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Migros steigt aufgrund der Entwicklungen der vergangenen Wochen Ende Jahr aus der Branchenorganisation Milch (BOM) aus. (Symbolbild)

KEYSTONE/ARNO BALZARINI

(sda-ats)

Der Streit um den Milchpreis hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Die Migros steigt Ende des Jahres aus der Branchenorganisation Milch aus. Als Grund nennt sie illoyales Verhalten einzelner BOM-Mitglieder. Für Lieferanten und Konsumenten soll sich nichts ändern.

Die Branchenorganisation Milch (BOM) ist dafür zuständig, quartalsweise den Richtpreis für Milch festzulegen. Am 24. Mai setzte sie den Preis der A-Milch, also der hochwertigsten Milch, die im geschützten Schweizer Markt abgesetzt wird, auf 65 Rappen pro Kilo fest. Die Milchbauern drängten auf eine Erhöhung, konnten sich gegen Handel und Verarbeiter aber nicht durchsetzen.

Während Coop kurz darauf ankündigte, künftig 3 Rappen pro Kilo mehr zu zahlen, geriet der orange Riese in Bauernkreisen in die Kritik. Viele machten die Migros dafür verantwortlich, dass der Milchpreis nicht erhöht wurde. Die Kritik gipfelte in einem Boykott-Aufruf gegen Migros-Läden, der per SMS unter Bauern verbreitet wurde.

Nun hat die Migros genug: Per Ende 2017 treten sie und ihre Molkerei Estavayer Lait SA (ELSA) aus der Branchenorganisation aus. Sie habe feststellen müssen, dass ihre loyale Haltung von anderen Mitgliedern nicht mitgetragen werde, teilte die Detailhändlerin am Freitag mit.

Profilierungsversuche und Ränkespiele

In einem Informationsschreiben an die Mitarbeitenden wird Stefan Gygli, Leiter Milchprodukte/Eier, noch konkreter. Einige Mitglieder der BOM hätten sich nicht mehr an die Spielregeln gehalten, etwa indem sie interne Informationen den Medien zugetragen hätten.

Profilierungsversuche und Ränkespiele überlasse man lieber anderen. "Wir möchten unsere Energie künftig lieber direkt für die Bauern und die Konsumenten einsetzen", schreibt Gygli.

Die Kritik sei ohnehin unbegründet gewesen. "Die Migros wurde zu Unrecht an den Pranger gestellt." Sie bezahle einen höheren Milchpreis als der Durchschnitt der Branche und halte sich als einziger der grossen Abnehmer an den A-Milch-Richtpreis der BOM. Die Querelen um den Milchpreis, das Verhalten einzelner BOM-Mitglieder und die Darstellung in den Medien hätten "den Entschluss zum Austritt reifen lassen".

Die Migros werde auch künftig den Lieferanten mehr bezahlen als es die Branche im Durchschnitt tue, verspricht Gygli in der Information weiter. Für die Lieferanten ändere sich nichts, auch wenn sich die Migros nun nicht mehr am BOM-Richtpreis orientiere. Auch für die Konsumentinnen und Konsumenten soll sich nichts ändern: Der Ladenpreis für Milch bleibe unverändert.

BOM-Präsident bedauert Austritt sehr

Peter Hegglin, der Präsident der BOM, bedauert den Austritt der Migros aus der Branchenorganisation "ausserordentlich", wie er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. "Die Migros hat für die Branche eine grosse Bedeutung, sowohl als Verarbeiterin als auch im Handel", sagte er. Es sei wichtig, dass in einer Branchenorganisation alle grossen Teilnehmer eingebunden seien und mitdiskutierten.

Zu den Vorwürfen der Migros sagte der Präsident: "Die ungerechtfertigten Anschuldigungen nach dem Vorstandsentscheid gegen einzelne Mitglieder sind unfair gewesen." Diese Haltung habe der Verband bereits im Mai kommuniziert. Inwiefern es zu Verstössen gegen die Spielregeln gekommen sei, könne er nicht sagen. Er werde auf jeden Fall das Gespräch mit Migros suchen: "Ich hoffe, dass ich sie vom Rücktritt abbringen kann."

SDA-ATS