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Nach Zugunglück in Rafz werden die Waggons geborgen

Nach dem Zugunglück mit sechs Verletzten im zürcherischen Rafz werden die Waggons mit einem Pneukran wieder auf die Gleise gehoben. Die SBB hofft, dass die Strecke am Samstagmorgen wieder in Betrieb genommen werden kann.

Der Unfall passierte am Freitagmorgen nur wenige Meter nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof Rafz: Der Schnellzug fuhr mit etwas Verspätung auf dem Aussengleis durch den Bahnhof in Richtung Schaffhausen, als die S-Bahn plötzlich die Fahrt in die gleiche Richtung aufnahm.

Bei der Verengung auf ein Gleis prallten die Züge seitlich ineinander. Während die S-Bahn vergleichsweise unversehrt blieb, wurde der Schnellzug aus den Gleisen gehoben. Lokomotive und drei Waggons gerieten auf das Schotterbett und neigten sich zur Seite.

Fünf Passagiere, drei Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 25 und 46 Jahren, wurden leicht verletzt. Der 49-jährige Lokführer des Schnellzuges erlitt hingegen schwere Verletzungen. Er musste von der Feuerwehr aus dem Führerstand geschnitten und mit der Rega ins Spital gebracht werden.

Lokführer-Aspiranten im Führerstand

Wie die SBB mitteilte, waren in beiden am Unglück beteiligten Zügen gerade Lernfahrten im Gang. Sowohl in der S-Bahn als auch im Schnellzug waren je ein Ausbildungslokführer und ein Lokführer-Aspirant im Führerstand.

Ob diese "Sonderbesetzung" etwas mit der Kollision zu tun hat, ist unklar. Aspiranten sind gemäss SBB-Sprecher keineswegs Anfänger, sondern dürfen bereits Züge lenken. Sie werden dabei aber noch von einem erfahrenen Lokführer beaufsichtigt.

Experten der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) waren bereits kurz nach dem Unglück vor Ort und begannen mit ihrer Arbeit. Auch die SBB und die Staatsanwaltschaft suchen nach dem Grund für die Kollision.

Zugsicherungssystem auf dem neusten Stand

Sicher ist, dass die Strecke zwischen Bülach und Schaffhausen erst vor wenigen Jahren erneuert wurde. Eingebaut wurde zusätzlich zum bisherigen "Integra-Signum" auch das moderne System "ZUB", wie es bei der SBB auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda hiess.

Ersteres warnt den Lokführer beim so genannten Vorsignal, wenn der Zug auf ein Haltesignal zusteuert. Hält der Lokführer nicht an, wird der Zug automatisch abgebremst. Das System "ZUB" wiederum überwacht die Geschwindigkeit des Zuges zwischen Vor- und Hauptsignal.

Wie es dennoch dazu kam, dass die S-Bahn in den Schnellzug prallte, wird nun abgeklärt. "Wir bedauern den Unfall sehr", betonte Jeannine Pilloud, Leiterin Personenverkehr SBB, vor den Medien.

Bahnfahren ist sicher

Zugunfälle mit Personenschaden lösen immer wieder Betroffenheit und ein Lamento über mangelnde Sicherheit aus, obwohl oder gerade weil sie so selten sind. Dabei ist das Risiko, mit der Bahn tödlich zu verunglücken, bei gleicher Distanz 15 Mal geringer als mit dem Auto.

Im Vergleich zum Motorrad ist der Zug sogar um das 300-fache sicherer, wie das Bundesamt für Statistik errechnet hat. Seit 1990 hat sich die Zahl der bei Bahnunfällen getöteten Personen mehr als halbiert, obwohl heute weitaus mehr Passagiere unterwegs sind.

Im Mittel der Jahre 2010 bis 2013 - Zahlen für 2014 liegen noch nicht vor - verloren in der Schweiz pro Jahr rund 20 Menschen bei Unfällen mit der Eisenbahn das Leben, 55 weitere wurden verletzt.

Zum Vergleich: Im Strassenverkehr gab es in dieser Periode im Jahresdurchschnitt über 300 Tote und fast 22'800 Verletzte, obwohl auch hier das Unfallrisiko in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen ist.

Kommt dazu, dass es sich bei den allermeisten Opfern von Zugunfällen um Bahnangestellte sowie um Drittpersonen handelt, also um unaufmerksame Passanten oder Automobilisten. Im ganzen Zeitraum von 2010 bis 2013 wurden nur zwei tote Reisende gezählt. Bei den Verletzten war das Verhältnis zwischen Passagieren und Dritten in etwa ausgeglichen.

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