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Iraks Ex-Präsident Dschalal Talabani ist tot. Der kurdische Politiker starb am Dienstag im Alter von 83 Jahren in einem Spital in Deutschland. (Archivbild aus dem Jahr 2009)

Keystone/EPA/JASON SZENES

(sda-ats)

Iraks Ex-Präsident Dschalal Talabani ist tot. Der kurdische Politiker starb am Dienstag im Alter von 83 Jahren in einem Spital in Deutschland, wie Vertreter seiner Patriotischen Union Kurdistans (PUK) mitteilten.

Talabani hatte sich in seiner Zeit als Staatspräsident von 2005 bis 2014 mit seinem Einsatz für die Versöhnung der Volksgruppen Respekt erworben. Er litt seit Jahren unter Gesundheitsproblemen und war wiederholt in Deutschland zur Behandlung.

Talabani war ein gewiefter Verhandlungsführer, der gute Beziehungen zum Iran wie zu den USA unterhielt und im Irak breiten Respekt genoss. "Er ist der einzige Präsident, über dessen Tod Araber, Kurden und alle anderen Ethnien trauern", sagte der PUK-Abgeordnete Sana Said. Er bete, dass sein Tod die "Brüder im Irak" einander wieder näherbringe.

Talabanis starb eine Woche nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak, bei dem sich eine grosse Mehrheit für die Abspaltung ausgesprochen hatte. Der Präsident der Autonomieregion, Massud Barsani, hatte sich mit dem Volksentscheid über Warnungen der Zentralregierung in Bagdad hinweggesetzt. Unterstützung fand der Vorsitzende der Demokratischen Partei Kurdistans (DPK) dabei auch bei Talabanis PUK.

Gegner von Saddam Hussein

Der im November 1933 in einem Bergdorf im Nordirak geborene Kurdenführer Talabani war ein entschiedener Befürworter der kurdischen Unabhängigkeit und ein erklärter Gegner des langjährigen irakischen Diktators Saddam Hussein. Der studierte Jurist galt als lebensfroh, charismatisch und humorvoll, aber auch als guter Taktiker.

Talabanis Verhältnis zu Barsanis DPK war über Jahrzehnte von Rivalität und Konflikten geprägt. Talabani hatte sich als junger Mann der DPK angeschlossen und während des Kurdenaufstands 1961 in ihren Rängen gegen die irakische Zentralregierung gekämpft. Als die DPK 1964 ein Abkommen mit Bagdad schloss, trennte sich Talabani aber im Streit und gründete 1975 mit der PUK seine eigene Partei.

In den 90er Jahren lieferten sich die beiden Parteien einen blutigen Bruderkrieg im Nordirak, bevor sich Talabanis Partei 2002 mit Barsanis DPK versöhnte und ein Wahlbündnis mit ihm schloss. Nach dem Sturz Saddam Husseins infolge der US-Invasion 2003 wurde Talabani als erster Kurde zum Präsidenten des Irak ernannt.

Für Versöhnung eingesetzt

Bei der ersten Präsidentenwahl im Jahr 2006 wurde er im Amt bestätigt und 2010 für eine weitere Amtszeit gewählt. An der Spitze des Staates setzte er sich für die Versöhnung von Schiiten, Sunniten und Kurden ein.

Nach einem Schlaganfall im Dezember 2012 wurde er zur Behandlung nach Deutschland gebracht. Als er 18 Monate später in seine Heimat zurückkehrte, war das Land einer Offensive der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausgesetzt, in deren Zug sie grosse Gebiete im Norden und Zentrum eroberte.

Wegen seiner gesundheitlichen Probleme trat Talabani 2014 nicht erneut zur Wahl an, sein Nachfolger wurde der Kurde Fuad Masum. Kurz vor dem Unabhängigkeitsreferendum in der Kurdenregion am 25. September musste Talabani erneut zur Behandlung nach Deutschland, wo er nun verstarb.

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SDA-ATS