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Kränze am Holocaust-Gedenktag beim früheren Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin.

KEYSTONE/EPA/CLEMENS BILAN

(sda-ats)

Nur noch wenige Überlebende können Auskunft über die Schrecken des Holocaust geben. Aufklärung über den Antisemitismus und seine Folgen tut Not. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel spricht sich deswegen für eine neue Erinnerungskultur aus.

Es sei notwendig, das Konzept der Gedenkstätten zu stärken und auch zu verändern, sagte sie in einer Video-Botschaft zum Holocaust-Gedenktag vom Samstag. Die Stimme der Zeitzeugen müsse erhalten und in pädagogisch sinnvolle Konzepte in die Gedenkstättenkultur eingebunden werden.

Für die kommende Regierung kündigte Merkel einen Antisemitismus-Beauftragten an, der sich "für jüdisches Leben in Deutschland und gegen Antisemitismus" einsetzen werde. Auch der Bundestag hatte vor über einer Woche einen Beschluss für die Einrichtung eines solchen Postens gefasst.

Aufklärung an Schulen

Merkel misst den Schulen im Kampf gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit eine besondere Bedeutung bei. Wichtig sei "eine gute Geschichtsbildung", um möglichem Antisemitismus auch bei Schülern aus "arabischen Ländern" entgegenzuwirken, sagte sie in ihrem Podcast. "Antisemitismus gehört nicht in unsere Gesellschaft, das hat mit Integration nichts zu tun", warnte Merkel.

Zugleich bezeichnete sie es als "Schande", dass keine jüdische Einrichtung in Deutschland ohne Polizeibewachung existieren könne. Zurzeit gebe es wieder mehr Antisemitismus, auch Fremdenfeindlichkeit und Hass gegen Andere, kritisierte Merkel.

Auch die Holocaust-Überlebende Hanni Lévy beklagte auf dem Grünen-Parteitag in Hannover zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. "Früher hat man gesagt, die Juden sind an allem schuld, heute sind es die Flüchtlinge", sagte die 93-Jährige, die sich während des Holocausts in Berlin vor Nazi-Verfolgung versteckte. "Man sollte nie vergessen, wie schwer es für Menschen ist, alles zurückzulassen, um zu leben."

Junge Generationen sensibilisieren

Auch Bundespräsident Alain Berset erinnerte in einer Botschaft vom Samstag an die Opfer des Holocaust und plädierte für die Sensibilisierung der jungen Generationen. Die Schweiz engagiere sich dafür im Rahmen der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA), deren Vorsitz sie gegenwärtig innehat.

Folter und andere Formen der "Negierung von Anderen" gebe es auch noch heute - sie müssten an allen Fronten verurteilt und verhindert werden, heisst es in der Botschaft.

Verantwortung Österreichs betont

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz betonte angesichts des Gedenktages die besondere historische Verantwortung seines Landes. Kurz schrieb am Samstag im Kurzbotschaftendienst Twitter, dass "Österreicher auch Täter und somit an den grausamen Verbrechen der Shoah beteiligt" gewesen seien.

Der Gedenktag mahne, wie wichtig es sei, den Holocaust niemals zu vergessen, schrieb Kurz. Die besondere historische Verantwortung treffe alle, die neue österreichische Bundesregierung bekenne sich zu dieser Verantwortung, erklärte Kurz. Dessen Koalitionspartner, die rechtsnationalistischen Freiheitlichen (FPÖ), ist derzeit in eine Affäre um ein Nazi-Liederbuch einer Studentenverbindung involviert.

Österreich hatte sich jahrzehntelang geweigert, Mitverantwortung für die Grausamkeiten des Nazi-Regimes zu tragen. Das Land wurde seit Kriegsende völkerrechtlich als Opfer des Nationalsozialismus behandelt. Erst seit Ende der 1980er Jahre bekennt Wien sich zu einer moralischen Verantwortung für die nationalsozialistische Zeit.

Am 27. Januar 1945 hatten sowjetische Truppen das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit. Allein dort waren etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet worden. Seit 1996 ist der 27. Januar in Deutschland Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Im Jahr 2005 machte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Tag zum Internationalen Holocaust-Gedenktag.

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SDA-ATS