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Beim US-Luftangriff auf ein von Ärzte ohne Grenzen betriebenes Spital im nordafghanischen Kundus sind mindestens 19 Menschen getötet worden. Die Hilfsorganisation verurteilte die Attacke als "abscheuliche und schwere Verletzung internationalen humanitären Rechts".

Laut der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) zählen zu den Opfern zählten zwölf Mitarbeiter, vier erwachsene Patienten und drei Kinder. Weitere 37 Menschen, darunter 19 Mitarbeiter, wurden nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen vom Samstagabend verletzt.

"Wir können es nicht hinnehmen, dass dieser schreckliche Verlust von Menschenleben einfach als "Kollateralschaden" abgetan wird", schreibt MSF-Sprecherin für die Deutschschweiz, Sibylle Berger, in einer Mitteilung.

Ein US-Militärsprecher räumte ein, womöglich habe es bei einem Luftangriff "Kollateralschaden" gegeben. UNO-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein sprach von einem "absolut tragischen, unentschuldbaren und möglicherweise sogar kriminellen" Vorfall. Bei dem Angriff handle es sich eventuell um ein Kriegsverbrechen.

Zum Zeitpunkt des Luftangriffs hätten sich 185 Menschen im Gebäude aufgehalten, hiess es von Ärzte ohne Grenzen. Demnach handelte es sich um 105 Patienten und Angehörige sowie mehr als achtzig internationale und einheimische Mitarbeiter.

Die afghanische und die US-Armee sollen nach einem ersten Einschlag informiert worden sein - trotzdem dauerte der Beschuss offenbar eine halbe Stunde an.

Widersprüchliche Angaben

Die NATO erklärte, möglicherweise sei das Spital bei einem Luftangriff der Allianz getroffen worden. In einer Erklärung war von einem möglichen "Kollateralschaden" die Rede. Es seien Ermittlungen eingeleitet worden.

In einer Stellungnahme der US-Botschaft in Afghanistan hiess es, man trauere um die Menschen, die von dem "tragischen Zwischenfall" in dem Spital betroffen seien, sowie um deren Familien.

Laut Ärzte ohne Grenzen wurde das Spital mitten in der Nacht getroffen. Die NATO nannte für ihren Angriff nahezu denselben Zeitpunkt. Das afghanische Verteidigungsministerium erklärte, "eine Gruppe von Terroristen mit leichten und schweren Waffen" sei im Spital gewesen.

Das Spital wird ausschliesslich aus Spenden finanziert und behandelt jeden - unabhängig von Herkunft oder Religion. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte: "Keiner unserer Kämpfer war zum Zeitpunkt des Angriffs ein Patient des Spitals."

Trauer und Wut

Die UNO kritisierte den Bombenangriff aufs Schärfste. "Spitäler, in denen sich Patienten und medizinisches Personal befinden, dürfen niemals zum Angriffsziel werden", sagte der UNO-Sondergesandte für Afghanistan, Nicholas Haysom.

Ärzte ohne Grenzen zeigte sich "zutiefst schockiert". Die Bombardierung habe mehr als dreissig Minuten angedauert - auch noch nach einer Mitteilung an die afghanische und die US-Armee über einen ersten Einschlag.

Zudem sei die genaue Lage des Spitals mit GPS-Koordinaten an alle Konfliktparteien kommuniziert worden, auch an Kabul und Washington, hiess es. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz sprach von einer "entsetzlichen Tragödie".

Die EU-Kommission bedauerte das offensichtlich versehentliche Bombardement. Sie sprach den Familien und Kollegen der Opfer sein Beileid aus und würdigte die "unter sehr schwierigen Bedingungen" stattfindende Arbeit der Organisation in dem Land. Medizinische Einrichtungen und humanitäre Helfer müssten geschützt werden.

Andauernde Kämpfe

Kundus war am Montag von den islamisch-fundamentalistischen Taliban erobert worden. Die Armee startete daraufhin eine Gegenoffensive und meldete am Freitag die Rückeroberung der Stadt. Mindestens sechzig Menschen sollen bislang getötet und etwa vierhundert weitere verletzt worden sein.

Ende 2014 hatte die NATO ihren Kampfeinsatz in Afghanistan beendet. Für die Folgemission "Resolute Support" sind noch etwa 13'000 NATO-Soldaten mit Ausbildungs- und Beratungsauftrag im Land.

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SDA-ATS