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An der ersten Jahreskonferenz des umstrittenen Islamischen Zentralrats (IZRS) in Biel hat Präsident Nicolas Blancho die muslimische Gemeinschaft zu mehr Selbstkritik angehalten. Er bezeichnete die Mehrheit der islamischen Länder als rückständig und forderte eine Besserstellung der Frauen.

Die islamische Gemeinschaft könne an Stärke und Macht gewinnen, wenn sie den Frauen mehr Platz einräume, sagte er vor gut gefüllten Rängen im Kongresszentrum in Biel. Er kritisierte in diesem Sinne auch Ehrenmorde und Zwangsheiraten.

Es gelte, mit den Reflexen der Vergangenheit zu brechen, sagte Blancho in deutsch und arabisch am Samstag vor 1500 bis 2000 muslimischen Mitgliedern und Interessierten aus der Schweiz und dem Ausland. Die Weisheit finde sich bei den Jungen.

Flankiert von zwei Bodyguards rief der Gründer des IZRS die islamische Gemeinschaft dazu auf, sich nicht mehr zu beklagen und den Westen nicht mehr für alle Übel verantwortlich zu machen, sondern sich zu erheben und Verantwortung zu übernehmen.

Der konvertierte Bieler unterliess jegliche Hasstiraden gegen andere Religionsgemeinschaften. Die Konferenz fand unter dem Motto "Islamische Identität und Moderne" statt.

Lichtshow und Schweigeminute

Eröffnet wurde das Jahrestreffen mit einem Lichtspektakel: Fotos von SVP-Persönlichkeiten und Bilder der Anti-Minarett-Abstimmung verschmolzen mit Bildern des Gründungsaktes des IZRS. Die Anwesenden gedachten auch der "gefallenen Märtyrer in Tunesien, Ägypten und Libyen", wie der IZRS mitteilte.

Der Anlass dauerte bis in die Nacht. Neben Blancho traten weitere Exponenten und religiöse Führer aus dem In- und Ausland auf, so etwa Shefqet Krasniqi, der Imam der grössten Moschee von Pristina oder die britische Journalistin Yvonne Ridley.

Gegenüber der Nachrichtenagentur SDA wertete Blancho den Anlass am Sonntag als Erfolg. Seiner Einschätzung nach handelte es sich um einen "historischen Meilenstein für die islamische Gemeinschaft in der Schweiz" und den grössten islamischen Event "in der Geschichte der Eidgenossenschaft".

Friedlicher Protest

Rund 50 Demonstrierende machten vor Beginn des Jahrestreffens des IZRS auf die Millionen von verfolgten Christen in islamischen Ländern aufmerksam. Mit Ausnahme von einzelnen Wortgefechten verlief der Protest ruhig. Absperrungen trennten die Protestierenden von den Teilnehmenden der Konferenz.

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SDA-ATS