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Italienische Banken schneiden bei Stresstest am schlechtesten durch

Neun italienische Banken und damit so viele wie in keinem anderen Land sind bei den Tests der Europäischen Zentralbank (EZB) durchgefallen. Ihnen fehlten nach Daten der EU-Bankenaufsicht EBA Ende 2013 zusammen 9,4 Milliarden Euro frisches Kapital.

Fünf Institute hätten bereits durch eine Erhöhung der Kapitalpuffer vorgesorgt, teilte die Zentralbank Banca d'Italia am Sonntag mit. Vier italienische Banken wiesen jedoch auch Ende September noch Lücken auf. Sie haben nun zwei Wochen Zeit, der EZB einen entsprechenden Plan vorzulegen.

Insgesamt müssen 13 der 25 durchgefallenen Banken aus der Eurozone Kapitallöcher stopfen. Das grösste Loch in der Bilanz hätte nach der von den Prüfern simulierten Wirtschaftskrise die traditionsreiche Banca Monte dei Paschi aus Siena mit allein 2,1 Milliarden Euro. Sie hätte als einziger Stresstest-Teilnehmer ihr Kapital nach der Krise restlos aufgebraucht.

Dahinter folgen die griechische Eurobank (1,76 Milliarden Euro) und die portugiesische Millennium BCP (1,15 Milliarden Euro). Die italienische Banca Cariga braucht nach EZB-Berechnungen 814 Millionen. Sie reagierte umgehend und brachte noch am Sonntag eine Kapitalerhöhung auf den Weg, die mindestens 500 Millionen Euro einbringen soll, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Resultate "nicht überrraschend"

Dennoch betonte Italiens Zentralbank, der Test habe die Widerstandsfähigkeit des italienischen Bankensystems gezeigt - trotz der tiefen Krise, die das Land in den vergangenen Jahren durchgemacht habe. Die Resultate seien "insgesamt beruhigend und nicht überraschend".

Das Ergebnis Italiens sei schlechter als das anderer Länder, weil der Test insbesondere beim Wachstum für das Land von einem ungünstigen Szenario ausgegangen sei, sagte Zentralbank-Vize Fabio Panetta laut Ansa.

Loch von 25 Milliarden Euro

130 der wichtigsten Geldhäuser der Eurozone waren dem Stresstest unterzogen worden. Insgesamt beträgt die Kapitallücke 25 Milliarden Euro, wie die EZB mitteilte. Die 25 durchgefallenen Banken kommen aus 11 Ländern.

Mehrere Durchgefallene gibt es auch in Griechenland und Zypern (jeweils 3) und Belgien sowie Slowenien (jeweils 2). Ausserdem bestand jeweils ein Geldhaus in Deutschland, Österreich, Spanien, Frankreich, Irland sowie Portugal den Stresstest nicht.

Hingegen bestanden sämtliche Banken aus Ländern der EU, die der Eurozone nicht angehören, den parallel geführten Stresstest der Bankenaufsicht EBA. Die geprüften Banken in Grossbritannien, Dänemark, Schweden, Norwegen, Ungarn und Polen haben aus Sicht der Behörde auch im Fall einer Finanzkrise genug Eigenkapital, teilte die EBA am Sonntag in London mit.

Vertrauen stärken

EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio zeigte sich zufrieden. "Diese bislang nicht dagewesene tiefgehende Prüfung der Bilanzen der Grossbanken wird das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Bankensektor stärken", betonte Constâncio. "Dies sollte auch dazu beitragen, dass die Banken wieder mehr Kredite vergeben und so der Konjunktur helfen."

Die Aufseher hatten die Institute in den vergangenen Monaten auf Herz und Nieren geprüft. Die EZB will damit sicherstellen, dass die Banken keine versteckten Altlasten mehr in ihren Büchern haben, wenn sie am 4. November deren Oberaufseher wird.

Die Untersuchung bestand aus einer intensiven Prüfung riskanter Posten in den Bilanzen und einem Stresstest. Bei diesem mussten die Institute beweisen, dass sie auch einen schweren Einbruch der Konjunktur überstehen könnten, ohne mit Steuergeld aufgefangen zu werden.

Mehr faule Kredite als erwartet

Bei der Belastungsprobe zeigte sich nach Angaben der EZB, dass das Eigenkapital aller geprüften Banken zusammen im schlimmsten durchgespielten Fall - einem massiven Einbruch der Konjunktur - um 263 Milliarden Euro zurückgehen würde. Dies entspricht einem Rückgang der Eigenkapitalquote von 12,4 Prozent auf 8,3 Prozent.

Beim Bilanzcheck (Asset Quality Reviews) zeigte sich, dass in den Bilanzen der Banken deutlich mehr faule Kredite schlummern als bislang angenommen - insgesamt 879 Milliarden Euro. Das sind 136 Milliarden Euro mehr als bislang angenommen.

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