Die Bündner Kulturstiftung Origen macht für einmal kein Theater. Sie möchte im Bergdorf Mulegns, an der vielbefahrenen Julierstrecke gelegen, ein Gebäudeensemble vor dem Strassenverkehr retten und mit neuem Leben füllen.

Praktisch jeder Autofahrer, der schon einmal von Norden über den Julierpass ins Engadin gefahren ist, kennt den Engpass in Mulegns (zu deutsch: Mühlen). Lastwagen und Autos zwängen sich durch das Nadelöhr und rissen schon Fassadenstücke von den Gebäuden weg. Die Kratzspuren sind sichtbar an den Hauswänden.

Die Absicht, den Engpass im Bergdorf mit seinen 19 Einwohnerinnen und Einwohnern zu beseitigen, besteht seit 20 Jahren. Der Kanton Graubünden legte letzten November nach einem Studienwettbewerb mit Architekturbüros eine entsprechendes Projekt auf den Tisch. Am Mittwoch trat die Kulturstiftung Origen mit einem eigenen Lösungsvorschlag an die Öffentlichkeit.

Origen will die so genannte "Weisse Villa" kaufen und verschieben. Auf diese Weise soll das Gebäude erhalten bleiben, und eine Strassenkorrektur wäre möglich. Das herrschaftliche Haus sei ein wichtiger Zeuge der Emigrationsgeschichte des Kantons Graubünden. Zusammen mit dem "Post Hotel Löwe" bilde es ein einzigartiges Ensemble, hiess es.

Drei Millionen fehlen

Eine erste Etappe kostet laut Origen 5,6 Millionen Franken. Davon sind 2,5 Millionen Franken bereits zugesichert. Origen erhofft sich, den Restbetrag von 3,1 Millionen Franken bis Mitte August zusammen zu haben, aus rechtlichen Gründen, wie es hiess. Denn ab 2020 wird die Julierstrecke vom Bund übernommen.

Geht der Plan auf, soll in Mulegns ein "innovatives Kulturdorf" entstehen. Die Geschichte des Dorfes, die von Reisenden an der Julierstrecke geprägt wurde, soll zeitgenössisch interpretiert werden.

Das Konzept sei interdisziplinär. Es umfasst laut Origen Ausstellungen, Rauminstallationen und Veranstaltungen. Schon kommenden Sommer wollen die Theatermacher das "Post Hotel Löwe" "intensiv bespielen".

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