Nach dem Tötungsdelikt an einem 51-jährigen Schweizer albanischer Abstammung in einer Moschee in St. Gallen deutet vieles auf eine Familienfehde hin. Die Polizei hat die Hintergründe der Tat aber bisher nicht bestätigt. Der Täter, ein 51-jähriger Serbe, ist geständig.

Laut ersten Ermittlungsergebnissen der Polizei wurde das Opfer am Freitagnachmittag in der Moschee der Albanisch Islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St. Gallen-Winkeln erschossen. Opfer und Täter hatten dort zusammen mit weiteren Personen am Gebet teilgenommen.

Der Täter schoss mehrmals mit einer Faustfeuerwaffe auf das Opfer. Dieses starb noch am Tatort. Kurz danach liess sich der Schütze von der Polizei, die innert Minuten am Tatort war, widerstandslos festnehmen. Gegenüber dem Staatsanwalt gestand er die Tat.

"Ein verwerflicher Racheakt"

Zum Motiv machte Polizeisprecher Gian Andrea Rezzoli auf Anfrage keine Angaben. Die Vermutung, es handle sich um eine Familienfehde und um einen Racheakt für ein vergangenes Tötungsdelikt, bestätigte Rezzoli nicht.

Es werde aber in diese Richtung ermittelt, sagte Rezzoli der Nachrichtenagentur sda. Die Vermutung eines Racheakts hatten Mitglieder der Islamischen Gemeinschaft in St. Gallen-Winkeln schon kurz nach dem Tötungsdelikt geäussert.

Hisham Maizar, Präsident des Dachverbands der islamischen Gemeinden in der Ostschweiz und der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz, hält die These, es handle sich um Blutrache, für plausibel. Die Tat sei "ein verwerflicher Racheakt", sagte Maizar gegenüber der Ostschweiz am Sonntag.

Betroffenheit unter Muslimen

Der Schock und die Betroffenheit bei islamischen Mitbürgern sei gross, weil das Delikt ausgerechnet im Gebetsraum geschah. Es stehe absolut kein religiöses oder politisches Motiv hinter der Tat, bestätigte Maizar gegenüber der sda. Der Islam lehne das Prinzip der Blutrache und der Selbstjustiz vehement ab.

Die Moschee in St. Gallen-Winkeln gehört der Albanisch Islamischen Gemeinschaft El-Hidaje, die rund 350 Mitglieder zählt. Der Gebetsraum befindet sich in einem Wohnhaus an der Herisauerstrasse.

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