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Marcel Kollers ÖFB-Arä endet am 31. Dezember nach über sechs Jahren. In Erinnerung bleibt primär der goldene Herbst 2015. Danach kamen er und seine Equipe vom Erfolgskurs ab.

"Die Kunst des Siegens" heisst die im Februar vor einem Jahr veröffentlichte Biografie von Marcel Koller. "Ein Spiel so anzugehen, dass man letztlich mehr Chancen hat, es zu gewinnen als mit einer Niederlage vom Feld zu laufen - das ist für mich eine Kunst." Genau das hat er in den letzten Monaten nicht mehr geschafft und mit einer Serie von Punkteinbussen praktisch alle Chancen verspielt, die kommende WM-Endrunde in Russland zu erreichen.

Deshalb fällte die Verbandsleitung einen Entscheid, der angesichts der negativen Entwicklung zu erwarten war: Am 31. Dezember endet die Zusammenarbeit nach 55 Länderspielen. Länger war in der ÖFB-Geschichte bisher nur Hugo Meisl, der einstige Wunderteam-Coach in den 30er-Jahren, ohne Unterbruch in Amt und Würden.

Im Frühsommer 2016 fühlte sich die Euphorie um das Nationalteam Österreichs grenzenlos an. Koller stand als Macher und Stratege der Auswahl im Zentrum der landesweiten Fussballer-Verehrung. Nach einer nahezu makellosen Qualifikations-Kampagne mit neun Siegen und nur einem Remis waren die ÖFB-Optimisten kaum mehr zu bremsen. "Viertelfinal aufwärts, bitte schön", fasste Koller die Anspruchshaltung im Rahmen eines SDA-Interviews wenige Woche vor dem EM-Turnier mit leicht ironischem Unterton zusammen.

Die Geschichte der Endrunde ist schnell erzählt. Der Höhenflug endete am 3. Spieltag mit einer 1:2-Niederlage gegen Island. Gekränkt, sieglos und schwer enttäuscht verschwand Kollers Equipe von der grossen Bühne - und tauchte seit dem Tiefschlag nicht mehr richtig auf. Der Schwung ist weg, die Begeisterung ist passé. Tristesse kam auf und mit den zunehmend fehlenden Erfolgserlebnissen formierten sich die Kritiker des Nationalcoachs.

Wenige Monate nach den unerfreulichen Juni-Tagen in Paris manövrierte sich die ÖFB-Elf auch auf dem Weg nach Russland in eine unangenehme Lage. Die Niederlagen gegen Serbien (2:3) und Irland (0:1) waren nicht mehr zu korrigieren. Matt und ohne Selbstvertrauen resultierten weitere Rückschläge. Nach lediglich zwei Siegen in den letzten acht Wettbewerbsspielen ist das Scheitern in der Gruppe D nach sportlichem Ermessen programmiert.

So sehr das aktuell ungünstige Tabellenbild den Alltag überschattet, die fast sechsjährige Ära Kollers hat das Image der österreichischen Fussball-Bewegung mehrheitlich aufgewertet. Der Zürcher mit grosser GC-Vergangenheit führte "Rot-Weiss-Rot" zurück auf den europäischen Radarschirm; er hob trotz teilweiser unsachlicher Kritik der Wiener Grantler Herbert Prohaska und Hans Krankl den jahrelangen Stillstand auf.

Die beste Qualifikationsphase seit 1997 wird in Erinnerung bleiben - ebenso der Fakt, die Mannschaft aus den Tiefen des FIFA-Rankings bis in die Top 10 gecoacht zu haben. Nicht vergessen haben seine Befürworter auch, dass er im Herbst 2013 eine gut dotierte Offerte des Schweizer Verbands ausschlug und stattdessen seinen Weg an der Donau fortsetzte.

Inner- und ausserhalb der ÖFB-Zentrale geniesst der bald 57-Jährige weiterhin einen formidablen Ruf. Seine im positiven Sinn berechenbare Art wurde geschätzt. Entsprechend korrekt und respektvoll verläuft nun die Trennung. Der auslaufende Vertrag wird nicht verlängert, auf eine Freistellung verzichteten die Entscheidungsträger - auf eine Schlammschlacht ohnehin.

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SDA-ATS