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Das Frauenbildnis von Ferdinand Hodler ziert das Plakat zur diesjährigen Kunstausstellung in Trubschachen. Für drei Wochen kommt grosse Schweizer Kunst ins kleine Emmentaler Dorf.

Kunstausstellung Trubschachen

(sda-ats)

Giacometti in der Turnhalle und Hodler im Klassenzimmer: Mit der Kunstausstellung Trubschachen kommt am 1. Juli für drei Wochen grosse Schweizer Kunst ins Emmental. Alle vier Jahre versetzt die Ausstellung das beschauliche Dorf in Ausnahmezustand.

Die Werke grosser Schweizer Maler hängen für einmal nicht in renommierten Museen und Galerien in der Stadt, sondern in den beiden Dorfschulhäusern im ländlichen Trubschachen, zuhinterst im Emmental.

Die Kunst kommt zu den Leuten mitten ins Leben und die Bevölkerung des 1400-Seelen-Dorfs dankt es dem Anlass mit viel Engagement. Rund 400 Ehrenamtliche packen jeweils begeistert mit an - und das seit Jahrzehnten. "Trubschachen" ist nicht nur eine Ausstellung, sondern ein Phänomen.

Alle packen an

Damit die kostbaren Werke ins Emmental kommen, braucht es viel Vorarbeit und Fingerspitzengefühl im Umgang mit privaten und institutionellen Sammlern. Sind die Bilder und Skulpturen dann einmal da, müssen sie nach allen Regeln der Kunst ausgestellt und rund um die Uhr bewacht werden.

Bäuerinnen binden Blumensträusse für die Ausstellungsräume, Schüler weisen den Verkehr ein und Frauen und Männer aus dem Dorf betreuen die Kasse am Eingang oder führen kundig durch die Ausstellung.

Seit 1964 findet die Ausstellung alle vier Jahre statt. Über 30'000 Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland lockt die hochkarätige Kunstschau an.

Der Anlass sei selbsttragend, betonen die Organisatoren nicht ohne Stolz. Präsidiert wird das Organisationskomitee vom ortsansässigen Biskuitfabrikanten Oscar Kambly, selber ein begeisterter Kunstliebhaber. Sein Vater war es, der 1964 zusammen mit dem Dorfschullehrer Walter Berger die erste Schau initiierte.

Vertrautes neu erschauen

In diesem Jahr steht die Ausstellung unter dem Motto "Mit neuen Augen schauen". Die Ausstellung spannt einen Bogen von vertrauten Darstellungen des Naturalismus bis heute.

Am Anfang des Ausstellungsparcours steht der Maler Robert Zünd (1827 bis 1909) mit seinen Landschaftsbildern. Auf Klinkerböden geht es in den Schulhäusern weiter in die verschiedenen, leergeräumten Klassenzimmer.

Zu sehen gibt es dort unter anderem Werke von Ernest Biéler in ihren eigentümlichen, vom Künstler entworfenen Holzrahmen oder Werke von Félix Vallotton, Louis und Peter Moilliet und Schang Hutter.

Ferdinand Hodler ist im Schulzimmer der Klasse 4-6 A untergebracht. Die Nanas der Künstlerin Niki de Saint Phalle bevölkern lustvoll die Aula. Die blitzblank polierte Turnhalle ist voller Bilder von Giovanni Giacometti.

Weniger bekannte Perlen

Aber auch weniger bekannte Perlen finden sich in der Ausstellung, so etwa Werke von Clara von Rappard (1857-1912), einer der ersten Pleinair-Malerinnen der Schweiz.

Ihr Vater hatte in Interlaken ein Grandhotel errichtet und eine Villa auf dem Rugenhügel. Der familieneigene Park vor der Villa ermöglichte Clara das Malen im Freien, was ihr in der damaligen Zeit nicht ohne weiteres möglich gewesen wäre.

Auch Bilder des Haslitalers Hans Kohler (1939-2006) werden in Trubschachen gezeigt. Wegen einer geistigen Behinderung war ihm ein normales Leben in der Gesellschaft verwehrt. Eher zufällig kam der Meiringer in den 1960-er Jahren zur Malerei.

Immer von oben links nach unten rechts füllte er minutiös kleine Flächen zu eigenwilligen Kompositionen zusammen. Seine Kunst wird im Grenzbereich zwischen Moderne und Art Brut angesiedelt.

Das Plakat der diesjährigen Kunstausstellung ziert ein Frauenkopf von Ferdinand Hodler. Die Ausstellung dauert vom 1. bis 23. Juli. Nach den Sommerferien gehören die temporär zu einer riesigen Galerie umfunktionierten Schulhäuser wieder ganz und gar den Dorfkindern.

SDA-ATS