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Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wird Bericht des "Spiegels" zufolge seit mehr als zehn Jahren vom US-Geheimdienst überwacht. Die Nummer des Mobiltelefons von Merkel befinde sich seit 2002 auf einer Liste mit Aufklärungszielen des US-Geheimdienstes NSA.

Dies ergebe sich aus einem Auszug, der offenbar aus einer geheimen NSA-Datei stamme, berichtete das Nachrichtenmagazin am Samstag. US-Präsident Barack Obama hat sich dem Bericht zufolge bei Merkel für den mutmasslichen Lauschangriff entschuldigt.

In einem Telefongespräch am Mittwoch habe er der Kanzlerin versichert, nichts von einer möglichen Überwachung ihres Handys gewusst zu haben, meldete der "Spiegel" unter Berufung auf das Bundeskanzleramt. Obama erklärte demnach, er hätte die Überwachung sofort gestoppt, wenn er davon gewusst hätte. Ein Sprecher Merkels lehnte einen Kommentar zum Inhalt des vertraulichen Telefongesprächs ab.

Dem "Spiegel"-Bericht zufolge war der Ausspäh-Auftrag gegen Merkel auch noch wenige Wochen vor Obamas Berlin-Besuch im Juni gültig. Eine für Europa zuständige Abteilung der NSA habe Merkel als Zielperson benannt.

Aus dem Eintrag, der dem "Spiegel" nach eigener Darstellung vorliegt, gehe nicht hervor, was alles über das Handy überwacht wurde. Demnach ist ungeklärt, ob alle Gespräche aufgezeichnet oder nur Verbindungsdaten ausgewertet wurden.

Die US-Regierung habe in internen Gesprächen die Erfassung Merkels als Ausspähziel nicht bestritten, berichtet das Nachrichtenmagazin weiter.

Derzeit offenbar keine Überwachung

Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice habe in einem Gespräch mit Merkels aussenpolitischem Berater Christoph Heusgen erklärt, sie könne eine Überwachung nur für die Gegenwart und die Zukunft ausschliessen, nicht jedoch für die Vergangenheit.

Das Kanzleramt hatte den Verdacht am Mittwoch bekanntgemacht, nachdem Merkel sich in einem Telefongespräch bei Obama über die mutmassliche Überwachung beschwert hatte. Merkel selbst sprach von einem schweren Vertrauensverlust und strebt als Konsequenz ein Nicht-Spionageabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA sowie innerhalb der Europäischen Union an.

Snowden-Anhörung in Deutschland

Viele der NSA-Enthüllungen gehen auf den früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden zurück, der Informationen über Spähprogramme der amerikanischen und britischen Behörden an Medien weitergegeben hat. So meldete der britische "Guardian" vor wenigen Tagen, die NSA habe weltweit 35 Top-Politiker ausspioniert.

SDA-ATS