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In seinem Schlussplädoyer vor dem Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag hat der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic seine Ankläger scharf attackiert. Es sei "das serbische Volk", das angeklagt sei.

Er unterstellte damit eine Voreingenommenheit gegen sein Land. Die Anklage "kennt die Wahrheit", aber sie versuche, "das Tribunal zu täuschen", sagte der 69-Jährige am Mittwoch. Karadzic, der sich selbst verteidigt, wies sämtliche Punkte der Anklage als haltlos zurück. Die Ankläger hätten keinerlei Beweise vorgelegt.

Mit Blick auf die ihm vorgeworfenen schweren Verbrechen gegen Muslime und andere Volksgruppen versicherte er: "Ich bin in Wirklichkeit immer ein echter Freund der Muslime gewesen." Diese und andere Gesichtspunkte würden aber von der Anklage "alle unter den Teppich gekehrt".

In seinem schriftlichen Plädoyer erkannte er allerdings seine "moralische Verantwortung" für Verbrechen als Präsident der selbst-proklamierten serbischen Republik in Bosnien an.

Karadzic muss sich in Den Haag seit 2009 in elf Anklagepunkten wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkrieges verantworten. Für seine letzte Stellungnahme vor dem Tribunal hat er noch bis Donnerstag Zeit, die er nach eigenen Angaben nutzen will.

Schon vorher hatte der frühere Psychiater erklärt, er fordere einen Freispruch. Mit einem Urteil wird nicht vor dem Ende des kommenden Jahres gerechnet.

Drahtzieher des Massakers von Srebrenica

Die Anklage hatte am Montag in ihrem Schlussplädoyer erklärt, sie halte jegliche Zweifel an der Schuld Karadzics für ausgeräumt. Er sei eindeutig die "treibende Kraft" hinter "ethnischen Säuberungen" im Bürgerkrieg und dem Massaker von Srebrenica gewesen, sagte Chefankläger Alan Tieger. Karadzic war im Juli 2008 in der serbischen Hauptstadt Belgrad gefasst worden, nachdem er sich 13 Jahre lang versteckt gehalten hatte.

Die Anklage wirft ihm sowie dem früheren bosnisch-serbischen Armeechef Ratko Mladic und dem inzwischen verstorbenen ehemaligen jugoslawischen Staatschef Slobodan Milosevic vor, nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens im Jahr 1991 gemeinsam "ethnische Säuberungen" in den von Serben beanspruchten Teilen Bosnien-Herzegowinas vorgenommen zu haben. Muslime, Kroaten und andere Bevölkerungsgruppen wurden demnach systematisch vertrieben.

Insgesamt wurden im Bosnienkrieg der Jahre 1992 bis 1995 etwa 100'000 Menschen getötet und mehr als zwei Millionen vertrieben. Allein bei dem als Völkermord eingestuften Massaker von Srebrenica im Juli 1995 wurden etwa 8000 muslimische Knaben und Männer verschleppt, getötet und in Massengräbern verscharrt.

Karadzic gilt als Drahtzieher des Massakers von Srebrenica. Ebenfalls verantworten muss er sich wegen der 44-monatigen Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, bei der bis zum November 1995 nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen etwa 10'000 Menschen getötet wurden.

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SDA-ATS