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Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki trauert um Ehefrau

Teofila Reich-Ranicki, Malerin und Frau des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki, ist tot. Tosia, wie sie von ihren Freunden genannt wurde, starb am Freitag im Alter von 91 Jahren in Frankfurt.

Dies bestätigte Marcel Reich-Ranicki gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") darüber berichtet, für die Reich-Ranicki bis heute tätig ist. Zusammen mit ihrem Mann hatte Teofila Reich-Ranicki das Warschauer Ghetto überlebt. Beide heirateten dort 1942.

Ein Jahr später gelang ihnen die Flucht aus dem Ghetto, kurz vor der Ermordung aller Insassen. Eigentlich wollte Tosia, die am 12. März 1920 in Lodz geboren wurde und aus einer grossbürgerlichen jüdischen Kaufmannsfamilie stammte, in Paris Kunst studieren.

Der Ausbruch des Kriegs machte diese Pläne zunichte. Ihren späteren Mann lernte sie Anfang 1940 kennen - am Tag des Suizids ihres Vaters. Die dramatische Geschichte beschrieb Marcel Reich-Ranicki in seinem Bestseller "Mein Leben", der 2009 vom Fernsehsender ARD auch verfilmt wurde.

Ausstellung in hohem Alter

Tosia, die schon in jungen Jahren leidenschaftlich zeichnete, trat erst spät aus dem Schatten ihres Mannes. 1999 wurden von ihr Bilder veröffentlicht, die das Paar einst auf abenteuerlichen Wegen aus dem Warschauer Ghetto schmuggeln konnte.

Die Blätter zeigen den qualvollen Alltag im Ghetto - zum Beispiel bis auf die Knochen abgemagerte Kinder oder prügelnde Nazis. Nach dem Krieg - das Paar übersiedelte 1958 in die Bundesrepublik - hatte Teofila Reich-Ranicki das Malen aufgegeben.

Sie arbeitete als Journalistin und Übersetzerin. Aus der Ehe ist 1948 der Sohn Andrew hervorgegangen, der heute als Mathematik-Professor im schottischen Edinburgh lebt.

Geschenk zum 21. Geburtstag

Ihrem Mann machte die Grafikerin Teofila einst ein besonders schönes Geschenk. Als frisch Verliebte hatte sie hinter den Mauern des Ghettos Erich Kästners "Lyrische Hausapotheke" akribisch abgeschrieben und sorgsam illustriert. Marcel Reich-Ranicki erhielt das Werk zum 21. Geburtstag.

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