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Anleger rätseln: Kann Janet Yellen an der Spitze der US-Notenbank Fed noch eine zweite Amtszeit anhängen?

KEYSTONE/EPA/MICHAEL REYNOLDS

(sda-ats)

Donald Trump muss einen der mächtigsten Posten in der Finanzwelt neu besetzen. Anleger rätseln: Wer wird künftig die US-Notenbank leiten? Als Top-Anwärter gilt Ex-Goldman-Manager Gary Cohn, doch die aktuelle Fed-Chefin Yellen kann auf eine zweite Amtszeit hoffen.

Das hochkarätig besetzte Notenbankertreffen in Jackson Hole wird von einer drängenden Entscheidung Donald Trumps überschattet. Während EZB-Präsident Mario Draghi und Fed-Chefin Janet Yellen in den Rocky Mountains über Geldpolitik fachsimpeln, rätseln Anleger, wer künftig die US-Zentralbank leitet. Selten war die Frage so brisant, denn US-Präsident Trump verfolgt bei der Nominierung klare Ziele - und mit der Unabhängigkeit der Fed hat er es nicht so.

"Eine der grössten Sorgen an den Märkten ist, wen Trump für den Vorsitz der Fed aussucht", sagt Analyst Stephen Gallagher vom Bankhaus Société Générale. Yellens vierjährige Amtszeit endet im Februar. "Normalerweise würden wir in den nächsten Wochen eine Wahl erwarten." Das Problem: Normal geht es bei Trump selten zu. Zudem gab es zuletzt Gerüchte, sein Favorit könnte den Job ablehnen.

Trump macht Cohn zum Favoriten

Vor einem Monat hatte Trump seinen Wirtschaftsberater Gary Cohn in einem Interview als Top-Anwärter für den Posten bezeichnet. Auf die Frage, ob der Ex-Vizechef der US-Investmentbank Goldman Sachs ein Kandidat sei, antwortete Trump: "Er weiss es nicht, aber ja, das ist er". Trump machte jedoch auch Yellen Hoffnung auf eine weitere Amtszeit. Cohn selbst äusserte sich bislang nicht zu dem Thema.

Ob der ehemalige Investmentbanker für die Aufgabe überhaupt bereitstünde, ist somit unklar. In der vergangenen Woche gab es sogar Gerüchte, Cohn könnte sich von Trump distanzieren und aus Protest gegen dessen lasche Reaktion auf rechtsextreme Gewalt in der US-Stadt Charlottesville seinen Beraterposten in der Regierung aufgeben. Dazu kam es bislang zwar nicht, dennoch stehen hinter Cohn Fragezeichen.

Als langjährige Nummer Zwei von Goldman Sachs ist der Spitzen-Manager ohne ökonomische Ausbildung ein ungewöhnlicher Kandidat, der bei Kritikern im Verdacht steht, vor allem der Banken-Lobby zu dienen. Das dürfte Trump, der bis zur Präsidentschaft selbst keine politische Erfahrung hatte, zwar nicht abschrecken - er hat schon genug unkonventionelle und umstrittene Personalentscheidungen getroffen.

Abzuwarten bleibt aber, ob Cohn wirklich bereit wäre, sich im Rat der Notenbanker als einziger Vertreter ohne fachliche Qualifikation auf die Hilfe seiner Kollegen verlassen zu müssen. Bei Goldman Sachs kommandierte er im hektischen Umfeld der Finanzmärkte Heerscharen von Börsenhändlern. Bei der Fed hingegen herrscht ein akademisches Klima, hier werden keine Deals eingefädelt, sondern Studien gewälzt.

Rückendeckung für Yellen

Genau das wiederum ist die Vorliebe der aktuellen Notenbankchefin Yellen, einer Vollblut-Ökonomin mit ausgeprägter Leidenschaft für knifflige Fachfragen der Geldpolitik. Trump hatte die 71-Jährige im Wahlkampf noch heftig kritisiert und ihr vorgeworfen, mit künstlich niedrigen Zinsen Finanzblasen zu riskieren. Doch der Wind hat sich gedreht. Denn der Präsident ist nun wegen seiner gewagten Job- und Wachstumsversprechen selbst auf die Unterstützung der Fed angewiesen.

Deshalb schlägt Trump mittlerweile ganz andere Töne an und kann sich gut vorstellen, an Yellen festzuhalten. "Ich mag sie; ich mag ihre Haltung. Ich denke, sie hat einen guten Job gemacht", sagte er im Juli dem "Wall Street Journal". Allerdings macht der Präsident keinen Hehl daraus, was er mit seiner Nominierung bezwecken will: "Ich würde gerne sehen, dass die Leitzinsen niedrig bleiben". Die Aussage birgt Brisanz, weil die Fed eigentlich unabhängig agieren soll.

Neben der Ungewissheit um Cohn gibt es noch weitere Argumente für Yellen. Beobachter stellen ihr ein gutes Zeugnis aus, gemessen an Arbeitsmarktlage und Inflation gilt sie als eine der bislang erfolgreichsten Fed-Spitzen. Anders als viele ihrer Vorgänger hatte Yellen jedoch auch keine grösseren Krisen zu meistern. Unterm Strich dürfte sich eine weitere Amtszeit im US-Senat, der den Vorschlag des Präsidenten bestätigen muss, aber leicht durchbringen lassen.

Dennoch hat Cohn bei den Buchmachern der Wett-Website PredictIt mit einer Wahrscheinlichkeit von 36 Prozent derzeit die Nase vor Yellen, die es zuletzt auf 27 Prozent brachte. Was die Wahl für die Finanzmärkte bedeuten würde? Laut Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank jedenfalls nichts Gutes für den Dollar: "Ich gebe zu, als gelernter Volkswirt habe ich ein Vorurteil gegenüber Nicht-Ökonomen an der Spitze einer wichtigen Zentralbank."

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SDA-ATS