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Sechs Uhr morgens am 22. Juni 2017: Die modellierte Wärmekarte von Zürich zeigt, wo sich die Stadt auch nachts nicht abkühlt. Ein Grund ist die fehlende Luftzirkulation.

Empa/ETH Zürich/Gianluca Mussetti

(sda-ats)

Bei Hitzewellen wird es vor allem in Städten unerträglich warm. Um städtische Hitzeinseln besser zu verstehen und Gegenmassnahmen zu entwickeln, haben Forschende der Empa und der ETH Zürich eine Vorhersage der Temperaturverteilung in Städten entwickelt.

Städte heizen sich stärker auf als das Umland, das bekamen Stadtbewohner in der Schweiz auch bei den jüngsten Hitzewellen zu spüren. Die dunkle Oberfläche von Strassen und Dächern absorbieren mehr Sonnenenergie und die spärliche Vegetation bringt kaum Verdunstungskühlung. Und weil Oberflächen die gespeicherte Wärme nachts abgeben und die Luft vielerorts stillsteht, kühlt sich die Stadt auch über Nacht kaum ab.

Während gängige Modelle zur Wettervorhersage Hitzewellen gut simulieren können, gab es bisher keine hoch auflösenden Modelle für die Temperaturverteilung in Städten. Diese könnten jedoch helfen, die Ursachen besser zu verstehen und Gegenmassnahmen zu planen, schrieb die Forschungsanstalt Empa am Freitag in einer Mitteilung.

Temperaturkarte von Zürich

Forschende der Empa und der ETH Zürich haben deshalb die Vorhersagemodelle mit den Auswirkungen von Gebäuden und Strassen kombiniert. Mit dieser Methode erstellte Empa- und ETH-Doktorand Gianluca Mussetti eine Wärmekarte der Stadt Zürich, auf der die Temperaturen mit einer Auflösung von bis zu 250 Metern verzeichnet sind. So analysierte er die kürzliche Hitzewelle vom 20. bis 24. Juni 2017.

Demnach blieb es in diesen Tagen besonders im dicht bebauten Stadtzentrum auch nachts noch sehr warm. Bereiche in Seenähe, entlang der Limmat und an den Hängen des Züribergs, wo nachts kühlere Luft aus höheren Bereichen herabströmt, erlebten etwas kühlere Nachttemperaturen, schrieb die Empa. So zeigte sich insbesondere der Einfluss der innerstädtischen Luftzirkulation: Wo Wärme nicht mit Luftströmungen abtransportiert wird, hält sich die Hitze auch nachts hartnäckig.

Gegenmassnahmen entwickeln

Die Forschenden wollen die Ursachen der städtischen Hitzeinseln und der lokalen Unterschiede innerhalb von Städten weiter erforschen und insbesondere auch Gegenmassnahmen entwickeln. Darunter könnten zum Beispiel der vermehrte Einsatz von städtischem Wasser bei Hitzewellen, intelligente Beschattung oder Kühlsysteme unter Strassen und Gehwegen fallen, so die Mitteilung.

Gegenmassnahmen tun durchaus Not: Im Zuge des Klimawandels werden Hitzewellen häufiger. Besonders die Schweiz treffen die Auswirkungen der Klimaerwärmung hart: Hierzulande sind die Jahresdurchschnittstemperaturen seit 1850 bereits rund doppelt so stark gestiegen wie im globalen Durchschnitt, nämlich um 1,8 Grad Celsius.

Hitzewellen bereiten vielen nicht nur schlaflose Nächte, sondern beeinträchtigen auch die Gesundheit. Sie belasten zum Beispiel das Herz-Kreislauf-System und können zu vorzeitigen Todesfällen führen. Die Hitzewelle von 2003 verursachte europaweit rund 70'000 zusätzliche Sterbefälle.

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SDA-ATS