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Der Mitorganisator Mohamed Hamdaoui und der Direktor der Fondation Entre-Connaissance, Hafid Ouardiri, in der Mitte umrahmt von den beiden Nationalräten Ada Marra (PS/VD) links und Manfred Bühler (SVP/BE), während eines der Runden Tische über Islam und Demokratie.

(sda-ats)

Schweizer Muslime haben am Samstag an einer "Landsgemeinde" in Biel über ihre Rolle in der Gesellschaft diskutiert. Zum Abschluss der Veranstaltung verabschiedeten die Anwesenden eine Charta über die Rechte und Pflichten der Muslime in der Schweiz.

Das Anlass in der reformierten Kirche Pasquart stand unter dem Motto "Chasch mir i d'Schueh blase!" und wendete sich nach Aussagen eines seiner Initianten, dem Bieler SP-Kantonsrats und Journalisten Mohamed Hamdaoui, gegen Extremisten auf beiden Seiten: Gegen rechte Parteien wie auch gegen radikale Muslime.

Sie hätten genug davon, von der politischen Rechten instrumentalisiert, mit Extremisten in einen Topf geworfen und von Personen vertreten zu werden, mit denen sie nichts gemeinsam hätten, sagte Hamdaoui. "An erster Stelle sind wir alle Bürger, die Religion hat damit nichts zu tun. Wir sind hier, um am sozialen Leben teilzunehmen", sagte Naïma Serroukh.

Hamdaoui hatte die "Landsgemeinde" zusammen mit zwei Mitgliedern der Vereinigung Tasamouh in Leben gerufen. Diese Organisation ist im Bereich der Prävention von Radikalisierung tätig.

60 Teilnehmende

Rund 60 Personen aus Politik und muslimischen Organisationen beteiligten sich an der Diskussion. Eingeladen war unter anderem auch der Nationalrat Manfred Bühler (SVP/BE), Nationalrätin Ada Marra (SP(VD) und Niels Rosselet-Christ, SVP-Abgeordneter im Neuenburger Grossen Rat. Die beiden Politiker begrüssten die Initiative.

An drei Runden Tischen wurde die Stellung des Islams in der Gesellschaft diskutiert. Dabei ging es um die Probleme von Muslimen in der Schweiz am Arbeitsplatz, in der Schule und in der Universität, die Frage, ob der Islam mit der schweizerischen Demokratie vereinbar sei und die Beziehung von Islam und Feminismus.

Charta verabschiedet

Höhepunkt der Veranstaltung war die Ausarbeitung und die Verabschiedung einer Charta der muslimischen Bürgerinnen und Bürger der Schweiz. In dem Text geht es darum, jeglichen religiösen, politischen und interkulturellen Extremismus zurückzuweisen. Er ruft weiter dazu auf, den Dialog zu verstärken und die religiösen Besonderheiten zu respektieren.

Ein Artikel verlangt Respekt und Gleichbehandlung aller Religionen, ein weiterer beinhaltet die Garantie, dass jeder Bürger und jede Bürgerin ihre Überzeugungen ausdrücken und ihren Glauben privat und öffentlich leben kann, aber immer in Übereinstimmung mit den Verfassungsbestimmungen.

Auch die Gleichstellung von Mann und Frau, die Notwendigkeit einer Ausbildung von Imamen, der Vorrang des Gesetzes vor der Religion und die Notwendigkeit, die Fragmentierung der Gesellschaft zu bekämpfen, werden im Text erwähnt.

In die Zange genommen

Nach dem Vorbild einer Landsgemeinde diskutierten die Anwesenden über die 12 Artikel der Charta. Eine Arbeitsgruppe werde das Dokument so überarbeiten, damit es auch Nicht-Muslime verstünden, sagte Hamdaoui.

"Es geht uns aber nicht darum, die Welt neu zu erfinden", sagte der Journalist. Das Ziel sei es, in einigen Sätzen zu sagen, dass die Muslime der Schweiz in erster Linie Schweizer Bürgerinnen und Bürger mit Rechten und Pflichten seien, sagte Hamdaoui, der seit 50 Jahren in Biel lebt.

Denn die Schweizer Muslime fühlten sich oft genug von rechten Parteien und gewissen islamistischen Organisationen in die Zange genommen. Implizit spielte er damit auf die SVP und den Islamischen Zentralrat der Schweiz (IZRS) an.

Die Charta wurde ohne Gegenstimmen angenommen. Gleichzeitig räumten die Organisatoren ein, dass das Dokument vorerst nur einen symbolischen Charakter habe.

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SDA-ATS