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Für Leicester City könnte die Saison nach dem märchenhaften Meistertitel zum Albtraum werden. Nur noch in der Champions League greift der Klub aus den Midlands nach den Sternen.

Nicht ganz 300 Tage sind vergangen seit Leicester City den sensationellen Titelgewinn feiern konnte. Am 2. Mai des letzten Jahres verfolgten die Spieler im Haus von Topskorer Jamie Vardy wie Verfolger Tottenham Hotspur bei Chelsea nicht über ein 2:2 hinaus kam und damit das Titelrennen definitiv verlor. Wenige Tage später strömten 100'000 Fans in die Strassen von Leicester, um die Mannschaft hochleben zu lassen, die als 5000:1-Aussenseiter die grösste Sensation der Premier-League-Geschichte geschafft hatte.

In diesen Tagen ist Leicester City weit von der damaligen Euphorie entfernt. Nicht mehr viel erinnert an jenes Team, das nur zwei Jahre nach dem Wiederaufstieg die gesamte, zum Teil deutlich höher dotierte Konkurrenz düpiert hat. Auf den Parkplätzen der Spieler stehen zwar die BMW i8s, die jeder vom thailändischen Klubbesitzer Vichai Srivaddhanaprabha nach der gewonnen Meisterschaft erhalten hat. Und in der Champions League mischt Leicester immer noch mit. Doch meisterlich tritt die Truppe von Claudio Ranieri längst nicht mehr auf.

In der Premier League verlor Leicester zuletzt fünfmal in Folge, wartet in diesem Jahr immer noch auf den ersten Treffer und ist nur noch einen Punkt von den Abstiegsrängen entfernt. Den vorerst letzten Tiefpunkt erreichten die "Foxes" am Wochenende mit dem 0:1 im Cup-Achtelfinal gegen den Drittligisten Millwall. Die Fans der Londoner verabschiedeten den renommierten Gast gesanglich mit: "Ihr hattet eure verdammte Party, jetzt geht ihr unter, unter, unter."

Enttäuschende Leistungsträger

Erstaunlich ist, dass fast alle, die im letzten Frühjahr für die Party gesorgt haben, immer noch in Leicester sind. Die meisten der 130'000 Franken teuren Sportwagen parkieren immer noch im King Power Stadium. Von den Stammspielern der letzten Saison hat nur Ngolo Kanté den Klub verlassen, für 35 Millionen Euro Richtung Chelsea. Unglücklicherweise für Leicester ist der überragende französische Defensivspezialist auch der einzige Meisterspieler, der seine Form halten konnte.

Andere Stützen der letzten Saison wie Vardy, Robert Huth, Wes Morgan, Danny Drinkwater oder Riyad Mahrez enttäuschen. Und die Neuen, die für 91 Millionen Euro nach Leicester gelotst wurden, sind bis auf Stürmer Islam Slimani nicht die gewünschte Verstärkung. Was auf dem Papier eine vielversprechende Taktik erschien, Kontinuität und gezielte Verstärkung, erweist sich auf dem Feld als Fehlschlag. Es sei in dieser Saison für die Spieler nicht einfach, zu den Qualitäten zurückzufinden, die sie ausgezeichnet hatten, bemerkte Ranieri. "Wir müssen uns bemühen, die richtige Konzentration zu finden."

Der verlorene Kampfgeist

Der italienische Coach avancierte in den letzten Wochen gemessen an den Wettquoten zum Kandidaten Nummer 1 für eine Entlassung in der Premier League. In der letzten Saison war der 65-Jährige aus Rom für seinen lockeren Umgang mit den Spielern und seinen Sozialkompetenzen noch gerühmt worden, nun wird ihm vorgeworfen, kein klares taktisches Konzept zu haben. Das Feuer, das er in Leicester entfacht hatte, ist erloschen. "Wir haben früher Spiele gewonnen, weil wir mehr Herz hatten als der Gegner", sagte er nach dem Cup-Out am Samstag. "Ich muss die Spieler daran erinnern, dass wir in jedem Spiel kämpfen müssen."

Positiv ist die Saisonbilanz nur in der Champions League. In einer Gruppe ohne die ganz grossen Namen setzte sich Leicester souverän durch und verdiente sich den Achtelfinal gegen den FC Sevilla (Mittwoch, 20.45 Uhr). In Andalusien können die Engländer vielleicht in Erfahrung bringen, wie man eine Mannschaft nach Erfolgen und Abgängen neu erfindet. Kaum ein anderes Team macht das seit Jahren so gekonnt wie der FC Sevilla.

SDA-ATS

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