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Die Massenproteste gegen Thailands Regierung schlagen zunehmend in Gewalt um. Vier Menschen wurden am Wochenende nach Angaben der Behörden in der Hauptstadt Bangkok getötet, Dutzende wurden verletzt. Es handelte sich um die ersten Toten seit Beginn der Demonstrationen vor rund einem Monat.

Gegner von Regierungschefin Yingluck Shinawatra versuchten am Sonntag erneut, die Regierungszentrale zu stürmen. Die Sicherheitskräfte verbarrikadierten den Regierungssitz mit Betonmauern und Stacheldraht und wehrten den Ansturm zunächst ab.

Teile Bangkoks versanken im Chaos. Dichte Tränengasschwaden zogen über das Regierungsviertel. Andere Protestmärsche hatten den Sitz der Hauptstadt-Polizei und mehrere grosse Fernsehsender zum Ziel. Einige Einkaufszentren blieben aus Angst vor Gewalt geschlossen. Mehr als 20'000 Polizisten waren im Einsatz.

Ein Treffen der Regierungschefin mit dem Anführer der Demonstranten, Suthep Thaugsuban, brachte kein Annäherung. Das sagte Suthep in einer vom Fernsehen übertragenen Ansprache. "Ich werde Yingluck nicht mehr treffen, bis das Volk gesiegt hat", sagte er.

Die Demonstranten wollen die Regierung stürzen. Sie werfen ihr vor, Steuergelder zu verschleudern. Suthep rief alle Beamten auf, nicht mehr zur Arbeit zu erscheinen. Seine Versuche, Staatsangestellte zu zivilem Ungehorsam zu animieren, waren vergangene Woche gescheitert.

Schuss- und Stichwunden

Nach Angaben der Rettungskräfte wurden seit Samstagabend vier Menschen getötet und 57 Menschen verletzt. Die Opfer wiesen demnach Schuss- und Stichwunden auf. Bei mindestens zwei der Toten soll es sich um Unterstützer der regierungstreuen Rothemden handeln.

Die genauen Umstände der Attacken blieben zunächst unklar. Regierungsgegner und -anhänger machten sich gegenseitig für die Angriffe verantwortlich.

Zu den Gewalttaten kam es in der Nähe eines Stadions, in dem sich etwa 70'000 so genannte Rothemden (Regierungsanhänger) versammelt hatten. Auf dem Weg dorthin hatten Regierungsgegner am Samstag einen Bus der Yingluck-Anhänger mit Steinen angegriffen. In der Nähe wurde am Sonntag ein weiterer Bus in Brand gesetzt.

Die Führung der Rothemden beendete schliesslich ihre Grosskundgebung. Zur Begründung hiess es, die komplizierte Lage für die Regierung solle nicht zusätzlich erschwert werden.

Hassfigur Thaksin

Thailand wird seit Ende Oktober von der heftigsten Protestwelle seit dem Frühjahr 2010 erschüttert. Damals waren bei der Niederschlagung wochenlanger Demonstrationen von Anhängern des ehemaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra gegen die damalige Regierung mehr als 90 Menschen getötet worden.

Thaksin, der Bruder der heutigen Regierungschefin, war vor gut sieben Jahren durch einen Putsch königstreuer Militärs gestürzt worden. Thaksin lebt im Exil und gilt vielen als Strippenzieher der derzeitigen Regierung.

Die jüngsten Proteste entzündeten sich an einem von der Regierung befürworteten Amnestiegesetz, das Thaksin womöglich die Rückkehr in seine Heimat erlaubt hätte. Der Gesetzentwurf wurde mittlerweile wieder fallen gelassen.

Armee zurückhaltend

Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, liess die Regierung mehr als 2700 Soldaten aufmarschieren - erstmals seit Beginn der Unruhen. Im aktuellen Konflikt hält sich die Armee, die in Thailands Geschichte schon oft eine Schlüsselrolle spielte, bislang weitgehend zurück.

Armeechef Prayut Chan O Cha forderte ein Ende der Gewalt: "Beide Seiten müssen aufhören." Er habe den Chef der Nationalen Polizei aufgefordert, den Einsatz von Tränengas zu beenden.

Thaksins Sturz im September 2006 spaltet die thailändische Gesellschaft bis heute. Die Rothemden verfügen besonders in ländlichen Gebieten über grossen Rückhalt. Die Regierungsgegner sind dagegen vor allem bei Beamten und Militärangehörigen sowie Angehörigen der Mittelschicht anzutreffen.

SDA-ATS