Externer Inhalt

Den folgenden Inhalt übernehmen wir von externen Partnern. Wir können nicht garantieren, dass dieser Inhalt barrierefrei dargestellt wird.

Der neu gewählte Bundesrat Ignazio Cassis (links) und der scheidende Bundesrat Didier Burkhalter (rechts) feiern nach der Wahl im Restaurant "Zum Äusseren Stand".

KEYSTONE/TI-PRESS/GABRIELE PUTZU

(sda-ats)

Die Freude über einen eigenen Bundesrat ist gross im Tessin. Selbst bei Politikern, die Ignazio Cassis politisch nicht nahe stehen. Die Erwartungen an ihn sind hoch.

Er soll in Bundesbern Verständnis für die Probleme des Tessins wecken - vor allem auch in Bezug auf die Grenzgänger. Der Tessiner Regierungspräsident Manuele Bertoli sprach von einem "wichtigen Tag für das Tessin". Auch wenn er als SP-Mann nicht auf der gleichen politischen Linie liege.

Jetzt sei eben die FDP an der Reihe gewesen, sagte Bertoli auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. "Ich hoffe natürlich, dass sich Cassis nicht so stark nach rechts ausrichtet." In der Schweiz finde man politische Kompromisse, arbeite zusammen und strebe keine Polarisierung an.

Bertolis Regierungskollege Christian Vitta war zunächst selbst als möglicher Nachfolger von Didier Burkhalter gehandelt worden. Am Mittwoch nun freute sich der Wirtschafts- und Finanzminister über Cassis' Wahl: Für das Tessin sei das ein wichtiger Augenblick. Cassis werde in Bern die Sensibilität für die Tessiner Probleme schärfen - vom Arbeitsmarkt über die Migration bis zu den Beziehungen zu Italien.

Auch SP-Nationalrätin Marina Carobbio Guscetti zeigte sich als Vertreterin der italienischen Schweiz sehr zufrieden. Sie hoffe, dass Cassis es schaffe, sich den Herausforderungen des Tessins zu stellen - "gerade für diejenigen Teile der Bevölkerung, die finanziell nicht gut dastehen und sogar Mühe haben, die Krankenkassenprämien zu bezahlen".

"Ein direkter Draht nach Bern"

Von einem "Feiertag für das Tessin" sprach der Tessiner SVP-Regierungsrat und ehemalige Bundesratskandidat Norman Gobbi. Cassis' Wahl öffne den Weg, um in Bundesbern die Tessiner Interessen besser wahrzunehmen, sagte er zur sda. Dazu gehöre auch das Problem der Grenzgänger.

Der Tessiner Ständerat Fabio Abate zeigte sich glücklich darüber, zur Wahl eines Tessiner Bundesrats beigetragen zu haben. Bei der Vertretung des Südkantons gehe es um die ganze Schweiz - denn was in Bern gerne als regionales Tessiner Problem wahrgenommen werde, sei oft eigentlich ein nationales Problem. Cassis kenne Italien gut und könne zu einer Verbesserung der Beziehungen beitragen - deshalb sieht Abate den neuen Bundesrat auch als Aussenminister.

Giorgio Cattaneo, der Vizebürgermeister von Cassis' Wohngemeinde Montagnola, zeigte sich "sehr bewegt und sehr glücklich". Endlich habe die Südschweiz nun jemanden, der die Anliegen und Wünsche des Tessins in Bern vertrete.

Parteien reagieren unterschiedlich

FDP-Präsidentin Petra Gössi zeigt sich derweil im Schweizer Fernsehen SRF freudig überrascht, dass sich die Wahl des neuen Bundesrats bereits im zweiten Wahlgang entschieden hat.

Anders sieht es SP-Fraktionspräsident Roger Nordmann. Er kritisierte nach der Wahl von Cassis , dass den Frauen keine echte Chance auf den zweiten FDP-Bundesratssitz eingeräumt worden seien. "Wenn man eine Frau reinbringen will, muss man halt zwei Frauen aufs Ticket bringen." "So machen wir das in der SP seit 25 Jahren", ergänzte Nordmann gegenüber Schweizer Fernsehen SRF.

SP-Parteipräsident Christian Levrat erwartet mit Cassis keinen grundsätzlichen Kurswechsel im Bundesrat. Es gebe wohl eine offensivere Kommunikation, aber keine grosse Entwicklung, sagte Levrat zur sda. Er bleibe in dieser Frage gelassen.

Die Frauenfrage beschäftigt auch Regula Rytz, Nationalrätin und Präsidentin der Grünen. Sie greift die FDP in einem Tweet an: "Die FDP hat ein Frauenproblem." Seit 1848 seien 69 Männer und nur eine Frau in den Bundesrat gewählt worden. "Konservativer ist nur die SVP."

CVP-Präsident Gerhard Pfister streitet nicht ab, dass mit der Wahl von Cassis der Druck auf seine Partei steigt, den Bundesratssitz von Doris Leuthard wieder mit einer Frau zu besetzen.

Im 21. Jahrhundert könne es sich keine Partei erlauben, ein Bundesratsticket ohne Frauenkandidatur vorzulegen. Auch die CVP "kommt nicht darum herum", sagte Pfister gegenüber Schweizer Fernsehen SRF. Diesen Druck hätten alle Parteien. Die CVP Schweiz gratulierte Cassis schriftlich zu seiner "ehrenvollen Wahl".

SVP hat Erwartungen

SVP-Präsident Albert Rösti zeigt sich zufrieden mit der Wahl eines Tessiners zum Bundesrat und wertet diese als "wertvoll für den nationalen Zusammenhalt". Entscheidend sei für die SVP Cassis' Versprechen gewesen, im EU-Dossier auf den "Reset-Knopf" drücken zu wollen. Auch der Umstand, dass Cassis einen Grenzgänger-Kanton vertritt, sei für die Landesregierung ein Plus, sagte Rösti gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Cassis habe im Vorfeld der Wahl klar gesagt, dass er gegen ein Rahmenabkommen mit der EU sei, gegen eine automatische Rechtsanpassung und gegen "fremde Richter". "Gestützt auf diese Aussagen haben wir natürlich auch Erwartungen an ihn", sagte Rösti gegenüber Schweizer Fernsehen SRF.

GLP und BDP erfreut

Die kleinen Mitteparteien GLP und BDP zeigten sich über die Wahl von Cassis erfreut. Die Parteispitzen bezeichneten den Tessiner als "konsensorientierten und zugänglichen" Politiker. Sie erhoffen sich viel von ihm.

"Als kleine Partei werden wir mit unseren Ideen Zugang finden zu Cassis", sagte GLP-Präsident Jürg Grossen auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Gerade in gesellschaftlichen und umweltpolitischen Fragen ticke der neue FDP-Bundesrat ähnlich wie die GLP.

"Cassis ist eine gute Wahl", sagte auch BDP-Präsident Martin Landolt. "Er ist einer, den wir kennen und schätzen." Der Glarner Nationalrat ist überzeugt davon, dass Cassis den Rollenwechsel vom Interessenvertreter zum unabhängigen Regierungsmitglied schaffen wird.

Politologe glaubt nicht an Rechtsrutsch

Politologe Louis Perron glaubt nicht, dass der Gesamtbundesrat mit dem neuen Mitglied Cassis nach rechts rutschen wird. Der Tessiner werde andere Nuancen setzen, aber nicht den grossen Kurswechsel bringen. "Wir haben einen Freisinnigen durch einen Freisinnigen ersetzt." Dies sagte Perron am Mittwoch zu sda-Video.

Als Tessiner werde er sicher versuchen, bei gewissen Themen für seinen Landesteil zu punkten - etwa in Fragen der Migration. Wichtiger sei aber schon allein die Tatsache, dass er das Tessin repräsentiere und die Sprache des Südkantons spreche.

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

SDA-ATS