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Heute entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB) über die Zinsen. Bis die Sparbücher in der Schweiz wieder Geld abwerfen, wird es noch Monate dauern. (Archiv)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

(sda-ats)

Die EZB entscheidet am Nachmittag über ihre Geldpolitik in den nächsten Monaten. Da die Schweiz bei ihrer Geldpolitik aus Wechselkursgründen nach Europa schaut, werden die Entscheide Auswirkungen haben. Ist also das Ende der Negativzinsen in Sicht?

Die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen sind in den letzten Wochen gestiegen. Sie liegen nun nicht mehr im Minus-Bereich, sondern schwanken leicht um die Nullmarke. Der "Eidgenosse" gilt als sensibler Gradmesser für die Veränderung der Zinsen. Doch das Ende der aktuellen Zinssituation ist noch weit. Denn auch in der Geldpolitik gilt: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.

Als die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar 2015 den Euro-Mindestkurs aufhob und die Negativzinsen verschärfte, rutschten die Renditen langjähriger Staatsanleihen ins Minus. Eine absurde Situation: Anleger wussten nichts besseres mehr mit ihrem Geld anzufangen, als es zum Staat zu tragen und dafür zu bezahlen, dass die Eidgenossenschaft es für 10 Jahre aufbewahrt.

In den vergangenen Wochen schien eine Entspannung im Gang zu sein. Die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen stiegen zeitweise auf null oder gar etwas mehr. Ist das also ein erstes Indiz für eine Abkehr der aktuellen Negativzins-Ära?

"Es ist noch zu früh, zumindest für die kurzfristigen Zinsen", sagt Roland Kläger, Leiter Investment Office bei der Raiffeisen Schweiz. "Auf dem Kapitalmarkt nehmen die Zinsen eine Entwicklung vorweg. Doch es dauert, bis diese auf dem Geldmarkt ankommt", sagt er. Sprich: Bis die Sparbücher bei den Banken wieder Geld abwerfen und sich Hypotheken deutlich verteuern, wird es dauern. Immerhin deutet es gemäss Kläger in Richtung Normalisierung, dass die Zinsen auf den Kapitalmärkten nicht mehr "irrational tief" seien.

EZB könnte geldpolitische Zügel anziehen

Die höhere Rendite beim "Eidgenossen", wie man die 10-jährige Schweizer Staatsanleihe nennt, geht auf eine leichte Steigung der Zinsen in Deutschland zurück. "Die Zinsen der Schweizer Staatsanleihen korrelieren mit jenen in Deutschland", sagt Alessandro Bee, Ökonom bei der Grossbank UBS. Und diese wiederum reagieren jüngst sensibel auf die leicht geändert Tonlage aus Frankfurt.

EZB-Präsident Mario Draghi deutete an, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik künftig etwas weniger expansiv gestalten will. An den Leitzinsen (Refinanzierungssatz), die bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegen, sowie den Strafzinsen (Zinsen für Einlagefazilität) wird die EZB nichts ändern. "Mit einem höheren Leitzins in der Eurozone ist nicht zu rechnen. Aber alleine die Ankündigung, dass die EZB ihre Geldpolitik weniger expansiv gestalten will, gibt etwas Spielraum", sagt Alessandro Bee.

Ursache für Draghis Optimismus ist eine bessere Wirtschaftsentwicklung im Euroraum. Bee rechnet damit, dass die EZB im nächsten Jahr den Kauf von Staatsanleihen im grossen Stil aufgibt, was der SNB die Möglichkeit gibt, Mitte 2018 ein erstes Mal die Zinsen anzuheben, falls sich bis dahin der Franken deutlich abgeschwächt hat.

Schluss mit billigem Geld

Der umfangreiche Anleihenkauf zählt zu den unkonventionellsten, aber auch schärfsten Instrumenten der EZB gegen den Preiszerfall und gegen sinkende Investitionen. Der Kauf der Staatsanleihen schwemmt die Märkte mit Geld. Das Geld soll im Idealfall in Form von Krediten wieder in die Wirtschaft zurückfliessen. Schliesst die EZB ihre Geldschleusen, wird auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) reagieren.

"Ein Ende der Negativzinsen ist noch nicht in Sicht", sagt auch Maxime Botteron, Ökonom bei der Credit Suisse (CS). Dennoch sieht auch er eine Entspannung: "Das Risiko, dass die Zinsen nach unten verschärft werden, besteht nicht mehr. Das nimmt Druck", sagt er. Botteron rechnet damit, dass die EZB zuerst aus ihrem Anleihenprogramm aussteigen wird und dann 2019 die Zinsen anpassen wird. Die Schweiz, die bei ihrer Geldpolitik aus Wechselkursgründen nach Europa schauen muss, wird erst später nachziehen.

Auch Roland Kläger von der Raiffeisen rechnet mit einem Fahrplan in dieser Grössenordnung: Zuerst wird die Europäische Zentralbank ihre Anleihenkäufe zurücknehmen und erst dann an der Zinsschraube drehen, bevor die SNB aktiv werden kann. Dies frühestens Ende 2018, Anfang 2019. "Zu früh wird die SNB die Zinsen nicht anheben, sonst war die ganze Mühe umsonst", sagt er.

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SDA-ATS