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Der Schweizer Autor Adolf Muschg auf dem "Blauen Sofa" an der Frankfurter Buchmesse: Das "Gefühl einer kollektiven Schuld" entwickelt sich in Japan erst allmählich, sagte er im Gespräch über seinen jüngsten Roman "Heimkehr nach Fukushima".

KEYSTONE/EPA/HAYOUNG JEON

(sda-ats)

Der Schweizer Schriftsteller und Literaturprofessor Adolf Muschg sieht Parallelen zwischen dem Umgang mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima und dem Zweiten Weltkrieg.

Wie derzeit in Japan habe sich auch im Nachkriegsdeutschland das "Gefühl einer kollektiven Schuld" erst allmählich entwickelt, sagte der 84-Jährige am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse.

"Und in Japan ist es heute noch so, dass die Scham darüber, dass man selber davongekommen ist und alle die Leute gestorben sind, im Grunde genommen stärker als das Bedürfnis, die eigene Nation eines Fehlers zu bezichtigen", erklärte er. "Man müsste ja sagen, was die 68er oft brutal gesagt haben: Unsere Eltern sind einem verbrecherischen Narren gefolgt, der ihnen vorgemacht hat, sie seien das Herrenvolk der Erde. Mit einem solchen Satz leben könnte ein Japaner nicht. Er würde sich selber beschmutzen."

Der ehemalige Präsident der Berliner Akademie der Künste stellte bei der weltgrössten Bücherschau seinen von einigen Kritikern als überladen empfundenen Liebesroman "Heimkehr nach Fukushima" vor.

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SDA-ATS