama würdigte die Verdienste des verstorbenen Ex-Uno-Generalsekretärs. "Kofi Annan war ein Diplomat und Menschenfreund, der die Mission der Vereinten Nationen wie nur wenige andere verkörperte", hiess es in einem Statement Obamas. Annan habe nie aufgehört, nach einer besseren Welt zu streben.

Aus dem Weissen Haus gab es zunächst keine Stellungnahme. Lediglich die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, meldete sich zu Wort. Annan habe sich dafür eingesetzt, die Welt zu einem friedlicheren Ort zu machen.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zeigte sich bestürzt über die Todesnachricht. "Die Uno und die Welt haben einen ihrer Giganten verloren", erklärte Stoltenberg. Der Bundesrat würdigte Annan "als grossen Staatsmann und Diplomaten". Er habe sich mit Mut und Klugheit für eine friedliche und gerechte Welt eingesetzt, heisst es in einer Mitteilung.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu würdigte Annan als Kämpfer gegen den Antisemitismus und gegen die Leugnung des Holocausts. "Die Welt trauert um eine grosse Führungspersönlichkeit und einen Menschenfreund", schrieb EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf Twitter. Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini bezeichnete Annan als "einen der grössten Männer unserer Zeit".

Michael Møller, UNO-Generaldirektor in Genf, sagte, er verliere mit Annan seinen Mentor, Vorbild und Freund. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel teilte mit, Annan habe sie und viele andere "mit seinen Ideen, seinen aufrechten Überzeugungen und nicht zuletzt seinem Charisma" inspiriert. Er sei ein "herausragender Staatsmann im Dienste der Weltgemeinschaft" gewesen.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron schrieb auf Twitter: "Wir werden nie seinen ruhigen und entschlossenen Blick vergessen, ebenso wenig wie die Kraft seiner Kämpfe." Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte, er habe "die Weisheit und den Mut" Kofi Annans ehrlich bewundert.

Uno-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein würdigte Annan als "Inbegriff für menschliche Würde und Anmut: Er war ein Freund für Tausende und ein Anführer für Millionen."

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SDA-ATS