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Die Berner Kantonsregierung will die Fächer Griechisch und Russisch an den Gymnasien abschaffen. Sie spart dadurch einen relativ kleinen Betrag ein. Umso grösser ist die Empörung bei den Lehrerinnen und Lehrern.

Wer heute am Gymnasium Griechisch wählt, liest über den Raub der Europa, die Tugend nach Platon oder die Anfänge des Christentums – nota bene in der Originalsprache. Doch damit soll im Kanton Bern bald Schluss sein.

Die bernische Regierung muss 400 bis 450 Millionen Franken einsparen und hat ein Paket voller Sparmassnahmen geschnürt. Eine davon ist die Abschaffung von Griechisch und Russisch als gymnasiale Schwerpunktfächer; also als wählbare und für die Matur relevante Fächer. Dadurch spart der Kanton 400'000 Franken pro Jahr.

Die bernischen Lehrerinnen und Lehrer alter Sprachen (Griechisch und Latein) bezeichnen die Massnahme als finanziell unverhältnismässig und bildungspolitisch beschämend für den Kanton Bern. Dieser wäre der erste Universitätskanton, der auf Griechisch - eines der traditionsreichsten Fächer an den Gymnasien - verzichtet.

Griechisch beschäftige sich mit den Anfängen der europäischen Kultur, halten die Altphilologen in einem Brief an den Regierungsrat fest. Demnach helfen Griechischkenntnisse in jedem Fach, die Dinge aus ihrem Werden heraus besser zu verstehen.

"Griechisch dient zudem der Begabtenförderung, da es meist leistungsstarke Schüler belegen", sagt Lucius Hartmann, Präsident des Schweizerischen Altphilologenverbands. Der Verband wehrt sich mit einer Internet-Petition gegen das Vorhaben im Kanton Bern.

Fatales "Njet"

Im Vergleich zu Griechisch ist Russisch ein junges Maturfach. Doch auch dessen Lehrkräfte sind besorgt und sprechen von fatalen Folgen. Russisch sei nicht nur eine bedeutende Kultur- und Literatursprache, sondern auch für die Wirtschaft wichtig, sagt Thomas Schmidt, Präsident des Vereins der Russischlehrerinnen und -lehrer in der Schweiz.

Er verweist darauf, dass in den 1990er-Jahren der Kanton Bern mit der Einführung von Russisch als Maturfach noch eine Vorreiterrolle eingenommen habe. Heute wird Russisch ausser in Bern noch an fünf Gymnasien im Kanton Zürich sowie in Chur, Münchenstein BL und Trogen AR unterrichtet.

Zu wenig Schüler

Bei der bernischen Erziehungsdirektion verweist man auf den Spardruck und die geringe Nachfrage nach Russisch und Griechisch. Der Kanton könne nicht mehr das ganze Spektrum an Schwerpunktfächern anbieten, sagt Mario Battaglia, Abteilungsleiter Mittelschulen bei der Erziehungsdirektion.

Für Russisch entscheiden sich pro Jahr im ganzen Kanton Bern knapp 30 Schüler, für Griechisch fünf. Frappant ist der Vergleich mit anderen Kantonen für das Griechische im Schuljahr 2012/13: Zählte Bern auf allen Gymnasiumsstufen insgesamt nur 18 Griechischlernende, waren es in Freiburg 131, in Zürich 152 und in Genf 206 Schüler.

Anders als etwa Zürich hat Bern aber kein Langzeitgymnasium, das für alte Sprachen förderlich ist.

Sowohl Griechisch wie auch Russisch werden im Kanton Bern zurzeit nur noch an einem Gymnasium pro Region angeboten, also an vier bis fünf Schulen. Das letzte Wort zu den geplanten Sparmassnahmen spricht demnächst das Berner Kantonsparlament.

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SDA-ATS