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Nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch mit mehr als 370 Toten hat die Polizei am Sonntag den Besitzer des achtstöckigen Häuserblocks festgenommen. Der Mann wollte sich gerade nach Indien absetzen. Als einen der Hauptverdächtigen bei den Ermittlungen zur Katastrophe bezeichnete die Polizei einen spanischen Industriellen, nach dem gefahndet wird.

Der Besitzer des "Rana Plaza"-Gebäudes, Sohel Rana, sei gefasst worden und werde vor Gericht gestellt, teilte der Vize-Innenminister Shamsul Haque Tuku mit. Der Chef der bangladeschischen Polizeieliteeinheit, Muklesur Rahman, ergänzte, der Unternehmer sei in Benapole an der indischen Grenze gefasst und im Helikopter zurück in die Hauptstadt Dhaka gebracht worden. Rana ist Mitglied der Regierungspartei in Bangladesch.

Bereits am Samstag wurden drei Chefs von in dem Gebäude ansässigen Textilfabriken unter dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung festgenommen. Laut Polizei handelt es sich um Bazlus Samad, Chef der Firmen New Wave Buttons und New Wave Style, Mahmudur Rahaman Tapash, einen leitenden Angestellten "einer der beiden Firmen", sowie Aminul Islam, Chef zweier anderer Fabriken.

Zudem seien zwei Ingenieure in Gewahrsam, die das eingestürzte Gebäude abgenommen hätten. Beim von den Behörden gesuchten spanischen Geschäftsmann David Mayor handelt es sich um den Teilhaber Islams.

Mayor ist Generaldirektor von Phantom-Tac, einer Gemeinschaftsfirma aus der bangladeschischen Phantom Apparels und der spanischen Textile Audit Company. Die Firma nahm in dem Gebäude laut der Website von Phantom-Tac mehr als 2000 Quadratmeter ein.

Hoffnung auf weitere Überlebende sinkt

Fast 2500 Menschen wurden seit Mittwoch lebend aus den Trümmern geborgen. Auch am Sonntag seien noch einmal vier Menschen aus dem früheren vierten Stock des "Rana Plaza" geholt worden, berichtete der "Daily Star" online. Einige weitere Überlebende wurden demnach geortet.

Die Behörden veröffentlichten zudem eine Liste mit fast 600 Namen von Vermissten. Wie viele noch unter den Trümmern liegen könnten, blieb weiter unklar. Die Hoffnung, weitere Überlebende zu finden, sank.

Unerträglicher Leichengeruch

Weil es nach Angaben der Feuerwehr unter den Trümmern keine weiteren Lebenszeichen mehr gab, wurde gemeinsam mit der Armee entschieden, schweres Gerät wie Kräne einzusetzen, um die Trümmerteile vorsichtig abzuräumen. "Es gibt an diesem Punkt keine andere Alternative mehr, als schweres Gerät zu verwenden", sagte Einsatzchef Syed Hassan Suhrawardy.

Vier Tage und Nächte lang hatten sich die Helfer durch Betondecken und Wände des einst achtstöckigen Gebäudes geschnitten. Nach Augenzeugenberichten war der Leichengeruch im Gebäude für die Helfer mittlerweile unerträglich.

Heftige Proteste von Textilarbeitern

Das teilweise illegal errichtete Gebäude in Dhaka war am Mittwochmorgen eingestürzt. Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen mindestens 3000 Menschen in fünf Fabriken in dem Gebäude gearbeitet haben.

Zahlreiche Textilarbeiter protestieren seit dem Einsturz gegen die miserablen Arbeitsbedingungen in ihrer Branche. Viele der 4500 Textilfabriken des Landes wurden deshalb vorübergehend geschlossen, die Fabrikbesitzer erklärten Samstag und Sonntag zu freien Tagen. Am Freitag und Samstag fanden Massenproteste von Textilarbeitern statt, die von der Polizei mit Gummigeschossen und Tränengas aufgelöst wurden.

Für besonders grosse Empörung hatten Berichte von Arbeitern gesorgt, wonach bereits am Tag vor dem Einsturz Risse an dem Gebäude entdeckt worden seien. Die Chefs der Textilfabriken hätten die Arbeiter dennoch gezwungen weiterzuarbeiten.

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SDA-ATS