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Nach Jahren der sportlichen und wirtschaftlichen Krise drängen die AC Milan und Inter Mailand zurück an die Spitze. Vor allem Milan sorgte in den letzten Transfer-Wochen für Aufsehen.

AC Milan. Letzter Meistertitel: 2011. Letztes Champions-League-Spiel: 2014. Inter Mailand. Letzter Meistertitel: 2010. Letztes Champions-League-Spiel: 2012. Der Fussball in der Metropole der Lombardei darbte in den vergangenen Jahren. Statt um den Scudetto spielten die beiden Klubs, die zusammen 36 Meistertitel holten und zehn Mal die Champions League (bzw. den Meistercup) gewannen, um die Europa-League-Plätze. Bestenfalls. Tiefpunkt war 2015 mit den Klassierungen 8 (Inter) und 10 (Milan). In der letzten Saison war es nur geringfügig besser: Milan wurde Sechster, Inter Siebter.

Der schrittweise Ausstieg der beiden Klub-Patriarchen Silvio Berlusconi und Massimo Moratti mit ihren versiegten Geldquellen stand am Ursprung der Krise. Kolossale sportliche Fehleinschätzungen und Fehlplanungen besiegelten das Fiasko. Rettung kommt für beide Klubs nun aus China. Wer die Übernahme als eine chinesische Propagandalüge anschaute, dem wurden nun klare finanzielle Fakten geschaffen. Den Milan-Statthaltern wurde ein Transfer-Budget von weit über 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Inter-Besitzer des Elektro-Unternehmens "Suning" zogen mit Verzögerung nach. Auch sie werden am Ende der Transferzeit einen dreistelligen Millionenbetrag investiert haben.

Während Inters Chinesen schon seit einem Jahr am Ruder sitzen, besass das "neue" Milan in diesem Jahr fast ein Monopol auf die (Sommer-)Schlagzeilen. Keine Woche verging, ohne dass der neue Geschäftsführer Marco Fassone und der neue Sportchef Max Mirabelli nicht einen Hochkaräter präsentierten: Die Italiener Leonardo Bonucci und Andrea Conti, der Schweizer Ricardo Rodriguez, der Ivorer Franck Kessié, die Argentinier Mateo Musacchio und Lucas Biglia, der Deutsch-Türke Hakan Calhanoglu, der Portugiese André Silva und und und.

Eigentlich in US-Besitz

Doch wer bezahlt das alles, in Wirklichkeit? Auf den ersten Blick die chinesischen Investoren um den Klubpräsidenten Li Yonghong. Genau genommen aber eigentlich der amerikanische Hedgefonds "Elliott", der den Chinesen zunächst Geld für die letzte Rate des Kluberwerbs, danach für die Tilgung der Schulden aus der letzten Saison und zum Schluss noch für die Sommer-Transfers lieh. Diese Leihgeschäfte wurden nötig, weil die chinesische Regierung seit einigen Monaten Auslandszahlungen blockiert. Insgesamt geht es um rund 500 Millionen Euro, welche bis in 24 Monaten samt horrenden Zinsen in Höhe von bis zu 11 Prozent zurückgezahlt sein sollten.

Vorderhand drückt die UEFA betreffend Financial Fairplay beide Augen zu. Den Businessplan mit grossen Marketingumsätzen in Ostasien und baldigen Einnahmen aus Champions-League-Teilnahmen erachten die Analysten in Nyon offenbar als seriös. Doch ist die neu zusammengestellte Milan-Squadra zum Erfolg verdammt. Mindestens Platz 4 und damit die Qualifikation für die Champions League 2018/19 muss Montella mit dem Team erreichen. Elliott spekuliert mit einem weiteren Ansteigen des Marktwertes der Mannschaft, wenn sie in der Champions League spielt. Schon jetzt wurde durch die Transfers der Wert des Kaders um mehr als 50 Prozent gesteigert.

Während einige wenige Beobachter aus der Finanzwelt die Geschäfte rund um Milan kritisch beäugen, hat die Tifosi eine Welle der Euphorie erfasst, welche mit den ersten Jahren der Ära von Berlusconi (1986 bis 2017) verglichen wird. Nach jahrelanger Magerkost lechzen die Milan-Fans nach Champagner-Fussball. Für das erste Pflicht-Heimspiel, das Rückspiel in der Europa-League-Qualifikation gegen Uni Craiova, strömten 65'763 Zuschauer ins San Siro. Der Verkauf an Saisonkarten steht derzeit bei knapp 32'000 - mehr als doppelt so viele wie im letzten Jahr.

In vier Jahren Champions-League-Sieger?

Das erinnert tatsächlich ans Ende der Achtzigerjahre, als das legendäre Milan von Arrigo Sacchi Spiel für Spiel mehr als 70'000 Fans im Stadio Giuseppe Meazza begrüsste. Als damals Berlusconi Präsident wurde, dauerte es zwei Jahre bis zum ersten Meistertitel und drei Jahre bis zum Gewinn des Meistercups. Nun wollen sich die neuen Protagonisten etwas mehr Zeit lassen. Verteidiger Bonucci sagte: "In vier Jahren wollen wir die Champions League gewinnen." Spätestens in diesem Falle hätten die Chinesen ihre Schulden bei Elliott samt Zins und Zinseszins wohl getilgt.

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SDA-ATS