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Neue Angriffe auf Ost-Ghuta vor geplanter Uno-Resolution

Durch Angriffe syrischer Truppen verletzte Kinder in Ost-Ghuta werden medizinisch behandelt.

Keystone/EPA/MOHAMMED BADRA

(sda-ats)

Nur wenige Stunden vor der geplanten Abstimmung im Uno-Sicherheitsrat über eine 30-tägige Waffenruhe in Ost-Ghuta hat am Freitag eine neue Angriffswelle die syrische Region erschüttert.

Den sechsten Tag in Folge bombardierten Kampfflugzeuge das belagerte Gebiet östlich von Damaskus. Nach Informationen der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden mindestens neun Zivilisten getötet. Seit Beginn der Bombardieren am Sonntag seien mindestens 426 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Unter den Toten seien auch rund 100 Kinder.

Nach Berichten medizinischer Helfer wurden zahlreiche Spitäler getroffen. Eine Versorgung der Verletzten sei kaum noch möglich.

Die in Grossbritannien ansässige Beobachtungsgruppe berichtete über Luft- und Artillerieangriffe auf die Ortschaften Duma, Samalka und andere Städte der Rebellen-Enklave. Ein Augenzeuge bezeichnete die Angriffe als die heftigsten bislang. Helfer und Rettungskräfte müssten immer wieder Menschen aus den Trümmern zerstörter Häuser graben.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, von Ost-Ghuta aus seien Stadtbezirke von Damaskus mit Granaten beschossen worden. Im Gegenzug seien dort militärische Ziele angegriffen worden.

Der Uno-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, bekräftigte angesichts der Kämpfe seine Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand, um sowohl das Bombardement Ost-Ghutas als auch den Beschuss von Damaskus zu beenden. Ausserdem müssten umgehend die Lieferung von Hilfsgütern in das belagerte Gebiet sowie die Evakuierung von Verletzten und Kranken ermöglicht werden.

Zivilisten sind Leidtragende

Ost-Ghuta wird seit 2013 von den Regierungstruppen belagert. Die Rebellen in der Enklave werden von islamischen Extremisten dominiert, die von dort aus auch immer wieder Damaskus beschossen haben. Die syrische und die russische Regierung erklärten, sie nähmen nur militärische Ziele unter Beschuss. Den Islamisten werfen sie vor, die Bevölkerung Ost-Ghutas als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Rund 400'000 Menschen leben in dem Gebiet aus Vorstädten und landwirtschaftlichen Flächen vor den Toren der Hauptstadt. Die syrische Armee und regierungstreuen Truppen bereiten nach eigenen Angaben mit dem Bombardement eine Bodenoffensive vor, um die letzte Rebellenbastion bei Damaskus einzunehmen. Die Leidtragenden in dem Krieg zwischen Regierungsgegnern und Islamisten auf der einen Seite und der syrischen Armee und ihren russischen Verbündeten auf der anderen sind die in Ost-Ghuta lebenden Zivilisten.

Haltung Moskaus unklar

Der Uno-Sicherheitsrat sollte im Laufe des Freitags über eine Resolution für eine 30-tägige Waffenruhe abstimmen. Der Entwurf wurde von Schweden und Kuwait eingebracht. Ausgeschlossen von der Resolution sind radikale Gruppen wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Al-Kaida und die Nusra-Front. Syrien und Russland sagen, sie kämpfen in Ost-Ghuta gegen solche Gruppen.

Unklar war, wie die Uno-Vetomacht Russland abstimmen wird, die den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt. Russland forderte Änderungen an dem Entwurf. Dadurch war am Donnerstag eine Einigung im Sicherheitsrat verhindert worden.

Angriff in Kurdenregion Afrin

Im Norden Syriens griff die türkische Armee einen Fahrzeugkonvoi an, der in die umkämpfte Kurdenregion Afrin gefahren war. Nach türkischer Darstellung waren in den 30 bis 40 Fahrzeugen Kämpfer, Waffen und Munition für die Kurdenmiliz YPG, die von der türkischen Armee bekämpft wird.

Die YPG erklärte, der Konvoi, der am Donnerstagabend in der Stadt Afrin eingetroffen sei, habe Zivilisten, Lebensmittel und Medikamente transportiert. In den Fahrzeugen seien Hunderte Menschen gewesen. Bei dem türkischen Beschuss seien einige Autos in Brand gesetzt worden. Ein Mensch sei getötet und mindestens zehn seien verletzt worden.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Freitag, die türkische Armee unternehme grosse Anstrengungen, um zivile Opfer in ihrem Kampf gegen die YPG zu vermeiden. Berichte über getötete Zivilisten wurden von Verteidigungsminister Nurettin Canikli zurückgewiesen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) erklärte dagegen, sie habe drei türkische Angriffe in Afrin im vergangenen Monat untersucht. Dabei sei es zu zahlreichen zivilen Opfern gekommen. Bei Luft- und Artillerieangriffen auf eine Ansammlung von Zelten, eine Geflügelfarm und ein Haus seien 26 Zivilisten getötet worden, darunter 17 Kinder.

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