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Aus Angst vor Repressalien der Drogenkartelle und der staatlichen Sicherheitskräfte berichten einige mexikanische Zeitungen nicht mehr über das organisierte Verbrechen. Am Welttag der Pressefreiheit am 3. Mai leben Journalisten in Mexiko gefährlich.

Die Polizei fand Regina Martínez im Badezimmer ihres Hauses. Die Journalistin des Nachrichtenmagazins "Proceso" war zusammengeschlagen und erdrosselt worden.

Mit ihrer Arbeit hatte sie sich viele Feinde gemacht: Sie berichtete über die Verteilungskämpfe der Drogenkartelle im Osten Mexikos, Menschenrechtsverletzungen durch Sicherheitskräfte und korrupte Politiker. Bereits kurz nach der Entdeckung der Leiche erklärte die Staatsanwaltschaft, sie gehe von einem Raubmord aus - dabei waren nur Martínez' Computer und ihr Handy verschwunden.

Der Welttag der Pressefreiheit am 3. Mai gilt für das Land nur auf dem Papier. Seit 2006 wurden nach Angaben des Committee to Protect Journalists (CPJ) 14 Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet. Bei 27 weiteren Journalistenmorden sei das Motiv noch nicht zweifelsfrei bestätigt. Die Nichtregierungsorganisation Article 19 beziffert die wegen ihrer Arbeit getöteten Journalisten allein für 2012 auf sieben. Auf dem Index der Pressefreiheit des Forschungsinstituts Freedom House liegt Mexiko auf dem 139. Platz, hinter Libyen und der Ukraine.

Dabei gibt es in Mexiko keine staatliche Zensur, vielmehr verstummen viele Journalisten aus Angst vor Repressalien der Kartelle oder der örtlichen Sicherheitskräfte. "Die Gewalt gegen Journalisten in Mexiko ist erschreckend", sagt der örtliche Vertreter des CPJ, Mike O'Connor. Die meisten Morde würden nie aufgeklärt und wenn tatsächlich mal jemand verurteilt wird, dann häufig der Falsche.

Geständnis unter Folter

So wurde Anfang April rund ein Jahr nach der Tat das Urteil im Fall Martínez gesprochen. Zwar erklärte der Angeklagte vor Gericht, er habe sein Geständnis unter Folter abgelegt. Dennoch wurde der Mann wegen Mordes zu 38 Jahren Haft verurteilt. Für Martínez' früheren Arbeitgeber war der Prozess eine Farce. "Es gab so viele Unstimmigkeiten in den Ermittlungen", schrieb "Proceso" nach der Urteilsverkündung. "Die wirklich Schuldigen bleiben unbekannt."

Auch der Amerika-Referent der Organisation Reporter ohne Grenzen, Benoît Hervieu, hält die weit verbreitete Straflosigkeit für die grösste Bedrohung der Pressefreiheit in Mexiko. "Nötig wäre eine grundlegende Reform des Justizsystems und eine bessere Kooperation zwischen den Bundesstaaten und der Zentralregierung."

Anschläge auf Redaktionen

Die unabhängige Berichterstattung vor allem der Regionalzeitungen wird gleich von zwei Seiten bedroht. Immer wieder werden Brand- und Sprengstoffanschläge auf Redaktionen verübt. Lokalpolitiker, die bei einer kritischen Berichterstattung über die Drogenkriminalität um den Ruf ihrer Region fürchten, üben hingegen wirtschaftlichen Druck aus. "Die Lokalpresse ist auf Anzeigen der Regierung und staatsnaher Unternehmen angewiesen", sagt CPJ-Repräsentant O'Connor. "Sie können es sich nicht leisten, die Politiker zu verärgern und ihre Haupteinnahmequelle zu verlieren."

Mehrere Zeitungen haben bereits Konsequenzen gezogen und ihre Berichterstattung über den Drogenkrieg eingestellt. Anfang März erklärte die Redaktion des "Zócalo" aus dem nordmexikanischen Bundesstaat Coahuila, man werde aus Sorge um die Sicherheit der Mitarbeiter künftig keine Artikel über das organisierte Verbrechen veröffentlichen. Im vergangenen Jahr hatte bereits die Zeitung "El Mañana" aus dem Bundesstaat Nuevo Laredo die Berichterstattung über die Kartelle eingestellt. "Wenn Journalisten bedroht werden, hören sie auf Journalisten zu sein und die Öffentlichkeit zu informieren", sagt O'Connor.

Soziale Netzwerke und Blogs als Ersatz

Wo traditionelle Medien die Waffen strecken, werden Blogs und soziale Netzwerke im Internet immer wichtiger. Der "Blog del Narco" sammelt seit 2010 Informationen über den Drogenkrieg und das organisierte Verbrechen in Mexiko.

Hinter dem Projekt steckt eine junge Frau. "Wir wechseln jeden Monat unseren Wohnort. Wir verstecken unsere Ausrüstung. Wenn uns die Behörden zu nahe kommen, hauen wir ab", sagte die Initiatorin mit dem Pseudonym Lucy kürzlich in ihrem ersten Interview der britischen Zeitung "Guardian".

Oft habe sie schon daran gedacht aufzuhören, aber es stehe zu viel auf dem Spiel. "Wir haben eine Botschaft zu verbreiten. Sie haben uns unsere Gelassenheit genommen, unsere Träume und unseren Frieden."

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SDA-ATS