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Roger Federer rang in Miami Youngster Nick Kyrgios in drei Stunden nieder. Die Final-Affiche gegen Rafael Nadal zeigt: Noch gehört die grosse Bühne den Arrivierten. Doch der Generationenwechsel naht.

Zwei Wochen verzögert kam es also doch dazu. Roger Federer gegen Nick Kyrgios. Der Altmeister gegen den Youngster. Der Gentleman gegen das Enfant terrible. Statt Mitte März im Viertelfinal von Indian Wells stieg das Duell der beiden Gegensätze nun im Halbfinal von Miami. Federer behielt hauchdünn die Oberhand.

Das Generationenduell versprach nicht zu viel. Es war an Dramatik kaum zu überbieten, bot Unterhaltung in allerlei Hinsicht. Kyrgios, der Ende April seinen 24. Geburtstag feiert, deutete an, dass er wohl ganz kurz vor dem Durchbruch in die absolute Elite steht. Im mehr als dreistündigen Match zeigte er alle Facetten seines Spiels und seiner Persönlichkeit. "Er hat enormes Talent und diese verrückte Seite an sich. Du weisst nie, was als nächstes kommt", sagte Federer hinterher.

Zwischen Genie und Wahnsinn

Stets wandelte Kyrgios zwischen Genie und Wahnsinn. Die Gratwanderung gelang ihm gut. Er fluchte, legte sich mit dem Publikum an, schmiss mehrmals das Racket und zerschmetterte es - ohne darob den Faden zu verlieren. Er bewies Humor, als er wegen Zeitverzögerung ermahnt wurde, Fairness, indem er den Schiedsrichter zu seinen Ungunsten korrigierte. Aber vor allem spielte er grosses Tennis, passierte den 35-jährigen Altmeister mit einem "Tweener" zwischen den Beinen hindurch, hämmerte bei den Big Points seine knallharten Aufschläge zentimetergenau ins Feld, überraschte einige Male mit zweiten Aufschlägen über 200 km/h, dann wieder mit einem nur knapp über 100 km/h. Kopierte einmal den von Federer erfundenen "Sabr", retournierte Federers Service frühestmöglich und stürmte ans Netz.

Kyrgios zeigte, dass er einer für die speziellen Momente sein kann, für grosse Spiele auf der grossen Bühne. Ihm könnte die Zukunft gehören. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass er und sein Viertelfinalgegner Alexander Zverev (19) einst in Federers und Nadals Fussstapfen treten werden.

Die Renaissance der Totgesagten

Die Gegenwart aber gehört in Miami noch einmal den beiden prägendsten Figuren der letzten 15 Tennisjahre, den Arrivierten. Zum 37. Mal duellieren sie sich am Sonntagabend (ab ca. 19.00 Uhr).

Nadal, der im Direktvergleich klar führt (23:13), kann in Florida eine späte Revanche nehmen für den verlorenen Final vor zwölf Jahren. Er könnte nach vier Finalniederlagen seit 2005, jeweils im Abstand von drei Jahren, doch noch reüssieren am 1000er-Turnier, das in seinem Palmarès noch fehlt. 2005, als im Final noch auf drei Gewinnsätze gespielt wurde, unterlag er Federer nach einer 2:0-Satzführung.

Nach dem Marathonmatch gegen Kyrgios erwähnte Federer wie schon nach den ebenfalls umkämpften Spielen gegen Roberto Bautista Agut und Tomas Berdych seine müden Beine. Er ist 35, bräuchte mehr Erholung, speziell nach der siebenmonatigen Wettkampfabsenz bis zum Jahreswechsel. Betrachtet man aber das Gesamtbild, lässt sich sagen: So fit, so beschwerdefrei waren Federer und der 30-jährige Nadal seit Jahren nicht mehr.

Sie, die Alten, räumen das Feld nicht kampflos, machen den zweiten von drei grossen Titeln des Jahres unter sich aus. Wer die beiden schon totgesagt hat, erlebt deren eindrückliche Renaissance. Federer jagt seinen 91., Nadal seinen 70. Turniersieg auf der Tour. Beide stehen 2017 zum dritten Mal in einem Final. Federer fühlt sich in die Vergangenheit versetzt: "Es ist wie in alten Zeiten."

Die Amerikaner können sich freuen. Auf so hohem Niveau wie am Sonntagabend massen sich die zwei erfolgreichsten Spieler der Neuzeit lange nicht mehr. Fast ist es, als hätte jemand die Zeit zurückgedreht.

SDA-ATS

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